Artenschutz

Invasive Arten in Hessen

Eine Vielzahl fremdländischer Tiere, Pflanzen und Pilze werden absichtlich durch den Warenverkehr nach Deutschland gebracht, andere gelangen unabsichtlich quasi als blinde Passagiere bei Fernreisen oder Transporten zu uns. In einigen Fällen können sich die Neuankömmlinge etablieren, massenhaft vermehren und hier natürlich vorkommende Ökosysteme, Biotope oder Arten schädigen. In diesem Fall spricht man von invasiven Arten.

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Junger Waschbär
Junger Waschbär
© ondreicka / Fotolia

Am 1.1.2015 ist die Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten (nachfolgend „EU-VO“) in Kraft getreten. Im Mittelpunkt der EU-VO stehen Listen invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung („Unionsliste“), für die Maßnahmen zum zukünftigen Umgang (Prävention, Früherkennung und rasche Reaktion, Kontrolle) festgelegt werden.

Am 3. August 2016 ist die erste Unionsliste der EU-Kommission mit 37 invasiven Pflanzen- und Tierarten, die die europäische Artenvielfalt und Biodiversität bedrohen, in Kraft getreten. Am 2. August 2017 wurde diese Liste in einem ersten Update um 12 weitere invasive Arten ergänzt.

Einige der gelisteten Arten können – zusätzlich zu den biologischen Schäden - auch wirtschaftliche Schäden verursachen (z.B. Bisam, Nutria).

Für die gelisteten Arten gelten künftig (mit Übergangsregelungen) grundsätzlich Verbote für Haltung, Handel- und Transport. Für die im Freiland neu hinzukommenden Arten gibt es Beseitigungspflichten. Arten, die bei uns schon verbreitet sind, sollen beobachtet und gemanagt werden.

Die EU-Staaten sind aufgefordert, gegen eine weitere Verbreitung der gelisteten Arten vorzugehen. Sie sollen beispielsweise verhindern, dass gelistete Arten gehalten, verkauft oder weitertransportiert werden. Vor allem soll durch Präventionsmaßnahmen verhindert werden, dass sich neue invasive Arten in unserer Umwelt ausbreiten.

Die EU-VO ist - anders als z.B. eine Richtlinie  - mit Bekanntgabe der Artenliste unmittelbar vollziehbar. Die Bundesregierung hat inzwischen das Bundesnaturschutzgesetz entsprechend angepasst, den Vollzug nach nationalem Recht konkretisiert und insbesondere Rechte und Pflichten der Betroffenen und der Behörden klargestellt.

Nach § 2 Abs. 2 Nr. 5  Buchst. c  HAGBNatSchG ist in Hessen die jeweilige obere Naturschutzbehörde zuständig für den Vollzug des Artenschutzrechts, soweit Maßnahmen und Handlungen nach Rechtsakten des Rates oder der Kommission der Europäischen Gemeinschaften oder nach internationalen Verträgen erforderlich sind und in die Zuständigkeit des Landes fallen.

Was in Hessen gegen im Freiland vorkommende Arten der Unionsliste getan werden kann bzw. muss, bedarf jeweils im Einzelfall der fachlichen Abstimmung. Man kann davon ausgehen, dass es bei den meisten Arten, die bei uns bereits fest etabliert sind (wie z.B. Waschbär oder Drüsiges Springkraut), nicht mit angemessenem Mitteleinsatz möglich sein wird, sie an der weiteren Ausbreitung zu hindern oder gar vollständig aus unserem Ökosystem zu entfernen.

Dennoch folgende Hinweise:

  • Im Hinblick auf die Handels-, Freisetzungs- bzw. Ausbringungsverbote kann ein Erwerb gelisteter Arten kaum noch sinnvoll sein.
  • Grundsätzlich ist es untersagt, Tiere oder Pflanzen gelisteter Arten auszusetzen,  anzupflanzen oder sonst wie freizusetzen.
  • In Gefangenschaft gehaltene Tiere gelisteter Arten können i.d.R. weiter gehalten werden, sie sollen an der Fortpflanzung gehindert werden (i.d.R. durch Kastration oder Sterilisation) und dürfen nicht entkommen oder ausgesetzt werden.
  • Pflanzenbestände gelisteter Arten sollten schon möglichst in einem frühen Stadium so beseitigt werden, dass nicht die Gefahr besteht, sie in die Umwelt freizusetzen.

Folgende zehn invasive Arten kommen bereits in allen Bundesländern – also auch in Hessen – weit verbreitet in der Natur vor: Die Schmalblättrige Wasserpest, der Riesenbärenklau, das Drüsige Springkraut, der Kamberkrebs, die Nutria, der Marderhund, der Waschbär, der Bisam, die Nilgans und die Buchstaben-Schmuckschildkröte, wobei letztere aus klimatischen Gründen bisher nur unbeständig auftritt und es noch unklar ist, ob sie sich bei uns in der Natur vermehren kann. Die vollständige Liste der EU und Informationen zum Vorkommen der Arten in Hessen finden Sie unten bei den Links.

Für die in Deutschland bereits weit verbreiteten Arten der ersten und zweiten Liste der EU wurden von den Bundesländern gemeinsam Maßnahmenblätter entwickelt, die als einheitliche Richtlinie und Grundlage für das Management dieser Arten dienen.  Die Öffentlichkeit bekam die Gelegenheit, zu den Managementmaßnahmenblättern Stellung zu nehmen; die konkrete Umsetzung des Managements invasiver Arten liegt bei den Bundesländern, die hier noch Gestaltungsspielräume haben. Jede Maßnahme muss nach anerkannten Grundsätzen im Einzelfall abgewogen werden. Verantwortlich für die Umsetzung von Maßnahmen sind die hessischen oberen Naturschutzbehörden bei den Regierungspräsidien.

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