Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Startseite » Umwelt & Natur » Wasser » Hochwasserschutz » Hochwasservorsorge
Kenntnis der Gefahr

Hochwasservorsorge

fotolia_52512374_xs

Sandsacklager
© lightvisual - Fotolia.com

Zur Hochwasservorsorge gehören u. a.

  • aktuelle und verlässliche Hochwasservorhersagen,
  • Hochwasserwarn- und –meldedienste sowie
  • Deichverteidigung und Wasserwehr.

Hochwasservorhersage

Einen absoluten Schutz kann es nicht geben. Hochwasser ist ein Naturereignis und daher nicht vermeidbar. Es muss deshalb vor allem darum gehen, Schäden soweit wie möglich zu vermeiden. Eine aktuelle und verlässliche Hochwasservorhersage ist dafür unabdingbar. Gerade die Menschen, die in Hochwassergebieten leben, müssen sich rechtzeitig wappnen können.

Eine Hochwasservorhersagezentrale ist beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) eingerichtet. Die Hochwasservorhersage ist ein wichtiger Beitrag für die Durchführung der Hochwasserdienstordnungen. Mit diesen werden betroffene Gemeinden vor dem Hochwasser in die Lage versetzt, rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Für alle größeren und mittleren Gewässer in Hessen sind Abfluss- und Wasserstandsvorhersagen im Internet bereitgestellt. Für die Einzugsgebiete kleinerer Gewässer wird eine landkreisbezogene Warnkarte veröffentlicht.

Zentraler Hochwasserdienst

Für die Gewässer wurden je nach Gewässergröße „Zentrale-“ oder „Dezentrale Hochwasserdienstordnungen“ erlassen. Insgesamt bestehen in Hessen sechs zentrale (Rhein, Main, Hessisches Wesergebiet, Diemel, Kinzig und Lahngebiet) und zwanzig dezentrale Hochwasserdienstordnungen.

Zuständig für den zentralen Hochwasserdienst sind die Regierungspräsidien. Die zentralen Hochwasserdienstordnungen enthalten die Standorte von ausgewählten Niederschlagsmessstationen und von Hochwassermeldepegeln. Bei Erreichen oder Überschreiten der im Meldeplan der jeweiligen zentralen Hochwasserdienstordnung festgelegten Meldegrenzen bzw. Meldestufen zuständigen Regierungspräsidium dies den betroffenen Gemeinden, damit diese rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten können.

Bei kleineren Gewässern ist meist wegen der kurzen Laufzeiten der Hochwasserwellen Hochwasservorhersage mit ausreichend großer Vorwarnzeit möglich. Bei den „Dezentralen Hochwasserdienstordnungen“ werden deshalb die Meldungen von Unteren Wasserbehörde direkt an die betroffenen Gemeinden weitergeleitet.

Grundsätzlich ist das Melde- und Warnsystem des Hochwasserdienstes auf drei Meldestufen aufgebaut. Diese bedeuten:

 

Meldestufen des Hochwasserwarn- und -meldedienstes
Hochwassermeldestufe I     Meldebeginn         stellenweise kleine Ausuferungen
Hochwassermeldestufe II größeres Hochwasser
  • Flächenhafte Überflutung ufernaher Grundstücke
  • leichte Verkehrsbehinderungen auf Gemeinde- und Hauptverkehrsstraßen
  • Gefährdung einzelner Gebäude
  • Überflutung von Kellern
Hochwassermeldestufe III außergewöhnliches Hochwasser
  • Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet
  • Sperrung von überörtlichen Verkehrsverbindungen

Deichverteidigung und Wasserwehr

Gemäß § 53 Hessisches Wassergesetz (HWG) haben die Gemeinden einen Wasserwehrdienst einzurichten, wenn sie erfahrungsgemäß durch Überschwemmungen gefährdet werden. Im Hessischen Ried ist die Deichverteidigung eine Aufgabe der Wasserwehr. Sie besteht aus dem ständigen Beobachten des Deichkörpers und des Binnenlandes, der Weitermeldung von bedeutsamen Schadensfeststellungen und der Beseitigung von Schäden und Mängeln. Bei einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr und im Fall eines Deichbruchs an Rhein- oder Mainwinterdeichen sowie im Katastrophenfall und wenn die Durchführung der Wasserwehr/Deichverteidigung auf örtlicher Ebene der Feuerwehr übertragen ist, gelten darüber hinaus die Vorschriften des Gesetzes über den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (HBKG).

Die Gemeinde kann, soweit dies durch Satzung festgelegt ist, gemäß § 22 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) die Einwohner und bestimmte sonstige Personen für eine beschränkte Zeit zu persönlichen Diensten und anderen Leistungen im Rahmen des Herkömmlichen heranziehen.

Das Regierungspräsidium Darmstadt, Abteilung Arbeitsschutz und Umwelt Darmstadt, stellt die Notwendigkeit für den Auf- und Abruf der Wasserwehren der Riedgemeinden fest; es ordnet Beginn und Ende der Deichbewachung und -verteidigung an. Der Bürgermeister leitet die Wasserwehr und den Wasserwehrdienst. Er kann diese Aufgabe delegieren. Soweit die Aufgaben der Wasserwehr auf die örtliche Feuerwehr übertragen wurden, ist deren Leiter zuständig. Der Landrat übernimmt als „Untere Katastrophenbehörde" nach Eintritt des Katastrophenfalls die Leitung der Abwehrmaßnahmen und ordnet den Einsatz der erforderlichen Einheiten und Einrichtungen an.