Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Lärmimmissionen

Sport- & Freizeitlärm

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Sportlärm

Als Sportlärm werden Geräusche bezeichnet, die durch den Betrieb von Sportanlagen, soweit sie zum Zweck der Sportausübung betrieben werden, ausgehen. Freizeitlärm ist Lärm von Anlagen, die von Personen zur Gestaltung ihrer Freizeit genutzt werden, z.B. Vergnügungsparks, Abenteuerspielplätze usw.. Geräuscheinwirkungen, die aus Kindertageseinrichtungen, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen  hervorgerufen werden stellen im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung dar.

Gesetzliche Regelungen

Der Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen (Gefahren, erhebliche Belästigungen und Beeinträchtigungen) durch Lärm von Sportanlagen wird durch die Achtzehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (18.  BImSchV) (Sportanlagenlärmschutzverordnung) geregelt. Die Verordnung enthält neben Immissionsrichtwerten auch das Ermittlungs- und Beurteilungsverfahren.

Auf der anderen Seite wird den Bedürfnissen des Sports durch Sonderregelungen Rechnung getragen. So soll, wenn technische Maßnahmen nicht mehr möglich oder vertretbar sind, von einer Festsetzung von Betriebszeiten (Nutzungseinschränkungen) abgesehen werden,

  • wenn bei sog. „Altanlagen“ (Sportanlagen, die vor dem 18. Juli 1991 errichtet worden sind) die Immissionswerte jeweils um weniger als 5 dB(A) überschritten werden;
  • soweit Sportanlagen dem Schulsport oder der Durchführung von Sportstudiengängen an Hochschulen dienen;
  • bei Freibädern in der Zeit von 7.00 bis 22.00 Uhr.

Ferner soll von einer Festsetzung von Betriebszeiten abgesehen werden, wenn infolge des Betriebs einer oder mehrerer Sportanlagen bei seltenen Ereignissen die Geräuschimmissionen die zulässigen Immissionsrichtwerte um nicht mehr als 10 dB(A), keinesfalls aber die folgenden Höchstwerte überschreiten:

  • tags außerhalb der Ruhezeiten 70 dB(A),
  • tags innerhalb der Ruhezeiten 65 dB(A),
  • nachts 55 dB(A),
     

Danach gelten Überschreitungen der Immissionswerte durch besondere Ereignisse und Veranstaltungen als selten, wenn sie an höchstens 18 Kalendertagen im Jahr auftreten.

Mit der Änderungsverordnung vom 09. Februar 2006 ist über die bereits nach § 5 Abs. 5 Sportanlagenlärmschutzverordnung geltenden Sonderregelungen für seltene Ereignisse (18 Kalendertage im Jahr) hinaus durch Einfügung eines neuen § 6 eine Ausnahmeregelung geschaffen worden, die internationale und nationale Sportveranstaltungen von herausragender Bedeutung (z. B. Welt- und Europameisterschaften, internationale Sportfeste) auch bis in die Nachtstunden nach 22 Uhr ermöglicht.

Gleichzeitig wurde eine Regelung zur Bewertung des Fußgängerlärms außerhalb der Sportstätten getroffen. Das bedeutet, dass alle Verkehrsgeräusche einschließlich der durch den Zu- und Abgang der Zuschauer verursachten Geräusche auf öffentlichen Verkehrsflächen außerhalb der Sportanlage bei den zulässigen 18 seltenen Ereignissen nicht zu berücksichtigen sind. Des Weiteren wird der fußläufige Zuschauerverkehr wie der andere Verkehr nach der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV) bewertet.

Gebietscharakter Immissionsrichtwert in dB(A)
  Tag
außerhalb der Ruhezeiten
Tag
innerhalb der Ruhezeiten
Nacht
Gewerbegebiete 65 60 50
Kerngebiete, Dorfgebiete und Mischgebiete 60 55 45
allgemeine Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete 55 50 40
reine Wohngebiete 50 45 35
Kurgebiete, Krankenhäuser und Pflegeanstalten 45 45 35

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen den zulässigen Pegel am Tage um nicht mehr als 30 dB(A) und in der Nacht um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.

