Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Startseite Presse Pressemitteilungen Pressearchiv Rekordzahlen im Ökolandbau: 2.084 Betriebe und 102.500 Hektar Anbaufläche
Ökolandbau

Rekordzahlen im Ökolandbau: 2.084 Betriebe und 102.500 Hektar Anbaufläche

Thema: 
Veterinärwesen & Tierschutz
25.01.2018Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz überreicht Bertram und Martina Wenzel, die ihren landwirtschaftlichen Betrieb auf Ökolandbau umgestellt haben, eine Urkunde. Ihr Hof ist der 2000. Umsteller-Betrieb
Bild 1 von 3
Hessens Landwirtschaftsministerin Priska Hinz überreicht Bertram und Martina Wenzel, die ihren landwirtschaftlichen Betrieb auf Ökolandbau umgestellt haben, eine Urkunde. Ihr Hof ist der 2000. Umsteller-Betrieb
© HMUKLV

„Ich freue mich außerordentlich, dass die Erfolgsgeschichte Ökolandbau in Hessen um ein weiteres Kapitel ergänzt werden kann. Zum Jahreswechsel konnten wir den 2.000sten Ökobetrieb willkommen heißen. Wir haben damit nicht nur bei den Betrieben eine markante Schwelle überschritten, sondern mit mehr als 100.000 Hektar auch bei der Ökofläche“, sagte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz heute in Wiesbaden. Dies ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, das vor allem auf die günstige Marktentwicklung im Ökosektor aber auch auf die Maßnahmen des hessischen Ökoaktionsplans zurückzuführen ist. Aktuell wird somit ein Anteil von 13,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Hessen von 12,8 Prozent der hessischen landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch bewirtschaftet. „Hessen liegt damit weiterhin im Bundesvergleich im Spitzenfeld und konnte diese Position wiederholt nicht nur stärken, sondern auch weiter ausbauen“, bekräftigte Ministerin Hinz. Seit Einführung des Ökoaktionsplans im Jahr 2014 ist die Zahl der Ökobetriebe von 1.690 auf 2.084 also um 394 Betriebe und die Fläche von 78.500 auf 102.500 Hektar, also um mehr als 30 Prozent angestiegen. Alleine im vergangenen Jahr haben 138 Betriebe auf Öko umgestellt.

Den Titel des 2000sten Betriebes hält Bertram Wenzel aus Schöffengrund im Lahn-Dill-Kreis. Ihm hatte Ministerin Hinz heute in Wiesbaden persönlich eine Urkunde überreicht. „Den Entschluss haben wir als Familie gemeinsam getroffen. Wir wollen mit der Umstellung ein Zeichen setzen und uns aktiv am Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen beteiligen. Wir sehen darin aber auch eine neue Herausforderung, den Betrieb auf eine zukunftsfähige wirtschaftliche Basis zu stellen“, sagte Bertram Wenzel. Neben der Haltung von Milchkühen und Pensionspferden bewirtschaftet Wenzel rund 160 Hektar Ackerland, wovon etwa 100 Hektar auf den Anbau von Marktfrüchten entfallen. „In früheren Jahren lag der Schwerpunkt der Ökolandwirtschaft in der extensiven Grünlandbewirtschaftung. Es ist erfreulich, dass jetzt auch mehr Ackerbaubetriebe auf eine ökologische Bewirtschaftung umstellen und somit gezielt mehr regionale Ökoprodukte für die heimische Marktversorgung bereitgestellt werden können. Das ist ein weiteres Ziel der Hessischen Agrarpolitik: die regionale Wertschöpfung auch für die Region zu erhalten“, sagte die Ministerin.

Das Land Hessen fördert den Ökolandbau im Rahmen des Hessischen Programms für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM). Ein Ökobetrieb erhält je Hektar Grünland 190 Euro je Hektar und Jahr, für Ackerland sind es 260 Euro, für Gemüseanbauflächen 420 Euro und für Dauerkulturen wie Obst- und Rebflächen 750 Euro. Zusätzlich werden bis zu 600 Euro je Betrieb als Zuschuss für die Kontrollgebühren gezahlt. „Wir werden auch in Zukunft diejenigen unterstützen, die Ökobetriebe werden möchten. Für 2018 und 2019 stehen im Haushalt jeweils 20 Millionen Euro für neue Anträge von Landwirtinnen und Landwirten zur Verfügung, die sich für einen Biobetrieb oder eine Vergrößerung entscheiden“, so Hinz. Im Doppelhaushalt sind darüber hinaus Mittel eingeplant für die bereits bewilligten Ökoflächen, die in den kommenden zwei Jahren ausgezahlt werden. „Das sind 2018 über 40 Millionen Euro, im Jahr 2019 mehr als 45 Millionen Euro. Damit können wir den Betrieben Sicherheit geben“, erklärte die Ministerin.

