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Viruserkrankung bei Vögeln

Aviäre Influenza / Geflügelpest / Vogelgrippe

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Hühner - Freilandhaltung - © ccke / Fotolia.com
Hühner - Freilandhaltung
© ccke / Fotolia.com

Was für eine Erkrankung ist die Geflügelpest?

Bei der Geflügelpest, umgangssprachlich auch Vogelgrippe genannt, handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, die durch Influenza A-Viren ausgelöst wird. Bei den aviären Influenzaviren kann man grundsätzlich zwischen zwei Gruppen, den so genannten niedrig pathogenen (pathogen bedeutet eine Krankheit verursachend) und den hoch pathogenen Influenzaviren unterscheiden. Die hoch pathogenen aviären Influenzaviren (insbesondere Subtyp H5N1) können bei Nutzgeflügel, zum Beispiel bei Hühnern oder Puten, zu hohen Tierverlusten führen. Die niedrig pathogenen Influenzaviren rufen dagegen oftmals nur geringe bis gar keine Krankheitsanzeichen hervor, da diesen Viren die Eigenschaften zum Auslösen einer schweren Erkrankung fehlen.

Aktuelle Lage zur Geflügelpest

Hochpathogene aviäre Influenza (Geflügelpest) vom Subtyp H5N8 ist mittlerweile in 26 europäischen Staaten (hier in der chronologischen Folge ihrer Meldung: Ungarn, Polen, Kroatien, Schweiz, Österreich, Deutschland, Dänemark, Niederlande, Schweden, Finnland, Frankreich, Rumänien, Serbien, Großbritannien, Griechenland, Bulgarien, Montenegro, Slowakische Republik, Italien, Irland, Tschechische Republik, Slowenien, Spanien, Portugal, Mazedonien, Belgien) aufgetreten. In Deutschland gab es seit dem 08.11.2016 bundesweit 1.300 Feststellungen (Stand 21.03.2017), davon1.206 Wildvögel und 94 gehaltene Vögel. Der letzte infizierte Wildvogel in Hessen wurde am 28. März 2017 aufgefunden.

Bei den aktuellen Ausbrüchen von hochpathogener aviärer Influenza (Geflügelpest) bei Wildgeflügel wurde ein Virus vom Subtyp H5N8 festgestellt. Seit Mitte Dezember 2016 zirkuliert unter den Wildvögeln noch ein weiterer HPAI-Subtyp, H5N5. Infektionen des Menschen mit H5N8 oder H5N5 sind bisher nicht bekannt. Eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.

Ornithologische Risikogebiete in Hessen:
• längs des Rheins incl. Biedensand, Kühkopf und Mainmündung,
• längs des Mains,
• Brutgebiete in der Wetterau,
• Heuchelheimer Seen,
• Niederweimarer Seen,
• Werra bei Obersuhl,
• Fuldaauen bei Kassel,
• Edersee-Sperre

Beachten Sie die aktuelle Berichterstattung des FLI .

Stallpflicht aufgehoben

Durch die geänderten Witterungsverhältnisse und den weitgehend abgeschlossenen Frühjahrsvogelzug hat sich der Infektionsdruck entscheidend verringert. Die aktuelle Zahl von Vogelgrippeinfektionen bei Wildvögeln in Hessen ist rückläufig: Der letzte infizierte Wildvogel wurde am 28. März 2017 aufgefunden. Hinzu kommt ein deutlicher Rückgang der bundesweiten Geflügelpestausbrüche. Deshalb wurde die Stallpflicht aufgehoben.

Die Biosicherheitskonzepte großer kommerzieller Geflügelhaltungen in Hessen werden in Form einer engen Zusammenarbeit der Task Force Tierseuchenbekämpfung mit den örtlich zuständigen Behörden und dem Tiergesundheitsdienst Geflügel an der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie den betreuenden Hoftierärzten überprüft. Hierbei sollen auch die Biosicherheitskonzepte der Lieferanten und Transporteure von Geflügel in Hessen einbezogen werden. Ziel ist es, die Tierhalter präventiv für Biosicherheitsmaßnahmen zu sensibilisieren und die Umsetzung geeigneter Biosicherheitskonzepte zu begleiten.

Nach Aufhebung der Stallpflicht ist die konsequente Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen umso wichtiger. Dies ist unabhängig von der Stallpflicht der beste Schutz vor einer Einschleppung der Vogelgrippe. Der Vogelgrippeerreger ist immer noch vorhanden und kann jederzeit wieder aktiv werden. Alle Halterinnen und Halter von Geflügel sind daher nach wie vor zur größten Sorgfalt bei den Hygienemaßnahmen aufgerufen.