Die Immissionsrichtwerte für Sportlärm beziehen sich auf folgende Beurteilungszeiten:

 

Tag

Ruhezeiten

Nacht

Werktage

 

6.00–22.00 Uhr

06.00-08.00 Uhr
20.00-22.00 Uhr

22.00-06.00 Uhr

Sonn- und Feiertage

 

07.00-22.00 Uhr

07.00-09.00 Uhr
13.00-15.00 Uhr
20.00-22.00 Uhr

22.00-07.00

Die LAI-Hinweise für den Vollzug der Sportanlagenlärmschutzverordnung vom 03.05.2016 ergänzen die bisherigen Regelungen.

Freizeitlärm

Typische Freizeitanlagen sind insbesondere:

  • Grundstücke, auf denen in Zelten oder im Freien Zirkus- und Diskothekenveranstaltungen, Lifemusik-Darbietungen, Rockmusikkonzerte, Platzkonzerte, regelmäßige Feuerwerke, Volksfeste oder ähnliche Veranstaltungen stattfinden,
  • Freilichtbühnen,
  • Autokinos,
  • Freizeit- und Vergnügungsparks,
  • Abenteuerspielplätze,
  • Badeplätze,
  • Badeplätze außerhalb von Schwimmbadanlagen (z.B. Liegewiesen an natürlichen Badegewässern),
  • Erlebnisbäder, die zur Sportausübung (zum Schwimmen bzw. Schwimmen lernen) wegen der Größe und Tiefe ihrer Badebecken weder geeignet noch bestimmt sind,
  • Anlagen für Modellfahrzeuge und –flugzeuge, Wasserflächen für Schiffsmodelle,
  • Sommerrodelbahnen,
  • Hundedressurplätze.

Gesetzliche Regelungen

Der Lärm von Freizeitanlagen wird nach der Freizeitlärmrichtlinie beurteilt. Als Hilfe zur Beurteilung wird in manchen Fällen auch die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) herangezogen. Einfluss auf die Emission von Sport- aber auch Freizeitanlagen haben Größe, Anzahl der Teilanlagen, Anzahl der Spieler, Anzahl und Verhalten der Zuschauer sowie die technische Ausrüstung z.B. mit Lautsprechern. Die Geräuschemission von Sport- und Freizeitanlagen wird durch den Schallleistungspegel gekennzeichnet. Er ist unabhängig von den äußeren Abmessungen der Anlage und unabhängig von der gewählten Messentfernung. Bei der Nutzung technischer Geräte (z.B. Motorsport oder Lautsprecher zur Zuschauerinformation) treten meistens die höchsten Pegel auf. Aus den Schallleistungspegeln kann unter Berücksichtigung der Einflüsse auf dem Schallausbreitungsweg der Schalldruckpegel am Immissionsort errechnet werden. Bei der Berechnung des Beurteilungspegels müssen die Nutzungszeiten der Anlage berücksichtigt werden.

Geräusche von Kinderspielplätzen, die die Wohnnutzung im betroffenen Gebiet ergänzen, fallen ebenfalls nicht unter den Begriff Freizeitlärm. Sie sind i. d. R. zu tolerieren.

Nicht unter Sport- und Freizeitlärm fallen Geräusche aus Gaststätten oder Diskotheken, die gewerblich betrieben werden. Diese fallen in den Geltungsbereich des Gaststättengesetzes und der TA Lärm, da es sich um Gewerbelärm handelt. Gaststätten in Hessen werden von den Kreisausschüssen bzw. dem Magistrat überwacht. Das heißt, im Falle von Anfragen oder Beschwerden finden Sie Ihren Ansprechpartner in dem für Sie zuständigen Landkreis oder bei den kreisfreien oder Sonderstatus-Städten.