Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Klare Regeln

Naturschutz im Staatswald

Der Landesbetrieb HessenForst hat von 2008 bis 2010 eine Naturschutzstrategie für den 342.000 ha großen Staatswald erarbeitet. Die Naturschutzleitlinie für den Hessischen Staatswald wurde mit Erlass vom 26. August 2010 in Kraft gesetzt und zusätzlich durch eine gemeinsame Erklärung mit der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) bekräftigt. Die Naturschutzleitlinie verpflichtet jeden Beschäftigten des Landesbetriebs, bei allen Arbeiten im Wald neben ökonomischen auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Die Belange von Biotop- und Artenschutz sind schon bei der Planung von Projekten oder Arbeiten zu betrachten und darüber hinaus wichtige Strukturen im Wald zu erkennen. Auch der Informationsaustausch mit Naturschutzverbänden und Waldbesuchern leitet sich aus der Leitlinie ab. Ihre Kernelemente sind:

  • Verbindliche systematische Ausweisung von mindestens drei Habitatbäumen je Hektar in älteren Beständen, die künftig nicht mehr genutzt werden. Davon profitieren Fledermaus- und Vogelarten. Brut- und Schlafhöhlen von Spechten, Fledermäusen und Eulen sowie Horstbäume von Greifvögeln, Schwarzstörchen und Graureihern sowie ihr Umfeld werden geschützt.
  • In den Zeiten der Brut und Aufzucht von Jungtieren wird bei forstbetrieblichen Arbeiten besondere Rücksicht genommen, bei Risiken für gefährdete Arten werden Lösungen umgesetzt, die dem Schutzbedürfnis dieser Arten Rechnung tragen. Dazu tragen konkrete Vorgaben für den Schutz einzelner Arten bei forstlichen Maßnahmen sowie grundsätzlicher Verzicht auf waldbauliche Maßnahmen während der Brutzeit in älteren Laubwaldbeständen bei.
  • In Zentren besonderer Artenvielfalt darf sich der Wald unbeeinflusst entwickeln, um die erkannten Defizite an Waldbeständen in der Alters- und Zerfallsphase zu beheben.Geeignete zusätzliche Waldflächen wurden mit Beteiligung der Naturschutzverbände forstamtsweise ausgewählt und festgelegt. Die „Kernflächen Naturschutz“ im hessischen Staatswalds wurden  2013 festgelegt. Insgesamt 20.000 ha  Waldfläche standen damit nur dem Naturschutz und nicht mehr der Holznutzung zur Verfügung. Die entsprechenden Kernflächen wurden dauerhaft aus der Bewirtschaftung genommen. Mit einer durchschnittlichen Größe von 6,6 ha sind die Kernflächen dazu ein idealer Rückzugsraum für besonders störungsempfindliche Arten. Im Mai 2016 wurden zur Erreichung des Ziels, auf 8 % Staatswaldfläche eine unbeeinflusste Waldentwicklung zuzulassen, weitere 5.950 Hektar als zusätzliche Kernflächen aus der Nutzung genommen und stehen ausschließlich für den Naturschutz zur Verfügung. Die Durchschnittsgröße dieser neuen Flächen beträgt 62 Hektar, eine Fläche im Forstamt Rüdesheim ist über 1.000 Hektar groß.
  • Mit Arten- oder Habitatpatenschaften durch die Forstämter sollen insbesondere Lebensgemeinschaften nachhaltig geschützt werden, deren Lebensräume nicht einer Nutzung entzogen werden können. Hier soll zudem auf eine naturnahe Bewirtschaftung geachtet werden. Die Hessischen Forstämter und die örtlichen Naturschutzverbände arbeiten dabei eng zusammen.