Biosicherheitsmaßnahmen

Hierunter werden alle Vorsichtsmaßnahmen verstanden, die einerseits den Eintrag gefährlicher Tierseuchenerreger aus der Umwelt erschweren und andererseits eine Weiterverbreitung aus bereits infizierten Betrieben unterbinden sollen. Sie können durch Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen dazu beitragen unsere Geflügelbestände zu schützen!

Zu beachten ist deshalb, dass

  • in Freilandhaltungen die Tiere nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden dürfen und nur an Stellen gefüttert werden, die für Wildvögel nicht zugänglich sind.
  • Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Geflügel in Berührung kommen kann, für Wildvögel unzugänglich aufzubewahren ist.
  • für zur Ein- oder Ausstallung beauftragte Personen  der Geflügelhalter gereinigte und desinfizierte Schutzkleidung oder Einwegkleidung bereitzuhalten hat und sicherzustellen ist, dass diese angelegt und nach dem Ablegen gereinigt und desinfiziert oder unschädlich beseitigt wird.

Werden in einem Geflügelbestand mehr als 1.000 Stück Geflügel gehalten, hat der Tierhalter sicherzustellen, dass

  • die Ein- und Ausgänge zu den Ställen oder die sonstigen Standorte des Geflügels gegen unbefugten Zutritt und unbefugtes Befahren gesichert sind,
  • die Ställe oder die sonstigen Standorte des Geflügels von betriebsfremden Personen nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einwegkleidung betreten werden und dass diese Personen die Schutz und Einwegkleidung nach Verlassen des Stalles oder sonstigen Aufenthaltsortes des Geflügels unverzüglich ablegen,
  • Schutzkleidung nach Gebrauch unverzüglich gereinigt und Einwegkleidung nach Gebrauch unverzüglich unschädlich beseitigt wird,
  • nach jeder Ein- und Ausstallung von Geflügel die hierbei genutzten Gerätschaften, und der Verladeplatz gereinigt und desinfiziert werden und dass nach jeder Ausstallung die freigewordenen Ställe einschließlich der dort vorhandenen Einrichtungen und Gegenstände gereinigt und desinfiziert werden,
  • betriebseigene Fahrzeuge unmittelbar nach Abschluss des Geflügeltransports auf einem befestigten Platz gereinigt und desinfiziert werden,
  • Fahrzeuge, Maschinen und sonstige Gerätschaften, die in der Geflügelhaltung eingesetzt und von mehreren Betrieben gemeinsam benutzt werden, jeweils im abgebenden Betrieb vor der Abgabe gereinigt und desinfiziert werden,
  • eine ordnungsgemäße Schadnagerbekämpfung durchgeführt wird und hierüber Aufzeichnungen gemacht werden,
  • der Raum, der Behälter oder sonstige Einrichtungen zur Aufbewahrung von verendetem Geflügels bei Bedarf, mindestens jedoch einmal im Monat, gereinigt und desinfiziert werden,
  • eine betriebseigene Einrichtung zum Waschen der Hände sowie zur Desinfektion der Schuhe vorgehalten wird.

Um einen möglichen Eintrag des Virus schnell zu erkennen bzw. ausschließen zu können, gilt für alle Geflügelhaltungen, dass beim Auftreten von erhöhten Sterberaten innerhalb von 24 Stunden (ab drei Tiere, bei einer Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren, oder mehr als 2 % der Tiere, ab einer Bestandsgröße von 100 Tieren) und erheblichen Veränderungen der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, ein Tierarzt hinzuzuziehen und das Vorliegen der Geflügelpest abzuklären ist. Bei Wassergeflügel gilt dies ab einer dreifach erhöhten Sterberate bzw. einer Abnahme der Legeleistung bzw. Tageszunahme um mehr als 5%.

Weitere Informationen zur Klassischen Geflügelpest

Aktuelle Informationen zur Klassischen Geflügelpest und zum Seuchengeschehen in Europa finden Sie unter nachstehenden Links.

Haben Sie noch Fragen zur Aufstallungspflicht?

Wenden Sie sich an:

  • Inga Garrelfs
    LLH Bad Hersfeld,Tel.: 06621-9228-48
  • Dr. Christiane Keppler
    LLH Fritzlar, Tel.: 05622-79777-111