Virusinfektion bei Wiederkäuern

Blauzungenkrankheit

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Eine Kuh - © Andi Taranczuk / Fotolia.com
© Andi Taranczuk / Fotolia.com

Die Blauzungenkrankheit ist eine nichtansteckende Erkrankung bei Wiederkäuern, welche durch das Bluetongue-Virus (BTV), ein Orbivirus aus der Familie der Reoviren, verursacht wird. Bisher sind mindestens 24 Serotypen von BTV bekannt, bei jedem Serotyp gibt es jedoch unterschiedliche Reassortanten. BTV wird von Gnitzen, blutsaugenden Mücken der Gattung Culicoides, von Tier zu Tier übertragen und auf diesem Wege verbreitet.

Empfänglich für die Tierseuche sind alle Wiederkäuer, wie Rinder, Schafe, Ziegen und Wildwiederkäuer aber auch Neuweltkameliden.

Das Virus ist für Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milch sowie daraus hergestellte Erzeugnisse können daher ohne Bedenken verzehrt werden und unterliegen keinen Handelsbeschränkungen.

Ein Eintragsrisiko bzw. eine Weiterverbreitung des Blauzungenvirus besteht

  • durch die Ausbreitung lebender, infizierter Vektoren mit dem Wind,
  • durch die Einschleppung infizierter Vektoren mit dem Handel und Verkehr oder
  • durch den Handel mit infizierten Tieren, deren Sperma, Embryonen und Eizellen.

Entwicklung der Tierseuche in Europa

Der in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland nachgewiesene Serotyp 8 führt bei Rindern in der Regel nicht zur Ausbildung von Krankheitssymptomen. Bei Schafen wurden dagegen, zumindest in Einzelfällen, schwere, klinische Symptome und Todesfälle beobachtet.

Nach dem BTV-Seuchenzug 2006-2009 war Deutschland seit 2012 offiziell frei von der Tierseuche. Entsprechende Zertifikate dürfen jetzt nicht mehr ausgestellt werden.

Blauzungenvirus wurde im Jahr 2018 in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland festgestellt. Während in Italien BTV1 und BTV4 nachgewiesen wurden, zirkuliert in Frankreich BTV4 und BTV8.

Um einen Eintrag des Virus nach Deutschland möglichst zu verhindern hatte das Land Baden-Württemberg bereits ein BT-Impfprogramm auf freiwilliger Basis etabliert.

Auch in Hessen war in den letzten Jahren mit der Veröffentlichung von Ausnahmegenehmigungen die Impfung gegen Blauzungenkrankheit für die Halter von Wiederkäuern ermöglicht worden.

Aktueller Sachstand

Am 13.12.2018 wurde der Ausbruch der Blauzungenkrankheit nach einer Routineuntersuchung in einem Rinderbestand im Kreis Rastatt in Baden-Württemberg festgestellt. Nachgewiesen wurde der Serotyp 8 (BTV8). Damit ist das Virus der Blauzungenkrankheit seit 2009 erstmals wieder in Deutschland aufgetreten.

Um die Ausbruchsbetriebe in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland wurde ein Restriktionsgebiet von mind. 150 km eingerichtet. Betroffen vom Sperrgebiet sind jeweils das gesamte Landesgebiet von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland.

In Hessen sind folgende Regionen betroffen:

  • Bergstraße
  • Darmstadt-Dieburg
  • Groß-Gerau
  • Odenwaldkreis
  • Main-Taunus-Kreis
  • Hochtaunuskreis
  • Rheingau-Taunus-Kreis
  • Offenbach
  • Limburg-Weilburg
  • Wetteraukreis
  • Main-Kinzig-Kreis
  • Lahn-Dill-Kreis
  • Gießen
  • Marburg-Biedenkopf
  • Frankfurt am Main
  • Offenbach am Main
  • Wiesbaden

Betroffene Gemeinden im Vogelsbergkreis: Schotten, Grebenhain, Freienstein, Herbstein, Lautertal, Ulrichstein, Mücke, Gemünden, Homberg (Ohm), Kirtorf, Antrifttal, Romrod, Schwalmtal, Lauterbach, Wartenberg und Alsfeld mit Ausnahme der Gemarkungen Berfa und Lingelbach

Betroffene Gemeinden im Kreis Waldeck-Frankenberg: Allendorf, Battenberg, Bromskirchen, Burgwald, Frankenberg, Gemünden, Haina, Hatzfeld und Rosenthal

Betroffene Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis: Gilserberg, Schwalmstadt, Willingshausen und Schrecksbach

Betroffene Gemeinden in Fulda: Bad Salzschlirf, Großenlüder, Hosenfeld, Neuhof, Flieden und Kalbach

Die betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen sind hier abrufbar. 

