Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Nachhaltig und multifunktional

Forstwirtschaft

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Waldarbeiten
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Der forstliche Nachhaltigkeitsbegriff wurde erstmals im Jahr 1713 von Hans Carl von Carlowitz verwendet. In seinem Ursprung steht er für eine „nachhaltende“ Waldbewirtschaftung, bei der nicht mehr Holz geerntet wird als auch wieder nachwächst. Das heutige, moderne Nachhaltigkeitsprinzip schließt vielfältige ökonomische, ökologische und soziale Komponenten mit ein. Noch deutlicher beschrieb der Hesse Georg Ludwig Hartig 1804 die Notwendigkeit einer auf Planung gegründeten nachhaltigen Forstwirtschaft:

„Es lässt sich keine dauerhafte Forstwirtschaft denken und erwarten, wenn die Holzabgabe aus den Wäldern nicht auf Nachhaltigkeit berechnet ist. Jede weise Forstdirektion muss daher die Waldungen des Staates ohne Zeitverlust taxieren lassen und sie zwar so hoch als möglich, doch so zu benutzen suchen, dass die Nachkommenschaft wenigstens ebensoviel Vorteil daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet.“

Nachhaltige multifunktionale Forstwirtschaft

In Deutschland sind die Waldbesitzer nach den Bundes- und Landeswaldgesetzen dazu verpflichtet, ihre Wälder „ordnungsgemäß und nachhaltig“  zu bewirtschaften. Die Forstwirtschaft in Deutschland und in Hessen muss die vielfältigen Ansprüche der Bürger am Produktions-, Erholungs- und Ökologiestandort Wald zu vereinen. Nachhaltige naturnahe Waldwirtschaft bedeutet, dass auf ganzer Fläche alle Leistungen des Waldes - von der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und Erholungsraumes bis zur Bereitstellung des umweltfreundlichen Rohstoffs Holz - auch für künftige Generationen im selben Maße und Qualität zur Verfügung stehen wie heute.

Die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa definierte 1993 in Helsinki eine nachhaltige Waldbewirtschaftung als:

„...die Behandlung und Nutzung von Wäldern auf eine Weise und in einem Ausmaß, das deren biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität sowie deren Fähigkeit, die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen gegenwärtig und in der Zukunft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen gewährleistet, ohne anderen Ökosystemen Schaden zuzufügen.“ (Helsinki-Resolution H1, Punkt D)

Struktur der Hessischen Forstwirtschaft

Der Wald trägt nicht nur zur kulturellen Identität bei, sondern stellt auch - insbesondere in strukturschwachen Regionen - einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Allein im sogenannten Cluster "Forst und Holz" arbeiten rund 57.000 Menschen in 11.000 Unternehmen in Hessen. Davon entfielen allerdings rund 30.000 Beschäftigte allein auf das Verlags- und Druckgewerbe in Hessen. Wesentliche Arbeitgeber waren außerdem der Bereich der Herstellung von Möbeln, Schmuck, Musikinstrumenten, Sportgeräten, Spielwaren und sonstigen Erzeugnissen (rund 8.600 Beschäftigte) sowie das Papiergewerbe mit ca. 7.600 Beschäftigten, gefolgt vom Holzgewerbe (ohne Herstellung von Möbeln) mit rund 5.300 Beschäftigten. Die Branchen der Holzwirtschaft erzielten im Jahr 2003 in Hessen eine aggregierte Bruttowertschöpfung von rund 3,3 Mrd. Euro. Der aggregierte Jahresumsatz der hessischen Holzwirtschaft belief sich in 2004 auf etwa 11,3 Mrd. Euro, was einem Anteil am deutschlandweiten Umsatz dieses Wirtschaftsbereiches von rund 6 Prozent entspricht.

