Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Technischer Hochwasserschutz

Hochwasserschutzanlagen

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Niddatalsperre bei Schotten
© Hess. Umweltministerium

Zum technischen Hochwasserschutz zählen der Bau von Schutzanlagen wie Dämme, Deiche oder Hochwasserschutzmauern, aber auch von Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken.

Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken

Hochwasserrückhaltebecken und Talsperren unterstehen grundsätzlich der Talsperrenaufsicht durch die Wasserbehörden. Für größere Anlagen ist dies das zuständige Regierungspräsidium. Wesentlicher Bestandteil der Aufsicht über die Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken sind regelmäßige Kontrollen vor Ort, die mindestens einmal im Jahr stattfinden; das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) kann hierzu eingebunden werden. Näheres kann der „Verwaltungsvorschrift über die Wasseraufsicht bei Planung, Bau, Betrieb und Unterhaltung von Talsperren“ (Staatsanzeiger für das Land Hessen Nr. 18/2012 Seite 510) entnommen werden.

Deiche an Rhein und Main

Die Winterdeiche an Rhein und Main schützen im hessischen Ried ca. 240.000 Einwohner und etwa 30.000 Hektar Ländereien mit einer Schadenserwartung in Höhe von rund 3,0 Milliarden € vor Hochwasser.

Diese Deiche, die zusammen rund 120 Kilometer Länge aufweisen, stehen im Eigentum des Landes Hessen, das deswegen für die Deiche unterhaltungspflichtig ist. Sie schützen gegen ein Hochwasser, wie es statistisch gesehen einmal in 200 Jahren auftreten kann.

Derzeit werden die Deiche mit erheblichem Kostenaufwand im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel in der Reihenfolge der Dringlichkeit instand gesetzt.

Oberrhein

Der entscheidende Eingriff des Oberrheinausbaus in das Abflussregime für die hessische Rheinstrecke beruht in einer Verringerung der Überschwemmungsflächen am südlichen Oberrhein durch den Ausbau bis Iffezheim; dadurch sind über 130 Quadratkilometer an Retentionsflächen verloren gegangen, was zu einer Vergrößerung der Hochwasserstände am Rhein geführt hat.

In der Folge abgeschlossene Vereinbarungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz zur Regelung von Fragen des Hochwasserschutzes am Oberrhein aus dem Jahr 1977 (mit Änderung 1989) haben zum Inhalt, dass Hessen eine anteilige finanzielle Verpflichtung an den Ausbaukosten der Oberrheinpolder in Frankreich, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in Höhe von 20 % übernimmt.

Mit diesen Poldern am südlichen Oberrhein wird es gelingen, am Ort des Entstehens der Hochwasserverschärfung Abhilfe zu schaffen, die dann der gesamten unterhalb liegenden Strecke zugute kommt. Hessen hat diesen Abhilfemaßnahmen aus Solidaritätsgründen zugestimmt, obwohl die finanzielle Belastung für das Land erheblich ist. Nach Ausführung dieser Maßnahmen wird weitgehend ein Hochwasserschutz auf der gesamten Oberrheinstrecke erreicht, wie er vor dem Ausbau vorhanden war. Als Anhaltspunkt kann für die Zeit vor Beginn des Oberrheinausbaus für die Strecke Worms bis Mainz ein 200-jährlicher Hochwasserschutz, für die Strecke Mainz bis Kaub ein nahezu 100-jährlicher Hochwasserschutz angegeben werden.

Die Verwaltungsvereinbarung zwischen den Ländern Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz zur Regelung von Fragen des Hochwasserschutzes am Oberrhein vom 28. Februar 1991 dient der Festlegung der Deiche nach Lage und Höhe sowie dem Erhalt der vorhandenen Retentionsräume.

Förderung

Hochwasserschutzmaßnahmen werden finanziell durch das Land Hessen gefördert. Zuwendungen können Gemeinden, Wasser- und Bodenverbänden, kommunalen Zweckverbänden und Teilnehmergemeinschaften nach dem Flurbereinigungsgesetz gewährt werden.

Von den zuwendungsfähigen Aufwendungen werden gefördert:

  • der innerörtliche Ausbau von Gewässern unter Berücksichtigung der allgemeinen anerkannten Regeln der Technik für den Hochwasserschutz und den naturnahen Gewässerausbau,
  • der Neubau und die Erweiterung von Leit- und Schutzdeichen sowie Hochwasserschutzmauern,
  • Hochwasserrückhaltebecken,
  • vorbeugende Hochwasserschutzmaßnahmen zur Aktivierung von potenziellen Retentionsräumen (Rückhalteräume) auch durch Rückverlegung von Deichen,
  • die Erarbeitung von Hochwasserplänen und –karten zur Verbesserung des Hochwassermanagements in den Einzugsgebieten entsprechend den Grundsätzen des vorsorgenden Hochwasserschutzes.