Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Startseite Umwelt Wald Waldzustand Fachsymposium „Baumarten im Hessischen Wald der Zukunft“ am 05. Dezember 2019 im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg des Landesbetriebs Hessen-Forst

Fachsymposium „Baumarten im Hessischen Wald der Zukunft“ am 05. Dezember 2019 im Forstlichen Bildungszentrum Weilburg des Landesbetriebs Hessen-Forst

Zusammenfassung der Ergebnisse

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Blick in einen Mischwald
Blick in einen Mischwald
© HessenForst

Anhand von Vorträgen wurden ca. 140 Personen über den Stand der Wissenschaft, Planungen der Waldbesitzenden bzw. -bewirtschafter informiert und allen Waldbesitzern Anregungen bzw. Hinweise geliefert. Über mögliche Szenarien im Umgang mit wieder zu bewaldenden Flächen wurde diskutiert. Dabei wurden erste Rahmenbedingungen für die Wiederbewaldung im Staatswald herausgearbeitet, die auch als Orientierung für andere Waldbesitzer dienen können.

Die Veranstaltung wurde von Frau Staatsministerin Hinz eröffnet. Hierbei erläuterte sie die Intention für ein solches Symposium und nannte die derzeit im Raum stehenden Fragen im Zuge der Wiederbewaldung, wie z.B.  

  • Wie hoch sind die klimawandelbedingten Risiken für unsere bisherigen Hauptbaumarten einzuschätzen?
  • Welche Rolle sollen bei der Wiederbewaldung die Naturverjüngung und Vorwälder spielen?
  • Was tun, wenn sich die Fichte natürlich einstellt?
  • Welche weiteren heimischen Baumarten können künftig eine Rolle spielen?
  • Welchen Beitrag können nicht heimische Baumarten leisten?

Die Ministerin betonte, dass wir in Hessen einen artenreichen, vielfältigen und insbesondere klimastabilen Mischwald benötigen. Dazu gehört selbstverständlich, dass die Baumarten standortgerecht sein müssen. Angesichts der Dimensionen und den enormen klimawandelbedingten Herausforderungen müsse auch der Mut aufgebracht werden, neue Wege zu gehen. Sukzession und Naturverjüngung als auch Vorwald mit späterem Einbringen weiterer Baumarten werden nach ihrer Meinung eine zunehmende Bedeutung noch vor Pflanzung bzw. Saat bekommen (müssen). Dabei gilt es, mögliche Risiken in Erwägung zu ziehen, allen voran Fichten-Naturverjüngungen auf nicht mehr fichtentauglichen Standorten. Hier sind ökologisch ausgewogene und ökonomisch realisierbare Ideen und Lösungen erforderlich. Die Ministerin führte aus, dass gleichzeitig die ‚mangelnden‘ Ressourcen, wie Arbeitskapazität, Pflanzmaterial oder Finanzen bedacht werden müssen. Auch muss über die Frage des Wildbestandes und Auswirkungen auf bzw. Maßnahmen zum Gelingen einer Wiederbewaldung auf diesen enorm großen Flächen geredet werden.

Auf dem Symposion gehaltene Vorträge zum Download

Der Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Brüggemann (Universität Frankfurt) zu Ergebnissen der Eichenversuche in Südhessen kann aus lizenzrechtlichen Rechten nicht zur Verfügung gestellt werden.

Stand der Schäden im hessischen Wald (Michael Gerst, HessenForst)

Klimarisiken und Folgen für die Baumartenwahl in Hessen (Prof. Dr. Hermann Spellmann, Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt)

Wälder im Klimawandel: Steigerung von Anpassungsfähigkeit und Resilienz durch mehr Vielfalt und Heterogenität (Prof. Dr. Beate Jessel, Bundesamt für Naturschutz)

Anbaurisiken und Empfehlungen heimischer und eingeführter Arten aus Sicht der ökologischen Genetik (Prof. Dr. Erwin Hussendörfer, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf)

Wiederbewaldung und Biodiversität (Jörg Nitsch, Landesnaturschutzbeirat)

Stand der Überlegungen zur Wiederbewaldung für den Staatswald (Stefan Nowack, Hessen-Forst)

Stand der Überlegungen zur Wiederbewaldung eines betroffenen hessischen Privatwaldbesitzes (Henning Graf von Kanitz, Hess. Waldbesitzerverband)

