Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Hessischer Tierschutzbeirat

Beschlüsse vom 8.2.2017

Am 8. Februar 2017 hat sich der Tierschutzbeirat der Hessischen Landesregierung mit den Themen Flugunfähigmachen von Zoovögeln, Zucht und Auswilderung von Fasanen zu jagdlichen Zwecken, Initiative Bundestierschutzbeauftragter und Strategiepapier des niederländischen Agrarministeriums zum Ausstieg aus dem Tierversuch beschäftigt und die folgenden Beschlüsse gefasst:

Flugunfähigmachen von Zoovögeln

Der Landesbeirat für Tierschutz Hessen stellt fest, dass das routinemäßige Flugunfähigmachen von Vögeln in zoologischen Einrichtungen durch Amputationen bzw. Gewebezerstörung mit dem geltenden Tierschutzgesetz unvereinbar ist.

Deshalb fordert der Tierschutzbeirat die Landesregierung auf, dieses Verbot in allen Zoos (gemäß EU-Zoorichtlinie) landesweit konsequent durchzusetzen.

Der Tierschutzbeirat empfiehlt dabei die Vorgehensweise des Landes NRW, das im Rahmen eines Erlasses die Zoos in NRW aufgefordert hatte, konkrete betriebsindividuelle Ausstiegskonzepte binnen 3 Monaten  den zuständigen Behörden vorzulegen.

Zucht und Auswilderung von Fasanen zu jagdlichen Zwecken

Der Landesbeirat für Tierschutz Hessen bittet die Landesregierung sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass das Aussetzen von in Gefangenschaft gezüchteten Fasanen zum Zwecke der Bestandsstützung, um u.a. damit auch entsprechende Jagdstrecken zu erzielen, untersagt wird.

Initiative Bundestierschutzbeauftragter

Der Beirat begrüßt die Initiative des Parlamentskreises Tierschutz vom 14.12.2016 und den Beschluss und die Vorschläge der Vertreter der Ländertierschutzbeiräte vom 01.12.2016 zur Einrichtung und Ausgestaltung eines Bundestierschutzbeauftragten.

Er bittet die Landesregierung, die Einrichtung eines Bundestierschutzbeauftragten zu unterstützen und den Beirat in die Beratungen miteinzubeziehen.

Strategiepapier des niederländischen Agrarministeriums zum Ausstieg aus dem Tierversuch

Der Landesbeirat für Tierschutz begrüßt das Strategiepapier des niederländischen Agrarministeriums zum Ausstieg aus dem Tierversuch mit dem Ziel, bis 2025 führend auf dem Gebiet der Innovationen ohne Tierversuche zu werden und sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Tierversuchen zu leisten.

Er bittet die hessische Landesregierung, sich auf Bundesebene (z.B. mittels Bundesratsinitiative) dafür einzusetzen, dass auch Deutschland konkrete Maßnahmen und Zeitschienen zum Ausstieg aus dem Tierversuch vorlegt und sich den Zielsetzungen der Niederlande anschließt.

Hintergrund:

Ziel des niederländischen Agrarministers ist es, bis 2025 die weltweit führende Rolle im Bereich der Innovationen ohne Tierversuche einzunehmen. Vor diesem Hintergrund hatte der Landwirtschaftsminister Marijn van Dam 2016 das niederländische nationale Tierversuchskomitee beauftragt, einen Fahrplan zum Ausstieg aus der tierexperimentellen Forschung zu erarbeiten.

Ergebnis ist ein Strategiepapier, das für unterschiedliche Forschungsbereiche konkrete Zeitschienen und Handlungsoptionen aufzeigt, Wege ohne oder mit deutlich weniger Tierversuchen zu gehen. Das Komitee will mit seinem Strategiepapier einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Tierversuchen leisten, sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene.

Für die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen von Chemikalien, Pestiziden, Nahrungsinhaltsstoffen und Human- und Tierarzneimittel, ebenso wie für biologische Stoffe wie Impfstoffe, kann dem Bericht zufolge bis 2025 vollständig auf Tierversuche verzichtet werden, ohne den Sicherheitsstandard zu gefährden.

Bei der Grundlagenforschung sieht das Komitee je nach Bereich unterschiedliche Optionen. Es geht insgesamt von einer weitreichenden Reduzierung der Tierversuche aus und schlägt vor, einen Fahrplan mit einer 10-Jahres-Frist für jeden Grundlagenbereich auszuarbeiten. Die Möglichkeiten der tierversuchsfreien Forschung sollen berücksichtigt werden.

In der angewandten Forschung sieht das Komitee Möglichkeiten, viel schneller voranzukommen als das derzeit der Fall ist. Konkret empfiehlt es, sich beispielsweise im Bereich der Entwicklung von menschlichen Krankheitsmodellen auf tierversuchsfreie Methoden zu konzentrieren. So können die Niederlande auch in diesem Bereich bis 2025 führend sein. Im Bericht wird die Bedeutung humanbasierter Methoden und der personalisierten Medizin betont, wie beispielsweise epidemiologische Studien oder Microdosing. Mit Blick auf die Entwicklungen im Bereich der Organchips wird die Möglichkeit gesehen, Tierversuche innerhalb von 50 Jahren zu reduzieren oder auch ganz zu ersetzen.

Für den Bereich der Lehre und Ausbildung betont das Komitee die zahlreichen vorhandenen tierversuchsfreien Lehrmethoden sowie die Notwendigkeit, ethische Überlegungen anzustellen und gerade bei Jungwissenschaftlern ein Umdenken anzuregen. Auf diese Art hält das Komitee eine Reduzierung der Tierzahl auf ein Minimum für möglich. Was Hunde und Katzen anbelangt, wird ein vollständiger Verzicht in veterinärmedizinischen Kursen empfohlen. Für biomedizinische Kurse sieht das Komitee das Potential ganz auf tierfreie Methoden umzusteigen.