Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Kreislaufwirtschaft bei Massenabfällen

Bau- und Abbruchabfälle

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Hausabriss und Bauschutt
© Volker Kummer - HLUG

Allgemeines

Bei Bau- und Abbrucharbeiten fällt eine Vielzahl von Abfällen an, wie mineralische Abfälle z. B. Ziegel, Beton, Mauerwerk, Asphaltdecken und weitere Fraktionen wie Holz, Glas, verschiedene Metalle, Kunststoffe und Dämmmaterial. Nach der Gewerbeabfallverordnung haben Erzeuger und Besitzer von Bau- und Abbruchabfällen diese, soweit sie getrennt anfallen, jeweils getrennt zu halten, zu lagern, einzusammeln, zu befördern und einer Verwertung zuzuführen. In den meisten Fällen ist dies auch aus wirtschaftlichen Gründen empfehlenswert, da die Kosten für die Entsorgung gemischter Abfälle stark gestiegen sind.
Bestimmte Abfälle müssen immer getrennt gesammelt werden. So dürfen Abfälle, die mit gefährlichen Inhaltsstoffen (z. B. Asbest, Teer) verunreinigt sind, nicht mit Abfällen vermischt werden, die keine gefährlichen Eigenschaften besitzen.

Baustoffrecycling und Ressourcenschutz

Nach der bundesweiten Abfallstatistik sind „Mineralische Abfälle“ mit einem jährlichen Aufkommen von mehr als 200 Mio. Tonnen die mit Abstand größte Abfallfraktion. Den überwiegenden Teil dieser Stoffe bilden die Bau- und Abbruchabfälle. Zwar werden hiervon schon über 90 % einer stofflichen Verwertung zugeführt, es können damit aber nur 10 bis 15 % des Baustoffbedarfs gedeckt werden. Der größte Teil dieser Abfälle wird bei anderen Verwertungsmaßnahmen, wie der Verfüllung von Abgrabungen (rund 50 %), im Tief- und Deponiebau, eingesetzt. Ziel einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft muss es sein, Abfälle einer möglichst hochwertigen Verwertung, wie dem Einsatz als Recyclingbaustoff (RC-Baustoff), zuzuführen. Neben qualifizierten Gesteinskörnungen kann hierbei Beton unter der Verwendung von Recyclingmaterialien (R-Beton) eine besondere Bedeutung annehmen.

Im Jahr 2012 sind in Hessen rund 12,7 Mio. Tonnen Bau- und Abbruchabfall angefallen. Davon wurden rund 3,7 Mio. Tonnen einer Bauschuttaufbereitung zugeführt, die den ersten Schritt in der Behandlungskette einer hochwertigen Verwertung darstellt. Diese Menge könnte bei entsprechender Nachfrage nach Recyclingbaustoffen deutlich gesteigert werden. Damit würden natürliche Ressourcen und begrenzter Deponieraum geschont.

Die mangelnde Nachfrage nach Recyclingbaustoffen beruht nicht selten auf Vorbehalten, die bewirken, dass Recyclingbaustoffe bei Ausschreibungen nicht berücksichtigt werden. Um diese Vorbehalte abzubauen, hat das das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gemeinsam mit der Ingenieurkammer Hessen im Februar 2015 Informationsveranstaltungen in Kassel, Gießen und Darmstadt durchgeführt. Im Rahmen dieser Informationsveranstaltung wurden die Anforderungen und die Herstellung verschiedener Recyclingbaustoffe und deren Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. Bestehende Verwertungshemmnisse sollten identifiziert, Vorbehalte ausgeräumt und damit die Ziele der Kreislaufwirtschaft erreicht werden. Möglich ist der Einsatz in allen Baubereichen (Hochbau, Straßenbau und Tiefbau). Damit RC-Baustoffe eingesetzt werden, sind sie bei der Ausschreibung und Vergabe von Bauleistungen zu berücksichtigen. Die öffentliche Hand als Bauträger kommt so der ihr gesetzlich vorgegebenen Vorbildfunktion nach.

Einstufung von Bau- und Abbruchabfällen

Die Abfalleinstufung erfolgt durch den Abfallerzeuger. Die zuständigen Abfallbehörden und beauftragte Abfallentsorger können hierbei unterstützen. Bei der Abfalleinstufung werden die entstandenen Bauabfälle möglichst sortenrein erfasst und bewertet. Über die Abfallbezeichnung und den zugehörigen sechsstelligen Abfallschlüssel, ggf. unter Betrachtung einer vorherigen Deklarationsanalyse, wird erkennbar, ob es sich um einen gefährlichen oder einen nicht gefährlichen Abfall handelt.

Entsorgung

Entsprechend der vorgenommenen Abfalleinstufung sind die Entsorgungswege für die Bau- und Abbruchabfälle zu wählen. Dies wird durch die stoffliche Trennung erleichtert. Dabei ist zu beachten, dass Bau- und Abbruchabfälle vorrangig zu verwerten sind. Nur wenn keine Verwertungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sind sie zu beseitigen. 
Bau- und Abbruchabfälle können auf unterschiedliche Art und Weise verwertet werden. Als Beispiel sind die Schrottverwertung, die Herstellung von Sekundärbaustoffen und die Nutzung von Holz als Werkstoff oder Energieträger zu nennen.

Neues Merkblatt der Regierungspräsidien "Entsorgung von Bauabfällen"

Das Baumerkblatt der hessischen Regierungspräsidien vom 15.05.2009 wurde im Hinblick auf die aktuellen Rechtsgrundlagen (u. a. Anpassung an das Kreislaufwirtschaftsgesetz und dessen untergesetzliche Regelwerke) überarbeitet. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Anpassungen des Baumerkblattes an die Richtlinie für die Verwertung von Bodenmaterial, Bauschutt und Straßenaufbruch in Tagebauen und im Rahmen sonstiger Abgrabungen vom 17. Februar 2014 (siehe StAnz. 10/2014, S. 211 ff). Hier wurden die verschiedenen Fassungen der LAGA-Mitteilung 20: „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/Abfällen - Technische Regeln“, mit den Anforderungen des vorsorgenden Boden- und Wasserschutzes zusammengeführt.

Das Merkblatt soll Bauherrn, Bauleitern, Abbruchunternehmen, Ingenieurbüros und sonstigen Planern in Hessen als Leitfaden für eine ordnungsgemäße Abfalleinstufung, Beprobung, Trennung, Verwertung und Beseitigung von Bauabfällen dienen.