Das BTV8-Sperrgebiet muss mindestens zwei Jahre aufrechterhalten werden.

Zu beachtende Maßnahmen

Für das Sperrgebiet gelten folgende Maßnahmen:

Halter von Wiederkäuern im Sperrgebiet müssen, sofern dies noch nicht geschehen ist, die Haltung und den Standort von Wiederkäuern der zuständigen Veterinärbehörde anzeigen.  Der Begriff Wiederkäuer schließt insbesondere auch Büffel und alle gehaltenen Wildwiederkäuer ein.

Wiederkäuer dürfen aus dem Sperrgebiet nur verbracht werden, wenn sie die Bedingungen der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 erfüllen.

Verbringen von Wiederkäuern innerhalb des Sperrgebietes:

Innerhalb des BTV8-Sperrgebiets, das auch andere Mitgliedstaaten umfassen kann, können Wiederkäuer ohne Impfung oder Laboruntersuchung mit behördlicher Genehmigung verbracht werden, soweit die Tiere zum Zeitpunkt des Verbringens keine Krankheitssymptome zeigen, die auf Blauzungenkrankheit hinweisen, und der Betrieb nicht wegen Blauzungenkrankheit gesperrt ist. Das Verbringen zum Zwecke der Schlachtung von nicht geimpften Wiederkäuern ist ebenfalls mit behördlicher Genehmigung erlaubt.

Export und Verbringen von Wiederkäuern sowie deren Sperma, Eizellen und Embryonen aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet:

Der Export und das Verbringen von Wiederkäuern sowie deren Sperma, Eizellen und Embryonen aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes  Gebiet ist für Wiederkäuer derzeit nur zulässig, wenn die Tiere während der Beförderung gegen Culicoides-Mücken geschützt sind und eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:

  • Die Tiere besitzen einen gültigen Impfschutz  und die letzte Impfung ist mindestens 60 Tage vor dem Transport erfolgt,
  • die Tiere besitzen einen gültigen Impfschutz, der Abstand zur letzten Impfung entspricht der Anzahl an Tagen, die vom Impfstoffhersteller bis zum Einsetzen der Immunität vorgegeben ist und ein Erregernachweistest mit negativem Ergebnis liegt vor, der mindestens 14 Tage nach Erreichen des Zeitraums bis zum Einsetzen der Immunität  vorgenommen wurde,
  • die Tiere besitzen einen gültigen Impfschutz und wurden innerhalb des vom Impfstoffhersteller angegeben Zeitraumes nachgeimpft.

Verbringen von Kälbern im Alter von unter 90 Tagen in die Niederlande

Mit den Niederlanden wurde ein bilaterales Abkommen bezüglich der Bedingungen geschlossen, unter denen Kälber im Alter von unter 90 Tagen ab dem 14. März 2019 aus den BTV8-Restriktionsgebieten in Deutschland in die Niederlande verbracht werden dürfen. Der Text des Memorandums ist am Ende der Seite unter „Downloads“ abrufbar. Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:

  • Die Kälber wurden frühestens 7 Tage vor dem Verbringen mittels Blutuntersuchung negativ auf BTV8 getestet.

  • Die Kälber wurden im Moment der Probenentnahme mit einem Insektizid gegen Angriffe durch den Vektor Culicoides behandelt.

  • Die Tiere werden von einer amtlichen Gesundheitsbescheinigung begleitet, in der unter Punkt BT-2 – folgender Wortlaut aufgeführt ist: „Tiere erfüllen die Bestimmungen von Artikel 8 (1) (b) der Verordnung (EG) 1266/2007

  • Die Tiere werden zusätzlich von einer ergänzenden, amtlichen Gesundheitsbescheinigung begleitet, in welcher die im Memorandum festgeschriebenen Gesundheitsbestimmungen bestätigt werden.

In den Fällen, in denen die Kälber nicht direkt sondern über eine Sammelstelle in die Niederlande verbracht werden, müssen die Kälber bis zu der Sammelstelle von der vollständig ausgefüllten Tierhaltererklärung für die Niederlande begleitet werden, mit der die erforderlichen Daten dem abfertigenden Tierarzt auf der Sammelstelle zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich wird empfohlen, den Untersuchungsbefund mit dem negativen Ergebnis der Untersuchung auf BTV8 mitzusenden.

Langfristig ist ein Verbringen von Wiederkäuern aus dem BTV8-Sperrgebiet in bezüglich BTV8 nicht reglementierte Regionen nur dann möglich, wenn die Tiere gegen BTV8 geimpft sind. Darauf wurde bereits in den vergangenen Jahren wiederholt hingewiesen und zur Impfung gegen Blauzungenkrankheit aufgefordert.

