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Forest Stewardship Council (FSC)

Hessischer Staatswald ist ökologisch nachhaltig nach FSC zertifiziert

Bewertung des UNIQUE-Gutachtens durch das HMUKLV

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Wälder Für Immer Für Alle: Vollständige Wort-Bild-Marke / FSC® F000213
Wälder Für Immer Für Alle: Vollständige Wort-Bild-Marke / FSC ® F000213
© Forest Stewardship Council

Die Hessische Landesregierung hat im Koalitionsvertrag eine schrittweise Zertifizierung des Hessischen Staatswaldes nach den Kriterien des „FSC Deutschland“ vereinbart und nach Zertifizierung der Hälfte des Hessischen Staatswaldes ein externes Gutachten zur Evaluierung der ökologischen und ökonomischen Auswirkungen anfertigen lassen. Auf Grundlage dieses Gutachtens hat die Landesregierung im Januar 2018 beschlossen, nun auch die noch ausstehenden Flächen des Hessischen Staatswaldes als 3. Staffel nach FSC zertifizieren zu lassen. Dieser Prozess wurde im Sommer 2018 abgeschlossen.

Ökologische Auswirkungen von FSC

Die Einführung des FSC-Standards wird einen wichtigen Beitrag leisten, den Hessischen Staatswald in ökologischer Sicht nochmals deutlich aufzuwerten und dies transparent zu dokumentieren. Das im Auftrag der Landesregierung durchgeführte Gutachten der Unique GmbH leitet dies für alle FSC-Varianten hinsichtlich Natura 2000 – Aspekten, Naturnähe und Artenvielfalt ab.

Der FSC-Standard bietet dem Land Hessen ein starkes Instrument, im Staatswald ein deutliches Zeichen für die Artenvielfalt zu setzen und dies nach Außen glaubwürdig zu kommunizieren. Eine besondere Stärke der FSC-Zertifizierung sieht auch das Gutachten in dem permanenten Monitoring von betrieblichen Zielen, deren Umsetzung und den externen Kontrollmechanismen.

Die ökologischen Vorteile laut Gutachten im Einzelnen:

  • Verzicht auf Pflanzenschutzmittel: Vergrößerter Schutz unseres Grund- und Trinkwassers, und von vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.
  • FSC-Vorgaben zur Baumartenwahl: Größere Naturnähe und Artenvielfalt durch die Zunahme von Mischbeständen, zum Beispiel, weil bestimmte Arten wie Vögel, Insekten auf einzelne Baumarten spezialisiert sind und nur dort vorkommen. Auch sind Mischbestände deutlich weniger von Schädlingsbefall betroffen und angesichts der Herausforderungen des Klimawandels stabiler.
  • Ausweisung von Naturwaldentwicklungsflächen: Der FSC-Standard bietet mittelfristig insgesamt eine deutliche ökologische Verbesserung. Flächenhafte Stilllegungen sind für Arten erforderlich, die eine Mindestgröße von Flächen mit Alt- und Totbäumen benötigen, z.B. den Mittelspecht und viele Fledermausarten.
  • Verzicht auf Nichtderbholznutzung: schafft Lebensräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten, Verbesserung der physikalischen Eigenschaften und der Nährstoffverfügbarkeit des Bodens und darüber langfristige Sicherung der Produktivität des Waldes. Insbesondere holzzersetzungsabhängige Käferarten profitieren vom Belassen des Nichtderbholzes im Bestand. Das Belassen von Kronenmaterial schafft auch räumliche Strukturen, von denen weitere Arten profitieren. Dadurch haben z. B. seltene oder von Verbiss bedrohte Baumarten wie Eibe, Wildkirsche und Tanne bessere Chancen, sich zu verjüngen.
  • Größere Rückegassenabstände: Die Filterfunktion, die Artenvielfalt sowie die Durchwurzelung des Bodens werden durch das verringerte Befahren mit schwerem Gerät während der Holzernte verbessert.

Ökonomische Auswirkungen

Viele der oben erwähnten ökologischen Vorteile bringen langfristig auch einen ökonomischen Gewinn, der nicht vom Gutachten berechnet werden konnte. Für die Landesregierung handlungsleitend ist darüber hinaus der Vergleich zwischen dem aktuellen Baumartenbestand und der unter FSC zu erwartenden Entwicklung. Hier zeigt das Gutachten, dass gegenüber dem jetzigen Stand bspw. noch mehr als eine Verdopplung des Douglasienanteils (aktueller Stand 3 %) und eine leichte Erhöhung des Fichtenanteils möglich ist. Mit dem FSC-Standard könnten so langfristig pro Jahr gut 3,5 Mio. Euro mehr erwirtschaftet werden – deutlich mehr als die Zertifizierung kostet.