Ökoaktionsplan

Im Rahmen der Pressekonferenz zog Ministerin Hinz eine kleine Zwischenbilanz zur Umsetzung des Ökoaktionsplans (ÖAP). Eine Gesamtbewertung des ÖAP wird zwar erst gegen Mitte dieses Jahres vorgelegt. Es ist jedoch bereits jetzt absehbar, dass der Ökoaktionsplan seine Ziele in vielen Punkten erreichen wird. Beispielhaft verwies die Ministerin auf die deutlich steigende Nachfrage für Ökoberatungen durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Wurden während der zweijährigen Umstellungszeit bis 2015 zwischen 120 und 150 Anfragen pro Jahr gestellt, so hat sich diese Nachfrage in 2016 und 2017 sogar auf über 300 Anfragen verdoppelt. Zudem wurde ein Pilotbetriebsnetz für Biodiversität aufgebaut. „Derzeit arbeiten bereits acht landwirtschaftliche Betriebe an dem Netzwerk mit, weitere zehn Betriebe haben ein großes Interesse bekundet ebenfalls teilzunehmen“, so die Ministerin.

Als ein besonders erfolgreiches Projekt aus dem ÖAP wurden die drei hessischen Ökomodellregionen in Hessen genannt. „In allen drei Regionen wurden vielversprechende und regional sehr unterschiedliche Projekte umgesetzt. Viele weitere konnten aber noch nicht abgeschlossen werden. Darum haben wir die Laufzeit um zwei weitere Jahre verlängert. Außerdem haben wir aufgrund des großen Interesses eine Ausschreibung für drei neue Ökomodellregionen gestartet. Ich bin schon sehr gespannt auf die eingehenden Bewerbungen, die bis März vorgelegt werden“, freut sich Ministerin Hinz.

Abschließend ging die Ministerin auf das Projekt der Aktionsgemeinschaft „Echt Hessisch“ zur Stärkung der Vermarktungsstrukturen und des Absatzes von hessischen Ökoprodukten ein. Das Projekt hat inzwischen zahlreiche Initiativen angestoßen und einige fertige Produkte präsentiert, z.B. die Vermarktung regionalen Lammfleischs und Frankfurter (Bio)Würstchen. „Die Arbeit der Aktionsgemeinschaft „Echt Hessisch“ hat sich etabliert und erste Erfolge erzielt, aber es gibt weiterhin viel zu tun. Jedenfalls sind die Arbeiten zur Integration von „Echt Hessisch“ in den MGH-Vertrag bereits in vollem Gange“, betonte Ministerin Priska Hinz.

Hintergrundinformation

Seit 2015 wachsen die Umsätze von Ökolebensmitteln in Deutschland jedes Jahr um etwa 10 Prozent an. Pro Kopf geben die Deutschen ungefähr 110 Euro im Jahr dafür aus. Der Marktanteil von Ökolebensmitteln liegt bei etwa 5,5 Prozent. Der Anstieg der Umsätze von Ökolebensmitteln spiegelt auch die steigenden Unternehmensergebnisse der Ökolandwirte wieder, diese sind im Jahr 2017 um 17 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu gingen die Einkommen konventioneller Vergleichsbetriebe deutlich zurück.

Im Bundesdurchschnitt werden aktuell rund 7,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftetet, im EU-Durchschnitt sind es 6,5 Prozent. Regionaler Schwerpunkt des ökologischen Landbaus in Hessen bilden die fünf mittelhessischen Landkreise: Lahn-Dill-Kreis, Gießen, Vogelsbergkreis, Fulda und Marburg-Biedenkopf, hier befinden sich rund 50 Prozent der hessischen Ökoflächen.

Beim Aktionsplan für mehr ökologischen Landbau in Hessen (Ökoaktionsplan) handelt es sich um ein ganzes Maßnahmenbündel, das im Wesentlichen die Erzeugungs-, Verarbeitungs-, Vertriebs-, und Vermarktungsstrukturen des Ökolandbaus in Hessen verbessern und stärken soll. Ziel ist es dabei, den Anteil von hessischen Bioprodukten im heimischen Markt deutlich zu steigern. Die im Ökoaktionsplan dargelegten Maßnahmen und Fördermöglichkeiten sollen den Marktanteil bei regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln erhöhen, damit sie nicht an den Import verloren gehen.

Die einzelnen Aktionen und Maßnahmen des Ökoaktionsplans werden dabei aus einer ganzen Palette verschiedener Förderprogramme – darunter HALM – für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum unterstützt, die Bestandteil des Hessischen Entwicklungsplans für den ländlichen Raum sind (EPLR).

Nach dem Programm „Fördergrundsätze des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für Zuwendungen zur Umsetzung von Maßnahmen des Hessischen Ökoaktionsplans“ werden seit Ende 2015 lediglich Zuwendungen für Maßnahmen zur Weiterentwicklung und Verbreitung des Ökologischen Landbaus sowie der Vermarktung und Direktvermarktung von regionalen Produkten in Hessen gegeben, die nicht aus den anderen vorhandenen Förderprogrammen für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum abgedeckt werden.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecherin: 
Frau Ira Spriestersbach
Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
+49 611 815 1020
+49 611 815 1943
pressestelle@umwelt.hessen.de
Schließen