Radon

Seit jeher ist der Mensch natürlichen Strahlungsquellen ausgesetzt. Dazu gehören z. B. Strahlung von der Sonne und aus dem Weltraum, Strahlung aus dem Erdboden, radioaktive Stoffe im Körper, in Nahrung und Atemluft.

Radonhaus
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Radonhaus – Wenn das Radon zum Beispiel durch undichte Stellen in Fundament oder Kellermauern in ein Gebäude eindringt, kann es sich in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen unter bestimmten Voraussetzungen in solchen Konzentrationen anreichern, dass es durch Einatmen gesundheitliche Schäden, im schlimmsten Fall Lungenkrebs verursachen kann.
© HMUKLV/Dr. Sebastian Huber

In der Regel ist diese Strahlung aufgrund ihrer geringen Intensität ungefährlich oder, wie z. B. das Sonnenlicht, sogar lebensnotwendig. Bei bestimmten Strahlungsquellen kann es aber unter besonderen Umständen zu Ausnahmen kommen.

Eine spezielle derartige Strahlungsquelle ist das seit einiger Zeit verstärkt diskutierte Radon, ein in der Natur vorkommendes radioaktives Edelgas. Radon gilt nach dem Rauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Bundesrepublik Deutschland. Das Risiko durch erhöhte Radonkonzentrationen in der Atemluft ist allerdings gründlich erforscht.

Radon im Freien

Radon entsteht im Erdboden durch den Zerfall natürlich vorkommender radioaktiver Stoffe (Uran und Thorium). Als Edelgas wird das Radon im Erdreich nicht gebunden, sondern wandert zur Erdoberfläche und vermischt sich dort mit der bodennahen Luft. Durch die ständigen Luftbewegungen wird das Radon im Freien verteilt und mit Frischluft verdünnt. Durch die Verdünnung reduziert sich die Radonkonzentration soweit, dass eine Gesundheitsgefährdung im Freien ausgeschlossen ist.

Radon in Gebäuden

In Innenräumen kann es unter bestimmten Umständen jedoch sein, dass die Verdünnung des Radons mit Frischluft nicht genügt, die Konzentration des Edelgases auf Werte zu reduzieren, von denen keine Gesundheitsgefahr ausgeht. Wenn das Radon zum Beispiel durch undichte Stellen in Fundament oder Kellermauern in ein Gebäude eindringt, kann es sich in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen unter bestimmten Voraussetzungen in solchen Konzentrationen anreichern, dass es durch Einatmen gesundheitliche Schäden, im schlimmsten Fall Lungenkrebs verursachen kann.

Da Radon farblos, geschmacklos und geruchlos ist, mithin nicht von den menschlichen Sinnesorganen wahrgenommen werden kann, sind zur Erfassung der Radonkonzentration physikalische Messungen notwendig. Mit einfachen Messungen kann für das einzelne Gebäude festgestellt werden, ob und welche Schutzmaßnahmen zu empfehlen sind.

Bei Bauausführung nach Stand der Bautechnik (insbesondere Feuchteschutz) kann davon ausgegangen werden, dass Neubauten nur in geringem Maße radondurchlässig sind. So sind die Radonkonzentrationen in der Regel unbedenklich. In Regionen in denen das Angebot an Radon im Boden besonders hoch ist und wo Messungen gehäuft hohe Radonkonzentrationen in der Innenraumluft zeigten, sollte jedoch auch bei Neubauten und Neubauvorhaben auf Radonschutz geachtet werden. Zusätzliche Radonschutzmaßnahmen (z. B. Radondichte Folien oder gezielter Luftwechsel) sind, so sie in die Bauabläufe eingeplant werden, kostengünstig zu realisieren.

Auch bei Bestandsbauten genügen häufig einfache Maßnahmen (z. B. Abdichten von Rissen, Fugen in Böden und erdberührenden Wänden, Rohrdurchführungen, Leitungskanäle und -schächte) zusammen mit Änderungen im Nutzungsverhalten (z. B. verstärktes Lüften), um eine leicht erhöhte Radonkonzentration in der Innenraumluft in den Griff zu bekommen. Diese einfachen Maßnahmen sind für Hobbyhandwerker ohne externe Hilfe zu bewerkstelligen.

Reichen einfache Maßnahmen nicht, um die Radonkonzentration in der Innenraumluft auf unbedenkliche Werte zu reduzieren, so sind weiterführende Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Diese sind aufwendiger und sollten, um den Erfolg sicherzustellen, von qualifizierten Fachfirmen ausgeführt werden.

Radon – Gesetzgebung

Die Gesundheitsgefährdung durch hohe Radonkonzentrationen hat dazu geführt, dass sich der Gesetzgeber mit Radonschutz auseinandergesetzt hat. Im Gesetz zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzgesetz – StrlSchG) vom 27. Juni 2017 und der Verordnung zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung (Strahlenschutzverordnung – StrlSchV) vom 29. November 2018 seit dem 31. Dezember 2018 sind erstmals Regelungen zum Radon verbindlich gemacht.

Für Aufenthaltsräume und für Arbeitsplätze legt das StrlSchG einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter für die über das Jahr gemittelte Radonaktivitätskonzentration in der Luft fest (keinen Grenzwert).

Das Bundesumweltministerium veröffentlichte unter Beteiligung der Bundesländer einen Radonmaßnahmenplan (Link). Der Radonmaßnahmenplan formuliert Ziele und erläutert Maßnahmen zur Bewältigung der langfristigen Risiken durch Radon in Aufenthaltsräumen oder an Arbeitsplätzen in Innenräumen. Er soll dazu dienen, die durch Radon bedingten Lungenkrebsfälle nachhaltig zu reduzieren.