Im Jahre 2005 waren in Hessen gut 1.000 reine Forstbetriebe ansässig. Die meisten Forstbetriebe in Hessen (59 Prozent) sind kleinere Betriebe mit Flächengrößen bis 200 ha. Sie bewirtschaften fünf Prozent der gesamten Forstbetriebsfläche. Etwa ein Viertel (26 Prozent) sind mittlere Betriebe mit Flächen zwischen 200 und 1.000 ha - 16 Prozent der Forstbetriebsfläche sind in ihrem Besitz. Der mit Abstand größte Teil der Gesamtforstbetriebsfläche, nämlich 79 Prozent, entfällt auf die großen Betriebe mit über 1.000 ha Fläche.

Die hessischen Forstbetriebe haben nach dem Hessischen Waldgesetz eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft zu betreiben. Diese kennzeichnet sich gemäß § 4 HWaldG wie folgt:

  1. die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der forstlichen Produktion,
  2. die Erhaltung der Waldökosysteme als Lebensraum einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt durch Aufbau gesunder, stabiler und vielfältiger Wälder,
  3. die Vermeidung von Kahlschlägen mit einer Flächengröße von mehr als 1 Hektar,
  4. die Wahl standortgerechter Baumarten unter Verwendung von geeignetem Saat- und Pflanzgut bei Erhaltung der genetischen Vielfalt,
  5. der standortangepasste Einsatz von Pflanzennährstoffen zur Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit,
  6. die Nutzung der Möglichkeiten des integrierten Pflanzenschutzes unter weitestgehendem Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln,
  7. das pflegliche Vorgehen bei Maßnahmen der Pflege, Nutzung und Verjüngung sowie beim Transport,
  8. die Anwendung angepasster bestands- und bodenschonender Arbeitsverfahren im Forstbetrieb,
  9. die bedarfsgerechte Walderschließung unter Schonung von Landschaft, Bestand und Boden,
  10. die funktionsgerechte Gestaltung der Waldränder, die auch Belange des Artenschutzes, der Landschaftspflege und der Landwirtschaft berücksichtigt,
  11. das Hinwirken auf Wilddichten, die den Waldbeständen und ihrer Verjüngung angepasst sind, sowie Maßnahmen der Wildschadensverhütung.

Die Forstbetriebe sind zu einer planmäßigen Forstwirtschaft gemäß § 5 HWaldG angehalten. Das bedeutet, dass die Bewirtschaftung auf der Grundlage eines Betriebsplanes zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft sowie der Nachhaltigkeit zu erfolgen hat. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer von Wald mit einer Forstbetriebsfläche ab 100 Hektar haben ihre Ziele der Waldbewirtschaftung in Betriebsplänen festzulegen. Die Betriebspläne sind in der Regel für zehn Jahre aufzustellen. Dabei bleibt die Wahl der Betriebsform, die Festlegung zur Holzproduktion und ihrer Nachhaltsbestimmungsgrößen der Waldbesitzerin und dem Waldbesitzer überlassen, soweit hierdurch die Erfüllung der Grundpflichten nicht gefährdet wird.

Bewirtschaftung des Hessischen Staatswaldes

Die Hessische Landesforstverwaltung ist mit ihrem Landesbetrieb Hessen-Forst für die Bewirtschaftung des Staatswaldes und sofern dies von den Kommunen gewünscht wird, auch für die Bewirtschaftung des Kommunalwaldes und für die Betreuung des Privatwaldes zuständig. Das Ministerium erarbeitet die Grundsätze, Richtlinien und Vorgaben und überwacht die Umsetzung der forstlichen Aufgaben durch den Landesbetrieb Hessen-Forst. Es ist damit Auftraggeber, Kunde und Kontrollinstanz des Landesbetriebes. Grundlage für die Bewirtschaftung des Staatswaldes ist die Richtlinie für die Bewirtschaftung des Hessischen Staatswaldes (RiBeS 2012). Sie beschreibt die Ziele des Landes Hessen für seinen 342.000 ha großen Waldbesitz. Die Richtlinie ist Vorgabe für den Landesbetrieb Hessen-Forst.