Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Lärmimmissionen

Gewerbelärm

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Gewerbelärm
© Gunther Möller - Hess. Umweltministerium

Als Industrie- und Gewerbelärm wird – im Gegensatz zum „privatem“ Nachbarschaftslärm - sowohl der Lärm von großen Industriebetrieben (z. B. Kraftwerken, Automobilfertigung, Reifenherstellung, Chemieunternehmen u. a.) als auch der von kleineren Handwerksbetrieben (z. B. Bäckereien, Tischlereien, Schlossereien u. a.) bezeichnet. Aber auch Dienstleister wie Supermärkte, Tankstellen, Kinos u. a. gehören dazu. Zum Gewerbelärm zählen neben dem Lärm, der bei dem Betrieb typischerweise entsteht, auch der Lärm des Verkehrs von Fahrzeugen auf dem Betriebsgelände sowie der Lärm des Liefer- und Kundenverkehrs.

Gesetzliche Regelung

Die Ermittlung und Beurteilung von Gewerbelärm erfolgt nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm aus dem Jahr 1998, kurz TA Lärm genannt. Darin sind unter anderem auch Immissionsrichtwerte genannt, die durch Anlagen nicht überschritten werden dürfen. Dies wird in der Regel im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geprüft und später im Rahmen der Überwachung und bei Beschwerden gemessen.

Die jeweils einzuhaltenden Immissionsrichtwerte sind nach dem Schutzanspruch der Nachbarschaft gestaffelt. Der Schutzanspruch eines Immissionsortes ergibt sich z. B. durch Ausweisungen in einem Bebauungsplan oder Flächennutzungsplan.

Die Immissionsrichtwerte betragen für Immissionsorte außerhalb von Gebäuden:

Ziffer TA Lärm

Ausweisung

Immissionsrichtwert tags (6:00 bis 22:00 Uhr)

Immissionsrichtwert nachts (22:00 bis 6:00 Uhr)

6.1 a

Industriegebiete

70 dB(A)

70 dB(A)

6.1 b

Gewerbegebiete

65 dB(A)

50 dB(A)

6.1 c

Kern-, Dorf- und Mischgebiete

60 dB(A)

45 dB(A)

6.1 d

Allgemeine Wohngebiete

55 dB(A)

40 dB(A)

6.1 e

Reine Wohngebiete

50 dB(A)

35 dB(A)

6.1 f

Kurgebiete, Krankenhäuser und Pflegeanstalten

45 dB(A)

35 dB(A)

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen die Immissions-richtwerte am Tage um nicht mehr als 30 dB(A) und in der Nacht um nicht mehr als 20 dB(A) überschreiten.

Bei Geräuschübertragungen innerhalb von Gebäuden betragen die Immissionsrichtwerte unabhängig von der Gebietsein-stufung des Gebäudes:

  • tags 35 dB(A)
  • nachts 25 dB(A)

Einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen dürfen diese Immissionsrichtwerte um nicht mehr als 10 dB(A) überschreiten.

Überschreitungen der Immissionsrichtwerte sind nach Nr. 7.2 TA Lärm (sog. seltene Ereignisse) an einzelnen Tagen oder Nächten bei voraussehbaren Besonderheiten des Betriebs möglich. Die Überschreitung der Immissionsrichtwerte darf jedoch an nicht mehr als 10 Tagen oder Nächten eines Kalenderjahres und an nicht mehr als 2 aufeinanderfolgenden Wochenenden auftreten.

Für seltene Ereignisse gelten folgende Immissionsrichtwerte in den unter 6.1 b bis 6.1 f genannten Gebieten

  • tags 70 dB(A)
  • nachts 55 dB(A)

Diese Immissionsrichtwerte dürfen durch einzelne, kurze Geräuschspitzen:

  • in Gewerbegebieten um maximal 25 dB (tags) bzw. 15 dB (nachts)
  • in den o.g. Gebieten 6.1 c bis 6.1 f um maximal 20 dB (tags) bzw. 10 dB (nachts)

überschritten werden.

Die Beurteilung der Anlagengeräusche erfolgt anhand des Beurteilungspegels und der Maximalwerte einzelner Schallereignisse. Der Beurteilungspegel setzt sich zusammen aus dem Mittelungspegel in der Beurteilungszeit (in der Tageszeit von 6.00 bis 22.00 Uhr der Mittelwert über 16 Stunden, in der Nachtzeit von 22.00 bis 06.00 Uhr der Mittelwert über die lauteste Stunde), aus Zuschlägen für Ton- und Informationshaltigkeit, für Impulshaltigkeit und für die Tageszeiten mit erhöhter Sensibilität.