Die ständige Impfkommission Veterinäre empfiehlt die Impfung von Schafen, Ziegen und Rindern gegen die Serotypen BTV4 und BTV8. Die Impfung vermittelt einen sicheren Schutz, sie ist weitgehend nebenwirkungsfrei und daher empfehlenswert.

Befristet bis zum 30. April 2019 gelten die folgenden, erleichterten Verbringungsregelungen in Deutschland:

Verbringen von Zucht-, Nutz- und Schlachtrindern aus dem BTV8-Sperrgebiet in Hessen in BTV8-Sperrgebiete anderer Bundesländer:

Das Verbringen von Zucht-, Nutz- und Schlachtwiederkäuer aus BTV-unverdächtigen Beständen innerhalb des BTV8-Sperrgebietes in Deutschland ist ohne weitere Voraussetzungen möglich. Auf die Eingangs- und Abgangsmeldungen der zuständigen Behörden nach Artikel 7 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 kann verzichtet werden. Die zu verbringenden Zucht-, Nutz- und Schlachtwiederkäuer müssen von der ausgefüllten Tierhaltererklärung "Verbringen im Sperrgebiet in D" begleitet sein.

Verbringen von Zucht- und Nutzrindern aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet in Deutschland:

Das Verbringen von Zucht- und Nutzrindern aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet in Deutschland ist möglich, wenn die Tiere innerhalb von 7 Tagen vor dem Verbringen mit negativem Ergebnis auf eine Infektion mit Blauzungenvirus untersucht worden sind und die Tiere vom Zeitpunkt der Probenentnahme bis zur Versendung mit einem Repellent behandelt worden sind. Das Ergebnis der Untersuchung auf Blauzungenvirus ist in HIT einzutragen. Für das Verbringen wird das Tier von einem Ausdruck des HIT-Untersuchungsantrags auf BTV8 begleitet, auf dem der Tierhalter die Behandlung mit dem Repellent handschriftlich bestätigt. Der Ausdruck des Untersuchungsantrags wird dem Käufer übergeben. Eine weitere Eingangs- und Abgangsmeldung der zuständigen Veterinärbehörden nach Artikel 8 Abs. 1 Buchstabe b der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 ist nicht mehr erforderlich.

Verbringen von Wiederkäuern aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet in Deutschland zur Schlachtung:

Das Verbringen von Wiederkäuern aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet in Deutschland zur Schlachtung ist möglich, wenn in dem Herkunftsbestand mind. 30 Tage vor dem Versendedatum kein Fall der Blauzungenkrankheit aufgetreten ist, bei den zu verbringenden Tieren am Tag der Verbringung keine Anzeichen für das Vorliegen eines Verdachts oder einer Infektion der Blauzungenkrankheit vorhanden sind und eine vom Tierhalter auszufüllende Tierhaltererklärung, mit der das Vorliegen dieser Voraussetzungen bestätigt wird, dem Schlachtbetrieb übergeben wird. Auf die gegenseitige Unterrichtung der betroffenen Veterinärbehörden nach Artikel 8 Abs. 4 Buchstabe c der Verordnung (EG) Nr. 1266/2007 kann verzichtet werden. Eine Repellentbehandlung ist bei Schlachttieren nicht erforderlich. Die abgestimmte Tierhaltererklärung finden Sie am Ende der Seite.

Verbringen von Kälbern bis zum Alter von 90 Tagen von geimpften Muttertieren aus dem BTV8-Sperrgebiet in ein bezüglich BTV8 nicht reglementiertes Gebiet in Deutschland:

Kälber bis zum Alter von 90 Tagen, die noch nicht geimpft werden können, dürfen aus dem BTV8-Sperrgebiet in bezüglich BTV8 nicht reglementierte Gebiete in Deutschland verbracht werden, wenn das Muttertier einen wirksamen Impfschutz besitzt, die Impfungen in HIT eingetragen sind, das Kalb die Biestmilch des geimpften Muttertieres erhalten hat und eine vom Tierhalter auszufüllende Tierhaltererklärung, mit der das Vorliegen dieser Voraussetzungen bestätigt wird, dem Käufer übergeben wird. Ein Muttertier besitzt dann einen wirksamen Impfschutz, wenn bei der Erstimpfung zweimal in dem vom Impfstoffhersteller angegebenen Abstand geimpft wurde (Grundimmunisierung) und nach der zweiten Impfung mindestens 4 Wochen vergangen sind. Der wirksame Impfschutz wird aufrechterhalten, wenn die Wiederholungsimpfungen in dem vom Impfstoffhersteller angegebenen Abstand durchgeführt werden. Die abgestimmte Tierhaltererklärung finden Sie am Ende der Seite.

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