Reife Aprikosen am Baum

Gemüse, Obst und Zierpflanzen

Der Gartenbau ist für die Produktion regionaler Nahrungsmittel unverzichtbar. Kleingärten und Streuobstwiesen sind außerdem Hotspots der Artenvielfalt. Mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz bzw. einer Bruttowertschöpfung von rund 1,3 Milliarden Euro und über 52.000 Arbeitsplätze ist der Gartenbau außerdem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Hessen.

Unterstützung durch das Land

Neben der Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln aus regionaler Produktion haben private und öffentliche Grünanlagen vielfältige Bedeutung. Zum Erhalt der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit unterstützt das Land Hessen den Gartenbau mit dem Beratungs- und Bildungsangebot der Offizialberatung durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Eine breit aufgestellte Einzelbetriebliche Förderung unterstützen flankierend die zukunftsfähige Entwicklung der Betriebe.

Mit der Hochschule Geisenheim University und dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen bestehen in Hessen universitäre Einrichtungen für Forschung und Lehre im konventionellen und ökologischen Gartenbau. Der gartenbauliche Versuchsbetrieb des Gartenbauzentrums Geisenheim des LLH ist auf Gemüsebau und Zierpflanzenbau ausgerichtet und in das Netzwerk der deutschen gartenbaulichen Versuchsanstalten eingebunden. In Witzenhausen bearbeitet der LLH Fragen zum Süßkirschen-anbau und ist Teil der Deutschen Genbank Obst.

Mangold

Produktionsgartenbau in Hessen

Die Agrarstrukturerhebung 2016 weist in Hessen 1.812 Betriebe aus, die auf 11.980 Hektar gartenbauliche Kulturen kultivieren. Sie beschäftigen rund 14.200 Mitarbeiter*innen, darunter etwa 11.700 Saisonarbeitskräfte (primär im Gemüsebau), und ca. 1.200 Familienarbeitskräfte. Der Schwerpunkt der Produktion liegt im Regierungspräsidium Darmstadt. Im bundesdeutschen Vergleich ist der hessische Produktionsgartenbau eher kleinstrukturiert, muss sich aber dem globalen Wettbewerb stellen. Detaillierte Informationen bietet die Broschüre "Der Gartenbau in Hessen".

Auf 8.285 Hektar wird Gemüse angebaut, wichtigste Kulturen sind Spargel, Speisezwiebeln und Erdbeeren, die statistisch zum Gemüsebau gerechnet werden. In Nordhessen hat der Kohlanbau für die Sauerkrautproduktion große Bedeutung.

Im Obstbau dominiert der Apfel, gefolgt von Süßkirschen (regional in Witzenhausen, Friedberg und Wiesbaden) und Strauchbeeren. Das für Hessen typische Streuobst ist statistisch nicht erfasst, sein Mostobst ist Basis der Fruchtwein- und -saftproduktion. Als wertvolle Biotope sind Streuobstbestände in Hessen seit langem naturschutzrechtlich geschützt.

Zahlreiche Zierpflanzenbau- und Staudengärtnereien haben sich erfolgreich dem Strukturwandel und dem scharfen Wettbewerb durch den fachfremden Handel gestellt. Schwerpunkt der Zierpflanzenproduktion sind Beet- und Balkonpflanzen. Die Direktvermarktung hat große Bedeutung für die im bundesweiten Vergleich überwiegend kleineren und mittleren Betriebe.

Baumschulen bieten ein breites Sortiment an Zier- und Obstgehölzen an, darunter auch alte und regionale Sorten. In Steinfurth, heute ein Stadtteil von Bad Nauheim, liegt die Wiege der deutschen Rosenproduktion.

Auf rund 1.000 Hektar werden Küchenkräuter für den Frischmarkt - u.a. für die „Grüne Sauce“ - und die Industrie (getrocknet und gefrostet) sowie Arzneikräuter angebaut.

Die Speisepilzproduktion in Hessen verzeichnet stetige Zuwächse und beläuft sich auf rund 8.000 Tonnen/Jahr. Neben Champignon als wichtigster Art haben auch Austernseitlinge, Kräuterseitlinge, Shiitake und sonstige Arten Bedeutung.

Zierpflanzen

Dienstleistungsgartenbau in Hessen

Rund 290 Friedhofsgärtnereien sind der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Hessen-Thüringen angeschlossen. Sie offerieren u.a. mit Memoriam-Gärten eine attraktive Alternative zu den traditionellen und anderen Bestattungsformen. Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau ist mit rund 2.900 Betrieben die größte und auch wirtschaftlich stärkste gärtnerische Fachsparte, die betriebliche Struktur reicht vom Kleinstbetrieb bis zu Betrieben mit über hundert Mitarbeiter*innen.

Die beiden Sparten beschäftigen insgesamt ca. 9.200 Mitarbeiter*innen und erwirtschaften einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Ökologischer Gartenbau

Die Nachfrage nach ökologisch produzierten Gartenbauprodukten steigt stetig. Auf über 530 Hektar produzieren Betriebe, die vollständig gemäß den ökologischen Richtlinien wirtschaften, Gemüse und Obst sowie Zier- und Gehölzpflanzen. Das Land Hessen bietet ihnen und den an einer Umstellung interessierten Betrieben ein spezielles Beratungsangebot.

Nichterwerbsgartenbau

Haus- und Kleingärten besitzen einen hohen sozialpolitischen Wert und sind unverzichtbarer Bestandteil des öffentlichen Grüns. Kleingärten und Streuobstbestände sind Hotspots der Biodiversität. Dem Nichterwerbsgartenbau bietet das Land Hessen mit der Gartenakademie Hessen ein umfangreiches Informations-, Vortrags- und Lehrgangsangebot zu aktuellen Themen. Ein eigenständiges Förderprogramm unterstützt Bildungsmaßnahmen der Vereine und Verbände des Nichterwerbsgartenbaus sowie investive Maßnahmen in Kleingartenvereinen.

Landesgartenschauen

Hessen führt seit 1994 alle vier Jahre Landesgartenschauen durch und fördert anteilig die erforderlichen Investitionen. Kommunen haben damit die Möglichkeit, mit Hilfe des Landes attraktive und zeitgemäße Grünstrukturen zu schaffen, die u.a. als Naherholungsflächen und zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels immer wichtiger werden. Die Landesgartenschauen eröffnen den Kommunen zudem die Option, sich in ihrem Stadtmarketing als zukunftsfähige Wohn- und Gewerbestandorte zu präsentieren. Als Orte der Umweltbildung geben Landesgartenschauen u.a. wertvolle Informationen und Anregungen zur umweltgerechten Gestaltung und Pflege des eigenen Gartens. Ihr „Grünes Klassenzimmer“ führt Kinder und Jugendliche anschaulich an den Themenkomplex Natur-Umwelt-Garten heran.

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