Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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Mehr Tierwohl im Stall: Vereinbarung aus dem Runden Tisch Tierwohl reduziert Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft

Thema: 
Veterinärwesen & Tierschutz
17.05.2017Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Landwirtschaftsministerin Hinz unterzeichnet Vereinbarungen des Runden Tisch Tierwohl / „Die Selbstverpflichtung zu weniger Antibiotika bei Milchkühen ist einmalig in Deutschland.“

Das Ehepaar Wien hat sichtlich Spaß an ihrem Beruf als Landwirte
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Das Ehepaar Wien hat sichtlich Spaß an ihrem Beruf als Landwirte
© HMUKLV / S. Feige

„Das Tierwohl in der Landwirtschaft zu stärken, ist mir ein großes Anliegen. Der Runde Tisch Tierwohl übernimmt dabei eine tragende Rolle. Daher freue ich mich sehr, dass wir heute gleich vier Vereinbarungen unterzeichnen, die gemeinsam von den Mitgliedern des Runden Tisches getroffen wurden. Von diesen werden nicht nur die Nutztiere, sondern auch wir Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie die Umwelt eindeutig profitieren“, sagte Landwirtschaftsministerin Priska Hinz heute bei einer Pressekonferenz auf dem Erlenhof in  Friedrichsdorf-Burgholzhausen. „Gerade bei Haltungsfragen lässt sich im Sinne des Tierwohls noch am meisten verbessern. Änderungen zeigen zudem sofort ihre positive Wirkung. Besonders wichtig ist mir, dass die heute unterzeichneten Vereinbarungen von allen Vertreterinnen und Vertretern des Berufstandes beschlossen und mitgetragen werden. So erhalten sie eine breite Basis und Zustimmung. Hessen geht hier mit sehr gutem Beispiel voran.“

In einer der getroffenen Vereinbarungen verpflichten sich die Landwirtinnen und Landwirte sowie die Tierärztinnen und Tierärzte, den Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen auf das therapeutisch notwendige Minimum zu reduzieren. „Weltweit nehmen die Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika zu.  Dabei spielt auch der Einsatz dieser Mittel in der Nutztierhaltung eine wesentliche Rolle“, betonte Hinz. „Es ist das erklärte Ziel der Landesregierung, den Einsatz der Antibiotika in der Tierhaltung zu verringern. Denn hierbei geht es nicht nur um ein Mehr an Tierwohl, sondern auch um einen aktiven Verbraucherschutz. Die Leidtragenden zunehmender Resistenzen sind neben den Tieren auch wir Menschen“, bekräftigte die Ministerin.

Hessen übernimmt Vorreiterrolle

„Der Runde Tisch hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Landwirtinnen und Landwirte in ihrer alltäglichen Praxis abzuholen und ihnen eine bessere, weil tiergerechtere Haltung ihrer Nutztiere zu ermöglichen“ betonte Hinz. Die heute unterzeichnete „Vereinbarung mit Handlungsempfehlungen zum Antibiotikaeinsatz zur Behandlung von Eutererkrankungen und beim Trockenstellen von Milchkühen“ ist ein Beleg hierfür. Denn sie enthält konkrete Hilfestellungen für die Tierhalterinnen und Tierhalter. Anhand von klar beschriebenen Symptomen sind Handlungsempfehlungen zur Diagnostik aufgelistet, die eine Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Antibiotika erleichtern. „Familie Wien vom Erlenhof zeigt bereits heute sehr erfolgreich, dass der Einsatz von Antibiotika in der konventionellen Haltung nicht zwangsläufig erforderlich ist und ein mehr an Tierwohl sogar zu einer besseren Milchproduktion führt. Das zeigt: Der Einsatz für mehr Tierwohl in der Landwirtschaft widerspricht nicht den Grundprinzipien der Wirtschaftlichkeit“, sagte Hinz. „Erstmalig werden anhand eines an der Praxis orientierten Kriterienkatalogs Behandlungsstrategien aufzeigt, die auch ohne Einsatz von Antibiotika einen gesunden Bestand garantieren. Hessen nimmt hier in Deutschland eine Vorreiterrolle ein“, sagte Hinz.

Schmerzfreie Kastration

Drei weitere Vereinbarungen, die von Ministerin Hinz und den Mitgliedern des Runden Tisch Tierwohl unterzeichnet wurden, betreffen die Kastration bei Wiederkäuern und das Schwänzekürzen bei Lämmern. „Eine Betäubung bei der Kastration von Rindern, Schafen und Ziegen im Alter von unter vier Wochen ist gesetzlich nicht vorgeschrieben – dennoch haben sich alle Unterzeichnenden verpflichtet, die Kastration bei diesen Tierarten zukünftig nur noch unter Schmerzausschaltung und mit Schmerzmitteln durchzuführen“, sagte die Ministerin.

Die „Vereinbarung zum Schwanzkürzen bei Lämmern“ wiederum betrifft das Tierwohl von Lämmern, bei denen das Kürzen der Schwänze bis zum siebten Lebenstag mittels elastischer Ringe ohne Betäubung rechtlich zulässig ist. „Oberstes Ziel muss es auch hier sein, einen solchen Eingriff, sofern er unbedingt erforderlich ist, so tierschonend wie möglich durchzuführen“, betonte Hinz. Mit der Vereinbarung verpflichten sich die Unterzeichnenden, den Eingriff nur noch bei Zuchttieren, nur bis zum dritten Lebenstag und zudem nur mit einer Schmerzbehandlung durchzuführen. Flankierend sollen zu diesem Thema Aus- und Fortbildungsveranstaltungen durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) angeboten werden. „Auch bei diesen beiden Vereinbarungen ist Hessen bundesweit Vorreiter. Ich hoffe sehr, dass diese Praxis schnell auch in anderen Ländern Schule macht“, sagte die Ministerin.

Verbot der Schlachtung tragender Rinder

Trotz mehrfacher Ankündigungen und Aufforderungen gibt der Bund bisher keine einheitliche Regelung zum Verbot der Schlachtung trächtiger Rinder vor. „Mit der neuen Vereinbarung wollen wir diese gesetzliche Lücke schließen und schützen das ungeborene Leben aus einer ethischen Verpflichtung heraus. Denn es besteht in der Wissenschaft mittlerweile Konsens darüber, dass ungeborene Kälber Schmerzen und Leiden beim Schlachten der Mutterkuh erfahren und qualvoll unter Sauerstoffmangel im Mutterleib ersticken“, sagte Hinz. Die entsprechende Vereinbarung enthält einen Maßnahmenkatalog – zum Beispiel zu einer geeigneten Trächtigkeitsuntersuchung vor Abgabe einer Kuh. Im Falle einer Hochträchtigkeit ist dann die Geburt abzuwarten.

„Seit Gründung des Runden Tisch Tierwohl im Jahr 2015 haben wir gemeinsam mit seinen Mitgliedern viel erreicht. Ich danke allen Beteiligten für die offene und konstruktive Zusammenarbeit. Tierwohl in der Landwirtschaft ist unabdingbar. Heute sind wir gleich mehrere Schritte vorangekommen“, sagte die Ministerin abschließend.

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