Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Nachhaltige Wasserwirtschaft

Wasserversorgung

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Ein Wasserhahn
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Die Wasserversorgung ist Bestandteil einer nachhaltigen Wasserwirtschaft, die sich an den Zielen der Erhaltung und des Schutzes der Umwelt, der Verbesserung ihrer Qualität und des Ressourcenschutzes ausrichtet. Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt werden muss. Wesentliches Ziel der nachhaltigen Wasserwirtschaft ist die langfristige Sicherstellung der öffentlichen und industriell-gewerblichen Wasserversorgung unter Berücksichtigung der ökologischen Tragfähigkeit und Attraktivität der Gesamtregion sowie der räumlichen Nutzungsanforderungen von Bevölkerung und Wirtschaft.

Da jede Grundwasserentnahme einen Eingriff in den Grundwasserhaushalt darstellt, ist die Einsparung von Trinkwasser aus ökologischen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen eine sinnvolle Maßnahme. Durch die Nutzung von modernen Sanitäreinrichtungen und Haushaltsgeräten sowie durch wassersparendes Verbraucherverhalten kann der Wasserbedarf eines jeden Haushaltes erheblich gesenkt werden. Seit über 10 Jahren geht der "Wasserverbrauch", also die Wassernutzung, in Deutschland zurück. Aktuell liegt der tägliche Wasserverbrauch bei rund 120 Litern Trinkwasser pro Person. Dies ist im Vergleich zu anderen Industriestaaten ein niedriger Wert. Es besteht jedoch noch weiteres Einsparpotential. Jeder Einzelne kann und sollte dazu beitragen, dass der Wasserverbrauch weiter zurückgeht.

Als Teil der Daseinsvorsorge zählt die Wasserversorgung traditionell zum Kernbereich des Wirkungskreises der Gemeinden. In Hessen ist die Wasserversorgung eine Pflichtaufgabe der Gemeinde (§ 30 Abs. 1 Hessisches Wassergesetz (HWG)). Demnach haben die Gemeinden in ihrem Gebiet die Bevölkerung und die gewerblichen und sonstigen Einrichtungen ausreichend mit Trink- und Betriebswasser zu versorgen. Die Gemeinden können diese Aufgaben entweder selbst durchführen oder sich, zeitlich befristet, geeigneter privater Dritter bedienen bzw. können dabei auch Wasser- und Bodenverbände oder Zweckverbände bilden und öffentlich-rechtliche Vereinbarungen abschließen.
 
Die Wasserversorgung des Rhein-Main-Gebietes - im Ballungsraum leben ca. 3,6 Millionen Einwohner - ist trotz der Erfolge in der Wassersparpolitik des Landes ohne Inanspruchnahme der Grundwasservorkommen im Vogelsberg und im Hessischen Ried nicht möglich. Nach den Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried, des „Leitfadens zur umweltschonenden Wassergewinnung im Vogelsberg" und des Gutachtens „Übergreifende Bewertung der Grundwassergewinnung im Vogelsberg" sind die Grundwasserentnahmen nach wasserwirtschaftlich-ökologischen Kriterien so zu steuern , dass

  • grundwasserbeeinflusste Vegetationsstandorte und Wälder nicht gefährdet werden und
  • die Trinkwasserversorgung sichergestellt werden kann.

Hessisches Ried

Der Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried als europaweit erster Bewirtschaftungsplan für Grundwasserressourcen folgt dem Nachhaltigkeitsprinzip und führt seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1999 zu einer Verbesserung der Grundwasserverhältnisse im Hessischen Ried. Im Vordergrund stehen

  • die langfristige Sicherstellung der regionalen Trinkwasserversorgung des Rhein-Main-Ballungsraumes mit seinen 3,5 Millionen Einwohnern,
  • der Erhalt grundwasserabhängiger (Wald-) Feuchtgebiete (Biotope),
  • das Regenerieren, wo es geht, von geschädigten Waldbereichen und Feuchtgebieten,
  • das Vermeiden von ökonomischen Schäden an Bauwerken und Infrastruktur durch Grundwasserabsenkung
  • die Sicherstellung der landwirtschaftlichen Beregnung.

Um eine nachhaltige Verbesserung des Waldzustands im Hessischen Ried und Südhessen zu erreichen, wurde von August 2012 bis März 2015 ein Runder Tisch eingesetzt. Alle Informationen zu diesem Projekt und dessen Abschlussbericht finden Sie hier .

Vogelsberg

Das Konzept der umweltschonenden Wassergewinnung im Vogelsberg verbindet die Wirkungssysteme

  • Wasserversorgung
  • Grundwasser
  • Vegetation und Landschaft.

Das Konzept verbindet die Wassergewinnung mit dem Schutz der Umwelt, genauer gesagt, der Feuchtgebiete, Quellen und Bäche im Vogelsberg. Mit dem ehrgeizigen und zukunftsweisenden Konzept zur umweltschonenden Grundwassergewinnung und dem daraus entwickelten Leitfaden hat das Land Hessen einen innovativen Weg für wasserrechtliche Entscheidungen im Vogelsberg geebnet. Das Konzept bezieht viele Akteure mit ein und nimmt gleichermaßen viele in die Pflicht: Die Wasserwerke, die Wasserbehörden, Umwelt- und Interessenverbände, Kommunen und nicht zuletzt die Bürgerinnen und Bürger.

Leitungsverbund Rhein-Main

Der Ballungsraum Rhein-Main mit den Großstädten Frankfurt a. M., Darmstadt, Hanau, Offenbach und Wiesbaden und seiner ausgezeichneten Verkehrs- und Infrastruktur zählt zu den wenigen Regionen in der Bundesrepublik Deutschland, die nahezu ungeachtet der jeweiligen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein stetiges Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung aufweisen.

In Zusammenarbeit von Wasserversorgungsunternehmen und Wasserwirtschaftsverwaltung entstand im Rhein-Main-Raum in den letzten vier Jahrzehnten nahezu flächendeckend ein weit verzweigtes Trinkwasserversorgungs-Verbundsystem zwischen den süd- und mittelhessischen Wasserversorgungsunternehmen.
Neben dem Leitungsverbund Rhein-Main sind die Anlagen

für die Sicherstellung der Wasserversorgung im Rhein-Main-Raum und für die nachhaltige Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen von Bedeutung.

Im Bewusstsein der Bedeutung einer gesicherten öffentlichen Trinkwasserversorgung für den Ballungsraum Rhein-Main hat am 28. Januar 2016 die Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser gemeinsam mit den Städten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sowie dem Wasserverband Hessisches Ried ein gemeinsames Strategiepapier Wasser unterzeichnet.