Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Artenschutz

Wolfsmanagement

fotolia_57875279_l_quad.jpg

Wolf (Canis lupus)
© Erni / Fotolia.com

Der Wolf ist in Hessen willkommen. In vielen Umfragen und Untersuchungen über mehrere Jahre hinweg hat sich der bundesweite Trend gefestigt: Rund drei Viertel der Bevölkerung finden es gut, dass es wieder Wölfe in Deutschland gibt.

Künftig können wieder Wölfe durch Hessen streifen. Die Chance, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ist aber äußerst gering. Viele angeblich einem Wolf zugeschriebene Ereignisse und Sichtungen stellen sich als Fehlmeldungen heraus. Hier dennoch einige Verhaltenshinweise, falls Sie einem wolfsähnlichen Tier begegnen. Wölfe sind für Menschen nicht gefährlicher als z.B. Wildschweine.

Verhaltenshinweise

  1. Wie bei anderen Wildtieren: Abstand halten, nie darauf zugehen oder gar bedrängen.
  2. Unter keinen Umständen Wölfe füttern!
    An Fütterung durch den Menschen gewöhnte Wölfe können Futter aufdringlich oder aggressiv einfordern, sie können dann eine Gefahr für Menschen darstellen.
  3. Auch indirekte Fütterung unterlassen.
    Speisereste, Schlachtabfälle und Tierfutter, besonders solches für Hunde und Katzen, so verwahren, dass diese nicht für Wildtiere zugänglich sind. Wölfe wie auch andere Wildtiere gewöhnen sich an leicht zugängliche Nahrungsquellen im Siedlungsbereich. Sie können dann unerwünschte Verhaltensweisen entwickeln, wie mangelnde Scheu, aufdringliches oder sogar aggressives Verhalten.
  4. Bei vielen dokumentierten Begegnungen mit relativ vertrauten Wölfen befanden sich die Menschen innerhalb von Fahrzeugen.
    Menschen in Fahrzeugen oder auf Pferden werden von vielen Wildtieren nicht als solche erkannt und wahrgenommen. Dass Wölfe vor Fahrzeugen oder auch vor Reitern oft wenig Scheu zeigen, haben sie mit vielen anderen Tierarten gemeinsam. Dies ist keine ungewöhnliche oder besorgniserregende Verhaltensweise.
  5. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht unverzüglich zurückziehen sollte diese im Auge behalten, aber nicht direkt anstarren, sich langsam entfernen, bzw. mit dem Fahrrad langsam weiterfahren. 
  6. Folgen der oder die Wölfe in gewissem Abstand: nicht hastig entfernen oder weglaufen, sondern langsam, betont uninteressiert weitergehen bzw. fahren und dabei laut sprechen.
  7. Im unwahrscheinlichen Fall, dass ein oder mehrere Wölfe offensichtlich direkt auf einen zukommen, so handelt es sich in der Regel um neugierige Jungtiere: Stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen, ggf. sich mit einem Knüppel bewaffnen und – bei weiterer Annäherung des Tieres - mit Gegenständen werfen.
  8. Hunde können, wenn sie sich unbeaufsichtigt in Wald und Flur bewegen, von Wölfen angegriffen, verletzt und getötet werden. Hunde daher grundsätzlich anleinen oder nur im engen Einwirkungskreis des Besitzers führen.
  9. Auch angeleinte Hunde können, besonders bei unerfahrenen Jungwölfen, Interesse, Neugier- und eventuell auch aggressives Verhalten auslösen. Die Wölfe sind dann teilweise so auf den Hund fixiert, dass der begleitende Mensch durch die Wölfe scheinbar ignoriert wird. In einem solchen Fall die Wölfe durch lautes Rufen und Gestikulieren auf sich aufmerksam machen.
  10. Die Gefahr für Jagdhunde im jagdlichen Einsatz kann durch verschiedene Maßnahmen reduziert werden. Bei Jagden in bekannten Wolfsgebieten, wo freilaufende Jagdhunde eingesetzt werden, sind alle Beteiligten vorab über die mögliche Anwesenheit von Wölfen zu informieren. Jagdhunde sollten erst von der Leine gelöst werden, wenn die Treiber unterwegs sind, den Hunden können Schutzwesten und Halsbändern mit mechanischen oder elektronischen Schutzvorrichtungen angelegt werden.
  11. Wölfe, bei denen das Beutefangverhalten auf Haustiere (z.B. Schafe oder Ziegen) ausgelöst ist, können so auf die Beute fixiert sein, dass auch bei Anwesenheit mehrerer Menschen ein Vertreiben schwerfallen kann. In einem solchen Fall Wölfe nicht auf begrenztem Raum (Ecken hoher, für Wölfe nicht überwindbarer Zäune oder von Gebäuden) in die Enge treiben.
  12. Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet: Nicht anfassen und Naturschutzbehörde, Forstbehörde oder Polizei informieren. Sofern Sie auf lebende Wölfe treffen, schildern Sie Ihre Beobachtung bitte der zuständigen Naturschutzbehörde. Tote Wölfe sind von großem wissenschaftlichem Interesse. Die Naturschutzverwaltung lässt sie untersuchen.