Vor der Wiederbewaldung: Alternativen im Umgang mit Störungsflächen (Dr. Simon Thorn, Universität Würzburg)

Krise und Wiederbewaldung – Perspektiven aus Sicht der ANW (Dagmar Löffler, ANW Hessen)

Aktuelle Forschungsprojekte zur Wiederbewaldung von Kahlflächen (Prof. Dr. Sven Wagner, Technische Universität Dresden)

Modernes Risikomanagement – waldbauliche forstliche Anpassungsstrategien bei Klima und Sturm (Prof. Dr. Ulrich Kohnle, FVA Freiburg)

PDF icon Modernes Risikomanagement – waldbauliche forstliche Anpassungsstrategien bei Klima und Sturm (Prof. Dr. Ulrich Kohnle, FVA Freiburg) (PDF / 1 MB)

Diskussion auf dem Symposion

In der anschließenden Diskussion kamen vor allem folgende Themen zur Sprache:

  • Anbau nicht heimscher Baumarten (mögliche Anteile, Frage nach Invasivität, Auswirkungen auf die Biodiversität)
  • Wirtschaftliche Situation der Waldbesitzenden (geringe Einnahmen bei erhöhtem Aufwand, Unterstützung zum Erhalt der Gemeinwohlleistungen und Multifunktionalität)
  • Zukünftige Anteile an Nadelholz (hohe CO2-Bindung, Bauholz als langlebiges Holzprodukt, notwendige Versorgung der Industrie, Einkommen der Waldbesitzer, Risiken)
  • Jagd (Liberalisierung der Abschussplanung, Konzentration auf Verjüngungs-Hotspots, Wild nicht „verdammen“)
  • Forstliche Forschung intensivieren (Entwicklung der Standorte, Auswirkungen auf Baumarten, Eignung anderer Herkünfte, bisheriger „Nebenbaumarten“ und „neuer Baumarten“)
  • Waldbewirtschafter und Baumschulen brauchen Planungssicherheit (verlässliche politische Rahmenbedingungen)

Abschließend fasste Frau Staatsministerin Hinz unstrittige Punkte und Ergebnisse zusammen:

Es geht nicht darum, in „Aktionismus“ zu verfallen.

Eine „Patentlösung“ gibt es nicht, mehrere Wege sind möglich.

Privat- und Kommunalwald produzieren Holz und erbringen Gemeinwohlleistungen. Sie sind zum Erhalt Ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu unterstützen. Auch aus Klimaschutzgründen ist die regionale Holzerzeugung gegenüber dem Holzimport zu bevorzugen.

Um das klimabedingte Risiko zu streuen, sind durch die Verjüngung und Pflege Mischbestände mit 4 oder 5 Baumarten zu entwickeln.

Standortgerechte Naturverjüngung ist dabei vorrangig zu nutzen.

Wo dies nicht zielführend ist, sind bevorzugt einheimische Baumarten zu nutzen.

Die Ziele für den Staatswald sind in der Richtlinie zur Bewirtschaftung des Staatswaldes (RiBeS 2018) festgelegt. Im Waldumbau werden auch bewährte fremdländische Arten eine Rolle einnehmen.

Auf einer begrenzten Fläche soll Sukzession zugelassen und erforscht werden.

Neue Ökotypen oder Baumarten sind auf Versuchsflächen einzubringen und zu erforschen, die Biodiversität soll nicht beeinträchtigt werden 

Forstliche Forschung sowie Biodiversitätsforschung sind zu intensivieren und die Zusammenarbeit der Länder zu verbessern. Der Ansatz des Bundesamtes für Naturschutz zur Vernetzung der Biodiversitätsforschung wird seitens des Landes unterstützt.

Die Baumschulen als Partner und wichtiger Lieferant der notwendigen Pflanzen brauchen Planungssicherheit. Hessen-Forst wird mit der Darre Wolfgang die Zusammenarbeit intensivieren.

Um teure Schutzmaßnahmen zu vermeiden, kommt der Jagd eine Schlüsselrolle zu. Der Dialog mit der Jägerschaft wird fortgesetzt.  

Die Pflege und Durchforstung der verbliebenen Bestände darf nicht vernachlässigt werden.

Die Wiederbewaldung ist personalintensiv und erfordert eine ständige fachkundige Beobachtung und behutsame Pflege der Flächen.

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