Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Lärmimmissionen

Eisenbahnverkehrslärm

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Bahnübergang
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Als Schienenverkehrslärm wird der Lärm von Fahrzeugen auf Schienenwegen (Schienenwege der Eisenbahnen und Straßenbahnen, auch Rangier- und Umschlagbahnhöfe) bezeichnet. Lärm von Schienenfahrzeugen auf Betriebs- oder Werksgeländen zählt nicht zum Schienenverkehr. Dieser Lärm ist Bestandteil des Gewerbelärms.

Gesetzliche Regelungen

Eine generelle Regelung zum Schutz vor Schienenverkehrslärm gibt es in Deutschland nicht. Lediglich beim Neubau oder einer wesentlichen Änderung eines Schienenweges, z.B. wenn der Schienenweg um ein durchgehendes Gleis baulich erweitert wird, sind in der Sechzehnten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (16. BImSchV) (Verkehrslärmschutzverordnung) zum Schutz der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen Immissionsgrenzwerte festgelegt.

Die Verordnung enthält auch die Rechenvorschrift (Beurteilungsverfahren) zur Ermittlung der Geräuschbelastung. Einfluss auf die Immissionen haben u.a. die Anzahl und Art der Schienenfahrzeuge, deren Geschwindigkeit, die Fahrbahnart (z.B. Schwellengleis, Feste Fahrbahn), der Abstand des Immissionsortes zum Schienenweg usw.. Geräuschbelastungen, die auf Rangier- und Umschlagbahnhöfe zurückzuführen sind, werden nach der Richtlinie zur Berechnung der Schallimmissionen von Rangier- und Umschlagbahnhöfen (Akustik 04) ermittelt. Nach verschiedenen Prognosen wird der Schienenverkehr (Güter- und Personenverkehr) in den nächsten Jahren weiter wachsen. Verbunden damit ist auch ein weiterer Anstieg der Lärmbelastung der Anwohner von Bahnstrecken. Weil es bundesweit eine Vielzahl von Ortslagen gibt, die saniert werden müssten, hat das Bundesverkehrsministerium eine Dringlichkeitsliste erstellt, die in den nächsten Jahren abgearbeitet wird.

Lärmbelastung im Mittelrheintal

Durch das Mittelrheintal verlaufen zwei Bahnstrecken mit jeweils zwei Gleisen, die zu den meistfrequentierten Bahnstrecken in Deutschland zählen. Die Anwohner der Bahnstrecken sind durch den Schienengüterverkehr im besonderen Maße erheblichem Lärm und Erschütterungen ausgesetzt. Diese gefährden sowohl die Gesundheit der Menschen an der Bahntrasse als auch den Tourismus im Rheintal.

Im Rahmen des Lärmsanierungsprogramms der Bundesregierung wurden in den Jahren 1999 bis 2012 Lärmschutzmaßnahmen - überwiegend passive Maßnahmen an Wohngebäuden - umgesetzt. Mit den Mitteln des Konjunkturpaketes II und des Infrastrukturbeschleunigungsprogramms II wurden in den Jahren 2009 bis 2011 bzw. ab dem Jahr 2013 an einigen Strecken im Mittelrheintal auch innovative Technologien wie akustisches Schleifen, Schienenstegdämpfung und – abschirmung sowie niedrige Schallschutzwände zur Erprobung installiert.

Die bisher umgesetzten Lärmsanierungsmaßnahmen werden vor allem von Anwohnern, Bürgerinitiativen und politischen Vertretern der Länder als nicht ausreichend bewertet, unter anderem weil die Effekte der passiven Maßnahmen im Freibereich oder bei offener Fensterstellung nicht wirken und weil zwischenzeitlich entwickelte innovative Maßnahmen noch nicht umfassend zum Einsatz kommen.

Langzeitmessungen in Rüdesheim-Assmannshausen

Langzeitmessungen des Schienenverkehrslärms werden vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie in Rüdesheim-Assmannshausen durchgeführt. Die Messungen liefern genaue und differenzierte Angaben über Lärmverteilung und -spitzen und ermöglichen ein Lärmmonitoring, um die langfristige Entwicklung der Lärmimmissionen an der Bahnstrecke zu dokumentieren. Die aktuellen Messergebnisse finden Sie auf der Internetseite des HLUG

Beirat "Leiseres Rheintal"

Auf Initiative der Bürgerinitiativen im Rheintal und der DB AG wurde im Dezember 2012 der Beirat „Leiseres Mittelrheintal“ mit Fokus auf das Weltkulturerbe gegründet. Das Gremium unter Vorsitz der Deutschen Bahn AG besteht aus Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertretern des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, den Verkehrs- und Umweltministerien der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie der örtlichen Bürgerinitiativen Pro Rheintal und der Initiative gegen Umweltschäden durch die Bahn. Der Beirat hat sich zum Ziel gesetzt, weitere ergänzende technische Maßnahmen zur Reduzierung des Schienenverkehrslärms im Mittelrheintal zu erarbeiten und den Dialog zwischen den Beteiligten zu verbessern. Im Rahmen einer Machbarkeitsuntersuchung wurden 2014 für alle betroffenen Ortsteile weitergehende technische Möglichkeiten der Lärmminderung untersucht und bewertet. Dazu gehören das akustische Schleifen, Schienenstegdämpfung und – abschirmung, Schallschutzwände verschiedener Höhen, Geländerausfachungen und Maßnahmen gegen das Kurvenquietschen.

Machbarkeitsuntersuchung über zusätzliche Maßnahmen zur Lärmminderung an der Infrastruktur der Bahnstrecken im Mittelrheintal (PDF)

Lärmaktionsplanung für den Schienenverkehr

Die Kartierung entlang der Haupteisenbahnstrecken wird zentral durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) durchgeführt. Alle anderen Bereiche sind in Hessen durch die "Lärmkartierung Hessen" abgedeckt.

Der Lärmaktionsplan der 1. Stufe nach EU-Umgebungslärmrichtlinie für den Bereich Schienenverkehr für Gesamthessen wurde 2012 veröffentlicht. Für die 2. Stufe der Lärmaktionsplanung an Hauptschienenstrecken des Bundes  außerhalb von Ballungsräumen ist ab 2015 das Eisenbahnbundesamt zuständig.

Literaturstudie „Berücksichtigung eines Maximalpegelkriteriums bei der Beurteilung von Schienenverkehrslärm in der Nacht“

Die Reduzierung des Schienenverkehrslärms ist in den letzten Jahren eins der wichtigsten Themen im Verkehrslärmschutz geworden. Dabei wird immer wieder bemängelt, dass Aufwachreaktionen in der Nacht und die dafür verantwortlichen Maximalpegel bei der Beurteilung nicht angemessen berücksichtigt werden.

Um einen Überblick über die bereits vorhandenen Erkenntnisse zum Thema lärmbedingte Aufwachreaktionen zu erhalten, hat das Hessische Umweltministerium eine Literaturstudie in Auftrag gegeben. Die Literaturstudie wurde am 5. März 2015 in der Hessischen Landesvertretung in Berlin von Frau Prof. Dr. Giering von der Hochschule Trier, Umweltcampus Birkenfeld, vorgestellt.

Gesundheitsstudie

Von den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurde eine Literaturstudie zum aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand über gesundheitlichen Auswirkungen von Bahnlärm erstellt. In einem Fachgespräch mit Expertinnen und Experten wurde am 20.04.2015 im Umweltministerium in Düsseldorf das Ergebnis der Literaturauswertung diskutiert und Kernaussagen erarbeitet, die die Grundlage für das weitere Vorgehen der Länder sind.