Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Lärmimmissionen

Sport- & Freizeitlärm

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Trillerpfeife
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Sportlärm

Als Sportlärm werden Geräusche bezeichnet, die von Sportanlagen wie z.B. einem Fußball- oder Tennisplatz ausgehen. Lärmimmissionen von Vergnügungsparks oder Abenteuerspielplätze werden hingegen als Freizeitlärm bezeichnet. Da Sport- und Freizeitaktivitäten meist zu einer Tageszeit stattfinden, in der andere ihre wohlverdiente Ruhe suchen, führen diese nicht selten zu Konflikten.

Rechtsgrundlagen Sportlärm

Der Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen (Gefahren, erhebliche Belästigungen und Beeinträchtigungen) durch Lärm von Sportanlagen wird durch die Achtzehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (18.  BImSchV - Sportanlagenlärmschutzverordnung) geregelt. Die Verordnung enthält neben Immissionsrichtwerten auch das Ermittlungs- und Beurteilungsverfahren. Mit der Zweiten Verordnung zur Änderung der Sportanlagenlärmschutzverordnung vom 8. Juni 2017 erfolgte eine Anpassung der Regelungen an das geänderte Freizeitverhaltens der Bevölkerung.

Die 18. BImSchV enthält neben den zulässigen Immissionsrichtwerten auch die Verfahren zur Ermittlung- und Beurteilung von Sportlärm.

Immissionsrichtwerte der 18 BImSchV (vereinfachte Darstellung)
Gebietscharakter   Immissionsrichtwert in dB(A)
  Werktagen 6.00 bis 8.00 Uhr 8.00 bis 22.00 Uhr 22.00 bis 6.00 Uhr
  Sonn- und Feiertagen 7.00 bis 9.00 Uhr 9.00 bis 22.00 Uhr 22.00 bis 7.00 Uhr
Gewerbegebiete   60 65 50
Urbane Gebiete   58 63 45
Kerngebiete, Dorfgebiete und Mischgebiete   55 60 45
Allgemeine Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete   50 55 40
Reine Wohngebiete   45 50 35
Kurgebiete, Krankenhäuser und Pflegeanstalten   45 45 35

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen den zulässigen Pegel am Tage um nicht mehr als 30 dB(A) und in der Nacht um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.

Der Bedeutung des Sports wird durch Sonderregelungen Rechnung getragen, die diesen privilegieren. So soll von einer Festsetzung von Betriebszeiten (Nutzungseinschränkungen) abgesehen werden,

  • wenn bei sog. „Altanlagen“ (Sportanlagen, die vor dem 18. Juli 1991 errichtet worden sind) die Immissionswerte jeweils um weniger als 5 dB(A) überschritten werden;
  • soweit Sportanlagen dem Schulsport oder der Durchführung von Sportstudiengängen an Hochschulen dienen;
  • bei Freibädern in der Zeit von 7.00 bis 22.00 Uhr.

Ferner soll von einer Festsetzung von Betriebszeiten abgesehen werden, wenn infolge des Betriebs einer oder mehrerer Sportanlagen bei seltenen Ereignissen an höchstens 18 Kalendertagen die Geräuschimmissionen die zulässigen Immissionsrichtwerte um nicht mehr als 10 dB(A), keinesfalls aber die folgenden Höchstwerte überschreiten:

  • tags außerhalb der Ruhezeiten 70 dB(A),
  • tags innerhalb der Ruhezeiten 65 dB(A),
  • nachts 55 dB(A).

Für internationale und nationale Sportveranstaltungen von herausragender Bedeutung (z. B. Welt- und Europameisterschaften, internationale Sportfeste) gibt es ebenfalls Ausnahmeregelungen, die diese Veranstaltungen bis nach 22 Uhr ermöglichen.

Freizeitlärm

Typische Freizeitanlagen sind insbesondere:

  • Grundstücke, auf denen in Zelten oder im Freien Zirkus- und Diskothekenveranstaltungen, Lifemusik-Darbietungen, Rockmusikkonzerte, Platzkonzerte, regelmäßige Feuerwerke, Volksfeste oder ähnliche Veranstaltungen stattfinden,
  • Freilichtbühnen,
  • Autokinos,
  • Freizeit- und Vergnügungsparks,
  • Abenteuerspielplätze,
  • Badeplätze,
  • Badeplätze außerhalb von Schwimmbadanlagen (z.B. Liegewiesen an natürlichen Badegewässern),
  • Erlebnisbäder, die zur Sportausübung (zum Schwimmen bzw. Schwimmen lernen) wegen der Größe und Tiefe ihrer Badebecken weder geeignet noch bestimmt sind,
  • Anlagen für Modellfahrzeuge und –flugzeuge, Wasserflächen für Schiffsmodelle,
  • Sommerrodelbahnen,
  • Hundedressurplätze.

Gesetzliche Regelungen

Der Lärm von Freizeitanlagen wird nach der Freizeitlärmrichtlinie beurteilt. Als Hilfe zur Beurteilung wird in manchen Fällen auch die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) herangezogen. Einfluss auf die Emission von Sport- aber auch Freizeitanlagen haben Größe, Anzahl der Teilanlagen, Anzahl der Spieler, Anzahl und Verhalten der Zuschauer sowie die technische Ausrüstung z.B. mit Lautsprechern. Die Geräuschemission von Sport- und Freizeitanlagen wird durch den Schallleistungspegel gekennzeichnet. Er ist unabhängig von den äußeren Abmessungen der Anlage und unabhängig von der gewählten Messentfernung. Bei der Nutzung technischer Geräte (z.B. Motorsport oder Lautsprecher zur Zuschauerinformation) treten meistens die höchsten Pegel auf. Aus den Schallleistungspegeln kann unter Berücksichtigung der Einflüsse auf dem Schallausbreitungsweg der Schalldruckpegel am Immissionsort errechnet werden. Bei der Berechnung des Beurteilungspegels müssen die Nutzungszeiten der Anlage berücksichtigt werden.

Geräusche von Kinderspielplätzen, die die Wohnnutzung im betroffenen Gebiet ergänzen, fallen ebenfalls nicht unter den Begriff Freizeitlärm. Sie sind i. d. R. zu tolerieren.

Nicht unter Sport- und Freizeitlärm fallen Geräusche aus Gaststätten oder Diskotheken, die gewerblich betrieben werden. Diese fallen in den Geltungsbereich des Gaststättengesetzes und der TA Lärm, da es sich um Gewerbelärm handelt. Gaststätten in Hessen werden von den Kreisausschüssen bzw. dem Magistrat überwacht. Das heißt, im Falle von Anfragen oder Beschwerden finden Sie Ihren Ansprechpartner in dem für Sie zuständigen Landkreis oder bei den kreisfreien oder Sonderstatus-Städten.