Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Hessischer Tierschutzbeirat

BESCHLÜSSE VOM 03.12.2014

Fallenjagd

Der Landesbeirat fordert die Landesregierung auf, die Fallenjagd zu verbieten.

Hintergrund

Der Tierschutzbeirat hat sich mit dem Thema Fallenjagd befasst und auch Experten dazu angehört. U. a. kommt es beim Einsatz von Fallen zu folgenden tierschutzrelevanten Problemen:

  • Es werden Tiere gefangen, die nicht gefangen werden sollten, darunter können auch artgeschützte Tiere sein (Fehlfänge).
  • Es kommt zu Verletzungen von Tieren durch Fehlfunktion/Fehlbedienung der Fallen.
  • Tiere werden durch zu langes Verweilen in Lebendfallen Stress ausgesetzt.
  • Lebend gefangene Tiere werden unsachgemäß getötet.
  • Das Freilassen lebend gefangener Tieren abseits kann zu Leiden und zum Tod der Tiere führen (ein beliebiger Ort stellt i.d.R. nicht das adäquate Biotop dar; es kann u. a. zu Kämpfen mit bereits dort lebenden Tieren kommen).

Wildtiermanagement

Der Beirat fordert die Hessische Landesregierung auf, den Kommunen Informationen zu non-letalen Vergrämungsmaßnahmen für Wildtiere im befriedeten Bereich zur Verfügung zu stellen sowie ein striktes Fütterungsverbot auszusprechen.

Hintergrund

Wildtiere im befriedeten Bereich können zu Problemen führen. Die Tötung der Tiere führt in der Regel jedoch nicht zur Reduktion ihrer Zahl, sondern dazu, dass die frei werdenden Räume durch Artgenossen besetzt werden. Daher stellen Vergrämungsmaßnahmen den Erfolg versprechenderen sowie tierschutzgerechteren Weg dar.

Ein Fütterungsverbot trägt dazu bei, die Zahl der Wildtiere nicht künstlich anwachsen zu lassen.

Schonzeit für Waschbären und Füchse

Der Beirat fordert die Landesregierung auf, eine Schonzeit für Waschbären von März bis einschließlich August sowie für Füchse von März bis einschließlich Juni festzulegen.

Hintergrund

Um zu verhindern, dass die zur Aufzucht der Jungtiere notwendigen Elterntiere geschossen werden, bevor die Jungtiere selbständig sind, sollten entsprechende Schonzeiten eingehalten werden. Da Waschbären eine lange Laktationsphase aufweisen, sollte ihre Schonzeit entsprechend dem oben genannten Antrag festgelegt werden. Die Schonzeit sollte überdies für beide Geschlechter gelten, da sie aus der Ferne nicht unterschieden werden können.

Tierversuche

Der Tierschutzbeirat bittet die Landesregierung, im Wissenschaftsministerium einen Sonderetat für die Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Ersatzverfahren zu Tierversuchen einzurichten.

Hintergrund

Laut Regierungserklärung des Hessischen Ministerpräsidenten vom 04.02.2014 sollen „langfristig Tierversuche, wo immer möglich, durch alternative Verfahren“ ersetzt werden.

Derzeit existiert in Hessen Forschungsförderung im Bereich Ersatz bzw. Reduzierung/Verfeinerung von Tierversuchen in der Form des 2-jährlich zur Ausschreibung stehenden, mit 15.000 Euro dotierten Tierschutzforschungspreises, was der Tierschutzbeirat zu schätzen weiß.

Jedoch reicht dies nicht aus. Das Verbraucherschutz- und das Wissenschaftsministerium von Baden-Württemberg haben z. B. gemeinsam ein Förderprogramm für die Entwicklung von Ersatzmethoden zum Tierversuch präsentiert, das 400.000 Euro für drei ausgewählte Forschungsprojekte und zusätzlich 25.000 Euro für einen Forschungspreis vorsieht.

Solange die Forschung zur Entwicklung von Ersatzmethoden zum Tierversuch nicht auch den Sprung vom für den Tierschutz zuständigen HMUKLV in das Wissenschaftsministerium schafft, wird sie weiterhin ein Schattendasein führen und nicht die Anerkennung erhalten, die ihr zusteht. Die Einrichtung eines Sonderetats für diesen innovativen Forschungsbereich im Wissenschaftsministerium wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zusätzlich sollte ein verbindliches Gesamtkonzept mit definierten Maßnahmen und Zielen zur wirksamen Einschränkung und letztlich zum zeitnahen Ausstieg aus dem Tierversuch vorgelegt werden.

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