Verbreitung des Wolfes in Hessen

Der Wolf war früher in ganz Europa verbreitet. In vielen Gebieten wurde er durch menschliche Verfolgung ausgerottet oder auf wenige, isolierte Vorkommen zurück gedrängt. Er musste der zunehmenden Nutztierhaltung des Menschen und als Beutekonkurrent weichen. Erst in den 1970er und 1980er Jahren erfolgte ein Umdenken und der Wolf wurde in einigen europäischen Ländern unter Schutz gestellt. So ist er in den westlichen Bundesländern seit 1987 eine streng geschützte Art. Mit der Wiedervereinigung wurde der Schutzstatus auf ganz Deutschland ausgeweitet und 1992 wurden Wölfe EU-weit als prioritäre FFH-Art unter Schutz gestellt.

Seit dem Jahr 2006 finden sich in Hessen immer wieder einzelne durchziehende Wölfe ein, ohne dass sie ausgesetzt, angelockt oder angesiedelt wurden. Bis Anfang 2015 konnte nur ein Wolf nachweislich über mehrere Jahre im Reinhardswald überleben (2006 bis 2011). Dieser Wolf im Reinhardswald erfreute sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung, was vor allem auch der Umsicht der in Nordhessen mit dem Management betrauten Personen und Institutionen zu verdanken ist. Wir erwarten, dass in nächster Zeit mehr Wölfe den Weg nach Hessen finden werden.

Es ist deshalb wichtig, das künftige Zusammenleben von Wölfen und Menschen auch in Hessen vorzubereiten.

Wir wollen die Grundlage für ein konfliktarmes Zusammenleben von Wolf und Mensch in Hessen schaffen. Das hessische Wolfsmanagement will Fragen beantworten, Informationen vermitteln, Ängste nehmen und Auskunft über behördliches Handeln bis hin zur Gefahrenabwehr geben. Es ist ein flexibles, „lernendes“ Konzept und kein statischer Plan. Deshalb führen wir weiter Gespräche mit betroffenen Gruppen wie Schafhaltern, Jägern, Förstern, Waldbesitzern und dem ehrenamtlichen Naturschutz und leiten daraus den weiteren Handlungsbedarf ab. Dieses Management soll leben. In einem transparenten Abstimmungsprozess entsteht ein Management, das je nach Erkenntnisstand  und Notwendigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Haben Sie Hinweise oder Fragen zu diesem Thema?

Wolfsmail:       wolf(ad)umwelt.hessen.de
Wolfshotline: 0611 / 815 3999

Bei einem Notfall rufen Sie zunächst die Polizei.

Bei Sichtungen, Hinweisen oder Fragen schicken Sie uns eine Mail mit dem Meldebogen.

Bei Spuren, Rissen usw. sprechen Sie unsere örtlichen ehrenamtlichen sachkundigen Helfer an (siehe Liste).

Ansonsten hinterlassen Sie auf der Hotline nach dem Signalton

  • Ihren Namen,
  • Ihre Rufnummer
  • den Ort, zu dem Sie ein Anliegen haben
  • und den Grund Ihres Anrufs.

Je nach Dringlichkeit setzen wir uns kurzfristig oder am nächsten Arbeitstag mit Ihnen in Verbindung.