Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Viruserkrankung bei Rindern, Schafen und Ziegen

Schmallenberg-Virus

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Drei Schafe auf einer Wiese
© Alexey Stiop - Fotolia.com

Das sogenannte Schmallenberg-Virus wurde in Europa erstmals in den Niederlanden im Frühherbst 2011 identifiziert und danach in weiteren Mitgliedsstaaten. Als im Spätherbst auch in Deutschland vergleichbare Fälle beobachtet wurden, hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) im November 2011 den Erreger erstmalig identifiziert. Das Virus gehört zur Simbu-Serogruppe der Orthobunyaviren. Der Erreger wird als Schmallenberg-Virus bezeichnet, weil der erste Virusnachweis bei Proben von Tieren aus Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen) gelang. In Hessen wurde das Virus erstmals am 13. Januar 2012 nachgewiesen.

Das Virus befällt vor allem Rinder, Schafe und Ziegen. Das Virus wird vermutlich durch Gnitzen (Stechmücken) übertragen und führt bei trächtigen Tieren zu missgebildeten Lämmern/Kälbern, Totgeburten und Aborten. Für den Menschen besteht durch das Schmallenberg-Virus nach bisheriger Kenntnislage kein Gesundheitsrisiko.

Erwachsene Tiere zeigen nur milde Symptome. Werden allerdings trächtige Tiere infiziert, so können zeitverzögert Störungen der Fruchtbarkeit, Frühgeburten und zum Teil erhebliche Schäden bei den Neugeborenen auftreten. In Analogie zum Akabane-Virus kommt es vermutlich bei Schafen zwischen Tag 28 und 36 und bei Rindern wahrscheinlich zwischen Tag 75 und 110 zur Infektion. So wurden in Deutschland in den letzten Wochen Lämmer mit zum Teil schweren Missbildungen geboren. Mittlerweile zeigen sich die Auswirkungen auch den ersten Abkalbungen bei Rindern nach einer möglichen Infektion im letzten Sommer. Da das Virus nach bisherigen Erkenntnissen des FLI nicht von Tier zu Tier, sondern über Mückenstiche übertragen wird, ist davon auszugehen, dass derzeit keine Neuinfektionen erfolgen. Die jetzt festgestellten Missbildungen an neugeborenen Tieren gehen zurück auf Infektionen im vergangenen Jahr. Das FLI arbeitet mit Hochdruck an der weiteren Erforschung des in unseren Breiten neuartigen Virus sowie an der Entwicklung eines Impfstoffs.

Nachdem das Schmallenberg-Virus in immer mehr Bundesländern aufgetreten ist, hat der Bundesrat am 30. März 2012 eine amtliche Meldepflicht für diese Tierkrankheit beschlossen. Im Vorgriff auf diese neue rechtliche Grundlage hatten Bund und Länder bereits im Januar 2012 vereinbart, alle neuen Fälle unmittelbar über das elektronische Tierseuchen-Nachrichtensystem (TSN) zu melden. Die erforderlichen Untersuchungen in Hessen werden vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) durchgeführt.