Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Sicherheitsziele & -konzeption

Schaltwarte Biblis

Schaltwarte
© RWE Power AG

Mit dem Atomgesetz (AtG), erstmals verkündet 1959, wurde die Grundlage geschaffen, die Sicherheit kerntechnischer Anlagen zu gewährleisten.

Alle Maßnahmen im Umfeld der Reaktorsicherheit dienen letztlich dem im Atomgesetz (AtG) festgelegten obersten Sicherheitsziel: Leben, Gesundheit und Sachgüter vor den Gefahren der Kernenergie und der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlen zu schützen. Davon abgeleitet sind die folgenden nationalen Schutzziele:

  • den Reaktor jederzeit abschalten und im abgeschalteten Zustand halten zu können,
  • auch bei abgeschaltetem Reaktor die im Reaktorkern anfallende Wärme sicher abführen zu können
  • die Barrieren zum Einschluss der radioaktiven Stoffe dichthalten zu können und
  • die Begrenzung der Strahlenexposition.

Das Übereinkommen über nukleare Sicherheit ist ein multilaterales Abkommen in dem sich die Vertragsstaaten verpflichten die Sicherheit ziviler Kernkraftwerke zu erhöhen. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit dem 20. April 1997 Vertragspartei. Hierdurch hat sich die Bundesrepublik Deutschland verbindlich zur Einhaltung von Zielen des Übereinkommens verpflichtet. Sie beinhalten im Wesentlichen:

  1. Erreichen und Beibehalten eines weltweit hohen Standes nuklearer Sicherheit durch Verbesserung innerstaatlicher Maßnahmen und internationaler Zusammenarbeit, ggf. einschließlich sicherheitsbezogener technischer Zusammenarbeit;
  2. Schaffung und Beibehaltung wirksamer Abwehrvorkehrungen in Kernanlagen gegen mögliche radiologische Gefahren, um den Einzelnen, die Gesellschaft und die Umwelt vor schädlichen Auswirkungen der von solchen Anlagen ausgehenden ionisierenden Strahlung zu schützen;
  3. Verhütung von Unfällen mit radiologischen Folgen und Milderung solcher Folgen, falls sie eintreten.

Um die Einhaltung dieser nationalen/internationalen Ziele sicherzustellen, sind eine Fülle von technischen und organisatorischen Maßnahmen entwickelt worden. Sie sind integraler Bestandteil des kerntechnischen Sicherheitskonzepts in Deutschland. Technisch umgesetzt wird das Sicherheitskonzept durch Mehrfachbarrieren zum Einschluss des Aktivitätsinventars sowie durch Maßnahmen und Einrichtungen auf mehreren Sicherheitsebenen zum Schutz der Barrieren. Die konsequente Umsetzung dieses Sicherheitskonzeptes, als grundlegendes Prinzip der Reaktorsicherheit, z.B. bei Nachrüstungen und regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen durch Behörde und Gutachter sorgen für den hohen international anerkannten Sicherheitsstandard der deutschen Kernkraftwerke.

Das grundlegene Sicherheitsziel, der Schutz von Mensch und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen ionisierender Strahlung, ist bei der Planung, der Errichtung, dem Betrieb sowie beim Rückbau eines Kernkraftwerks zu berücksichtigen. Zur bundeseinheitlichen Umsetzung dieses Sicherheitsziels hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit die "Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke" vom 03.03.2015 sowie die zugehörigen "Interpretationen" veröffentlicht.