Lärmschutz

Lärm von Windenergieanlagen

Windräder in Hessen
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© Maria Nies / Hess. Umweltministerium

Das Land Hessen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 möglichst 100 % des Energieverbrauchs für Strom und Wärme aus regenerativen Energien zu decken. Als Teil der erneuerbaren Energien sind Windenergieanlagen mit ihrem großen Potential ein wichtiger Baustein der Klimaschutzstrategie des Landes. Derzeit gibt es in Hessen ca. 1100 Windenergieanlagen.

Für Windenergieanlagen  die mehr als 50 Meter hoch sind, ist eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) erforderlich. Diese muss in Hessen bei den Regierungspräsidien beantragt werden. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens werden zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner vor gesundheitsschädlichem Lärm hohe Anforderungen gestellt.  Der Betreiber muss nachzuweisen, dass die von ihm geplanten Windenergieanlagen die Immissionsrichtwerte der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) unter worst-case-Bedingungen einhalten. Berücksichtigt wird dabei auch die Vorbelastung durch andere technische Anlagen oder Betriebe. Die Einhaltung der Immissionsrichtwerte wird in der Regel durch einen ausreichend großen Abstand gewährleistet. Aber durch eine schalloptimierte Betriebsweise kann die Einhaltung der Immissionsrichtwerte sichergestellt werden.

An Windenergieanlagen entstehen Geräusche vor allem durch die Drehung der Rotorblätter und die Interaktion von Rotorblättern und Turm (aerodynamische Geräusche). Hinzu kommen Geräusche von mechanischen Komponenten wie Getriebe, Generator, Lüfter und Hilfsantriebe. Die aerodynamischen Geräusche sind dabei dominant. Die Leistung aber auch gleichzeitig die Geräuschemissionen nehmen mit der Windgeschwindigkeit bis zur Erreichung der Nennleistung zu.  Moderne Anlagen haben bei Nennleistung einen Schallleistungspegel  von 103 bis 107 dB(A).

Als störend empfinden Anwohner nicht zu sehr den absoluten Geräuschpegel , sondern eher das durch die Drehung  der Rotorblätter entstehende periodisch an- und abschwellende Geräusch bei einem niedrigen Hintergrundgeräuschpegel.

Prognose der Lärmimmissionen von Windenergieanlagen

Die Prognose wurde in der Vergangenheit  nach dem sogenannten alternativen Verfahren der DIN ISO 9613-2 durchgeführt, welches in Nr. A.2.3.4 der Anlage zur TA Lärm festgeschrieben ist. Allerdings haben verschiedene Studien gezeigt, dass zwischen den nach diesem Verfahren ermittelten Prognosewerten und tatsächlichen Messergebnissen bei modernen Windenergieanlagen systematische Abweichungen auftreten. Ein Expertengremium des DIN/VDI-Normenausschusses Akustik, Lärmminderung und Schwingungstechnik (NALS) hat  daraufhin ein neues Prognose-verfahren (Interimsverfahren) erarbeitet und 2015 veröffentlicht.  Das Interimsverfahren korrigiert u.a. auch die Bodendämpfung für hohe Quellen wie Windenergieanlagen. Damit wird eine realistischere Prognose der Geräuschbelastung  ermöglicht.

Das Interimsverfahren wurde in die aktualisierten „LAI-Hinweise zum Schallimmissionsschutz bei Windkraftanlagen“ aufgenommen, die nach der Kenntnisnahme durch die Bundesumweltministerkonferenz im November 2017 veröffentlicht wurden.  Das Hessische Umweltministerium  hat mit dem Erlass vom 22. November 2017 als eines der ersten Bundesländer die LAI-Hinweise verbindlich und mit sofortiger Wirkung eingeführt. Die Genehmigungs- und Überwachungsbehörden sind somit verpflichtet, das Interimsverfahren zur Beurteilung der von Windenergieanlagen ausgehenden Geräusche anzuwenden.

LAI-Hinweise zum Schallimmissionsschutz bei Windkraftanlagen

Erlass des HMUKLV vom 22. November 2017

Genauere Prognosen zum Schallimmissionsschutz durch Umsetzung der neuen LAI-Hinweise

PDF icon Genauere Prognosen zum Schallimmissionsschutz durch Umsetzung der neuen LAI-Hinweise (PDF / 203 KB)

Überwachung von Windenergieanlagen in Hessen

Da nicht auszuschließen ist, dass in den vergangenen Jahren auf Basis des zum Zeitpunkt der Entscheidung gültigen alternativen Verfahrens Genehmigungen erteilt wurden, die bei einer Neubewertung unter Berücksichtigung des Interimsverfahrens ggf. nicht mehr den Anforderungen des § 5 Abs. 1 Nr. 1 BImSchG gerecht werden, werden im Rahmen der regelmäßig durchzuführenden Überwachungen von Windenergieanlagen die in den Genehmigungen festgelegten Immissionswerte bzw. Schallleistungspegel überprüft. Anlagen bei denen aktuelle Beschwerden vorliegen oder Anträge auf Wiederaufgreifen des Verfahrens nach § 51 VwVfG gestellt wurden, haben dabei Vorrang. Die Überprüfung aller genehmigten Anlagen in Hessen soll spätestens Juni 2021 abgeschlossen sein.

Erlass des HMUKLV vom 17. Mai 2018

PDF icon Erlass des HMUKLV vom 17. Mai 2018 (PDF / 104 KB)

Windenergie und Infraschall

Als Infraschall bezeichnet man Luftschallwellen unterhalb des menschlichen Hörbereiches. Infraschall liegt definitionsgemäß zwischen 0,1 und 20 Hz (Hertz), tieffrequenter Schall unterhalb von 100 Hz. Infraschall umgibt uns tagtäglich, er hat natürliche Quellen wie die Meeresbrandung oder stark böigen Wind und künstliche wie Turbinen, Pumpen, Verkehrsmittel, Lautsprechersysteme oder Windenergieanlagen.

Bei der Beurteilung von Infraschall wird nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrnehmungsschwelle als Bezugsgröße genommen. Da die Wahrnehmungsschwelle des Menschen deutlich höher liegt als die in Messreihen ermittelten Immissionswerte in der Umgebung von Windenergieanlagen, ist eine Gesundheitsgefährdung nach den derzeitigen Erkenntnissen der Wissenschaft auszuschließen.

Faktenpapier Windenergie und Infraschall

PDF icon Faktenpapier Windenergie und Infraschall (PDF / 5 MB)
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