Kompensierende ökonomische Effekte

FSC fordert eine Wildbestandsanpassung, sodass die Verjüngung der Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft ohne Hilfsmittel wie Zäune möglich wird, d.h. dass jagdliche Ziele und Strecken verbessert werden müssen. Der Hessische Rechnungshof hat im November 2016 festgestellt, dass im Staatswald überhöhte Schalenwildbestände zu Kosten für den Schutz vor Schälschäden oder Verbiss im Durchschnitt von rund 4 Mio. Euro pro Jahr führen. Der Landesbetrieb HessenForst hat aufgrund der Schälschadensinventur darüber hinaus die Vermögensverluste zum 31.12.2013 auf rund 110 Mio. Euro beziffert. Der Hess. Rechnungshof merkte an, dass diese hohen Schäden in der Vergangenheit entstanden sind. FSC wird über die Audits dazu beitragen, angepasste Wildbestände herzustellen und damit erhebliche finanzielle Mehrerträge zu generieren.

Bei großen Unternehmen wie IKEA, Otto Group, Bauhaus, Obi und Hornbach sowie der verbreiteten Verwendung von Papier- und Verpackungsprodukten aus verantwortungsvollen Quellen (FSC-Mix-Papiere) gibt es eine steigende Nachfrage nach FSC-zertifiziertem Holz. Zur Erreichung ihrer FSC-Ziele benötigen diese Unternehmen mehr FSC-Produkte, finden aber gerade in deren Einkaufsschwerpunkt Nordhessen bisher kein entsprechendes Angebot vor. Mit der FSC-Zertifizierung des hessischen Staatswaldes besteht die Chance, den Anschluss an diese Entwicklungen zu halten und den Nachhaltigkeitsansprüchen der zukünftigen Marktnachfrage gerecht zu werden.

HessenForst - kompetenter Dienstleister

Vorausschauende Organisation, entsprechende Planung, qualitativ hochwertige Durchführung und der Einsatz moderner technischer Geräte gehören zu den Standards beim Landesbetrieb HessenForst. Eine Kostenminderung durch Synergie- und Lerneffekte zeichnet sich bereits im laufenden Jahr als Trend für die Kosten der bereits zertifizierten Waldflächen ab.

Auch unter FSC wird HessenForst dank seiner kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin wirtschaftlich arbeiten können. Von FSC werden auch bestimmte Standards für ArbeitnehmerInnen und der Arbeitssicherheit festgeschrieben, die HessenForst bereits jetzt einhält. Der Landesbetrieb kann also durch das Siegel seine Verantwortung und Vorbildfunktion als Arbeitgeber dokumentieren und nach außen kommunizieren.

Kommunal- oder Privatwald, die künftig an einer FSC Zertifizierung ihres Waldes interessiert sind, können von den bei HessenForst vorliegenden Expertisen und FSC-Kenntnissen profitieren. Das Land fördert Kommunal- und Privatwaldbesitzer zudem bei der erstmaligen Zertifizierung im Umfang von 80% der Kosten. Darüber hinaus sind mögliche zusätzliche Aufwendungen in der forstlichen Betreuung mit den Betreuungsentgelten abgegolten. Die Landesregierung wird prüfen, wie sie Kommunal- und Privatwald darüber hinaus fördern kann.

Mit dem entsprechenden Gewicht der großen Staatswaldfläche wird HessenForst künftig auch Einfluss auf die Weiterentwicklung der Richtlinien und Standards von FSC nehmen. Eine Mitgliedschaft bei FSC und in den relevanten Kammern wie Umwelt und Wirtschaft oder auch im Richtlinienausschuss kann eine entsprechende Mitbestimmung gewährleisten. Viele andere Bundesländer und der Bundesforst sind hier bereits aktiv.

Die Landesbetriebsleitung wird zudem sicherstellen, dass die Vermarktungsstrategie von Hessen Forst in Zukunft stärker auf zusätzlich wertschöpfende, FSC-zertifizierte Produktlinien ausgerichtet wird.

Fazit

Die ökologischen Auswirkungen sind höher einzuschätzen als die ökonomischen Mehrkosten. Die notwendigen Aufwendungen für die Zertifizierung werden sich durch Lerneffekte verringern und sind im Hinblick auf den immer wichtiger werdenden gesellschaftlichen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern, Kundinnen und Kunden  sowie Interessensverbänden über die Bewirtschaftung als sinnvolle Investition zu sehen. Der Bestand und die Weiterentwicklung des Waldes werden von der Bevölkerung immer stärker wertgeschätzt und kritisch hinterfragt. Hier ist eine transparente Auditierung das Mittel der Wahl.

HessenForst wird sich mit der Umstellung auf FSC schon jetzt auf eine zukünftig anspruchsvollere Nachfrage am Holzmarkt einstellen und sich als moderner Dienstleister mit gewohnt kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern positionieren.

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