Auf dem Radonmaßnahmenplan aufsetzend sind die Bundesländer verpflichtet an die Bedingungen ihres Bundeslandes angepasste Landesradonstrategien (Link) zu erstellen. Hierzu erheben die Bundesländer die notwendigen Daten (z.B. Messungen der Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft oder in Innenräumen). Das Land Hessen hat um seiner gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen bereit verschiedene Einzelmaßnahmen veranlasst:

  • Hessenweite Messkampagne der Radonaktivitätskonzentrationen in der Bodenluft (Link),

  • Einrichtung eines Radonzentrums an der Technischen Hochschule Mittelhessen ,

  • Vergabe und Durchführung verschiedene Forschungsvorhaben zur Ausbreitung und Messung von Radon in Gebäuden (Link),

  • Veröffentlichung der Broschüre „Radon in Hessen“ ,

  • Internetauftritt des Hessischen Umweltministeriums zum Thema Radon.

Eine kohärente und umfassende hessische Landesradonstrategie ist in der Entwicklung und wird in Kürze veröffentlicht.

Radonvorsorgegebiete – Arbeitsplätze

Zwei Jahre nach Inkrafttreten des StrlSchG (zum 31.12.2020) sind die Bundesländer verpflichtet Radonvorsorgegebiete festzulegen, für die erwartet wird, dass die über das Jahr gemittelte Radonaktivitätskonzentration in der Luft in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschreitet. In den Radonvorsorgegebieten sehen das StrlSchG und die StrlSchV bindende Rechtsfolgen für Neubauten und für Arbeitsplätze die im Erd- oder Kellergeschoss liegen, vor. Zurzeit plant Hessen eine Festlegung der Radonvorsorgegebiete in den Verwaltungsgrenzen der Landkreise.

Wer Gebäude mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen errichtet, ist gesetzlich verpflichtet geeignete Maßnahmen zu treffen, um den Zutritt von Radon aus dem Baugrund zu verhindern oder erheblich zu erschweren. Außerhalb der Radonvorsorgegebiete gilt diese Pflicht als erfüllt, wenn die nach Stand der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz umgesetzt sind. Für Neubauten innerhalb der Radonvorsorgegebiete ist zusätzlich zu den nach Stand der Technik erforderlichen Maßnahmen zum Feuchteschutz mindestens eine der weiteren Maßnahmen:

  • Verringerung der Radon-222-Aktivitätskonzentration unter dem Gebäude,

  • gezielte Beeinflussung der Luftdruckdifferenz zwischen Gebäudeinnerem und Bodenluft an der Außenseite von Wänden und Böden mit Erdkontakt, sofern der diffusive Radoneintritt aufgrund des Standorts oder der Konstruktion begrenzt ist,

  • Begrenzung der Rissbildung in Wänden und Böden mit Erdkontakt und Auswahl diffusionshemmender Betonsorten mit der erforderlichen Dicke der Bauteile,

  • Absaugung von Radon an Randfugen oder unter Abdichtungen,

  • Einsatz diffusionshemmender, konvektionsdicht verarbeiteter Materialien oder Konstruktionen

umzusetzen.

Sind im Rahmen baulicher Veränderungen eines Gebäudes mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen (z.B. Wärmedämmung, energetische Sanierung) Maßnahmen vorgesehen, die zu einer erheblichen Verminderung der Luftwechselrate führen, so soll die Durchführung von Maßnahmen zum Schutz vor Radon in Betracht gezogen werden.

Für Arbeitsplätze, die in einem Radonvorsorgegebiet im Erd- oder Kellergeschoss liegen, hat der Gesetzgeber eine Messpflicht vorgesehen. Das StrlSchG verlangt, dass der für einen Arbeitsplatz in einem Innenraum Verantwortliche 18 Monate nach Festlegung der Radonvorsorgegebiete oder 18 Monate nach Aufnehmen der Tätigkeit die Messung der Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft vorgenommen haben muss. Da die Messung der Radonkonzentration in der Regel 12 Monate dauert, ist spätestens 6 Monate nach Ausweisung der Radonvorsorgegebiete oder Aufnahme der Tätigkeit mit der Messung zu beginnen. Die Messpflicht gilt auch außerhalb der Radonvorsorgegebiete für bestimmte Arbeitsfelder, für die mit erhöhter Exposition durch Radon zu rechnen ist:

  • untertägige Bergwerke, Schächte und Höhlen, einschließlich Besucherbergwerke,

  • Radonheilbäder und Heilstollen,

  • Anlagen zur Wassergewinnung, -aufbereitung und –verteilung.

Ergibt die verpflichtende Messung der Radonaktivitätskonzentration an einem Arbeitsplatz im Erd- oder Kellergeschoss in einem Radonvorsorgegebiet oder an einem Arbeitsplatz welcher einem der Arbeitsfelder mit erhöhter Exposition durch Radon zuzuordnen ist eine Überschreitung des Referenzwerts von 300 Becquerel pro Kubikmeter, so greift ein gestuftes Verfahren (graded approach).

Die vom Hessischen Umweltministerium herausgegebene Broschüre "Radon in Gebäuden - ein Gesundheitsrisiko?" informiert auf allgemein verständlichem Niveau über alle Fragen zu dieser Problematik und steht als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

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