Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Zertifizierungssysteme

Forstliche Zertifizierung

Mit der Zertifizierung von Wäldern und der Kennzeichnung des Holzes aus diesen Wäldern mit dem entsprechenden Gütesiegel wird für Kunden, Verbraucher und Marktpartner der Forstwirtschaft ein glaubwürdiger Nachweis für nachhaltige und umweltverträgliche Waldbewirtschaftung erbracht. Forstliche Zertifizierungssysteme liefern einen wichtigen Beitrag zu einer umfassenden Qualitätssicherung.

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FSC-zertifizierte Forstämte im Staatswald
FSC-zertifizierte Forstämte im Staatswald Hessen (hohe Auflösung siehe bei Downloads)
© Hessen-Forst

FSC im Hessischen Staatswald

Der Hessische Staatswald soll schrittweise nach den Kriterien des FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert werden. Der hohe Standard der Bewirtschaftung des Staatswaldes in Hessen soll mit der FSC-Zertifizierung einen sichtbaren Ausdruck erfahren. Dafür wird das weltweit anerkannte Gütesiegel des FSC verwendet.

Der Hessische Staatswald umfasst 343.000 Hektar, das entspricht rund 16 Prozent der gesamten Landesfläche. Insgesamt umfasst die Waldfläche in Hessen 894.180 Hektar, das sind etwa 42 Prozent der Landesfläche. Die hessischen Bürgerinnen und Bürger haben eine besonders emotionale Beziehung zu ihrem Wald. Er dient dem Gemeinwohl in vielfältiger Weise als Schutz- und Erholungswald und ist damit ein hohes Gut, gleichzeitig ist er auch ein Nutzwald, der den klimafreundlichen Rohstoff Holz nachhaltig liefert und wirtschaftlich eine bedeutende Rolle spielt. Diese unterschiedlichen Anforderungen sollen gleichermaßen bedient werden. Darüber hinaus ist der Wald ein Garant für Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Mit Hilfe der Zertifizierung nach FSC soll den Bürgerinnen und Bürgern sowohl die nachhaltige Bewirtschaftung als auch die Rolle des Waldes für den Naturschutz und die Biodiversität noch besser dargestellt werden.

Der Zertifizierungsprozess begann im Jahr 2014  in 9 von 41 Forstämtern mit einer Fläche von ca. 55.000 Hektar Staatswald. Für die Erteilung des Zertifikats hat der Landesbetrieb Hessen-Forst einen unabhängigen Zertifizierer beauftragt. Dieser überprüfte die Arbeitsweisen und Ziele in den neun Forstämtern und bestätigte deren Übereinstimmung mit dem FSC-Standard. Nach der erfolgreichen Zertifizierung und Zertifikatserteilung im April 2015 begann im Juli 2015 die 2. Staffel mit weiteren 12 Forstämtern und einer Fläche von 87.000 Hektar (Darstellung auf Hessenkarte). Die Zertifizierung dieser Forstämter wurde im Februar 2016 abgeschlossen. Damit sind rund 140.000 Hektar Staatswald in 21 Forstämtern zertifiziert.

Durch die FSC-Standards soll der Hessische Staatswald künftig ökologischer, stabiler und risikoärmer gemacht werden. So ist zum Beispiel der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich untersagt. Außerdem muss ein Anteil von 5 Prozent der zertifizierten Fläche permanent aus der Bewirtschaftung genommen werden. Bei der Wahl der Baumarten richtet sich FSC nach der natürlich vorkommenden Waldgesellschaft. In Hessen ist diese sehr stark von der Buche geprägt. Nadelhölzer wie die Fichte  oder die Douglasie hingegen werden manchenorts verringert werden. Die Einführung der FSC-Standards kann auch zu Veränderungen der Ziele des Landes Hessen für den Staatswald führen. Allerdings sind mit dem Erhalt des FSC-Siegels auch Chancen für den Verkauf hessischen Holzes verbunden. Denn die Nachfrage am Markt nach FSC-zertifiziertem Holz wächst. Ziel ist es diese Marktchancen für den Landesbetrieb Hessen-Forst zu erschließen.

PEFC-Zertifizierung

Das PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist die weltweit größte unabhängige Organisation, die die Sicherstellung und kontinuierliche Verbesserung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter Gewährleistung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards beurteilt. Weltweit werden bereits mehr als 215 Millionen ha Waldfläche und in Deutschland 7,3 Millionen ha Waldfläche nach den Standards von PEFC bewirtschaftet.

Das PEFC-Zertifizierungssystem basiert inhaltlich auf den Beschlüssen der zweiten Ministerkonferenz in Helsinki 1993. Dort wurde die Waldgrundsatzerklärung von der Umweltkonferenz in Rio 1992 aufgegriffen und für europäische Verhältnisse weiterentwickelt. Auf die folgenden sechs Kriterien haben sich die Staaten verständigt:

  1. Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und ihres Beitrages zu globalen Kohlenstoffkreisläufen,
  2. Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von Forstökosystemen,
  3. Erhaltung und Förderung der Produktionsfunktion der Wälder (Holz- und Nichtholzprodukte),
  4. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Biodiversität in Forstökosystemen,
  5. Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktionen bei der Waldbewirtschaftung (vor allem Boden und Wasser),
  6. Erhaltung anderer sozioökonomischer Funktionen und Bedingungen.

Das Gütesiegel sagt nichts über eine evtl. Behandlung des Holzes mit Holzschutzmitteln etc. aus. Es dient dem Nachweis, dass dieses Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt.

Hessen ist PEFC-Region - Verein "Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen e.V." gegründet

In Hessen sind 767.964 ha (Stand 2010) bzw. 88,5 Prozent der gesamten Waldfläche nach PEFC zertifiziert. Damit ist PEFC-Hessen bundesweit Spitzenreiter. Im September 2005 hat sich die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen als Verein organisiert. Dieser Schritt war notwendig, damit die Zertifizierung der Forstwirtschaft in Hessen internationalen Anforderungen an akkreditierte Auditoren genügt. Inhaltlich ändert sich für die nach PEFC zertifizierten Forstbetriebe in Hessen durch die Vereinsgründung nichts. Nach der Satzung hat der Verein unter anderem die Aufgaben, Handlungsprogramme und Ziele für die Waldbewirtschaftung in Hessen im Rahmen der Vorgaben von PEFC Deutschland e.V. zu formulieren. Er soll Verfahren entwickeln und umsetzen, die PEFC als stabiles und nachvollziehbares Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft stärken.

Die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe Hessen e.V. ist der Zusammenschluss von Vertretern der nach PEFC zertifizierten Waldbesitzern sowie aller am Wald interessierten Gruppen, die sich mit der Zertifizierung der Forstwirtschaft befassen. Dazu zählen insbesondere die Markt- und Geschäftspartner der Forstwirtschaft (Holz- und Papierwirtschaft, Holzhandel), Umweltverbände, Gewerkschaften, Verbraucherverbände, berufsständische Vertretungen und forstliche Unternehmer aus der Region.

Der Anteil der Waldeigentumsformen ist dabei wie folgt

Besitzart 2007 2010
Staatswald / Bundeswald 326.421ha 324.669 ha
Kommunalwald 218.845 ha 218.898 ha
Privatwald 114.126 ha 107.299 ha
FBG's 108.797 ha 112.090 ha
Betriebszahl insgesamt 631 675