Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Tierschutz

Luchsbestand in Hessen erholt sich langsam

Thema: 
Veterinärwesen & Tierschutz
06.09.2017Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Luchs
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© Thomas Trapke Hessenluchs

„Der Luchsbestand in Hessen erholt sich nur langsam: Nach einem schwierigen Jahr 2016 fehlt zwar ein Beleg für die erfolgreiche Jungenaufzucht. Trotzdem dürfen wir optimistisch sein, denn es wurden keine an Räude verendeten Luchse mehr gefunden und die beobachteten Tiere sahen alle gesund aus“, sagte Umweltministerin Priska Hinz heute in Wiesbaden. Dort stellte sie gemeinsam mit Thomas Norgall, Naturschutzreferent des hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und einer der Koordinator des Arbeitskreises Hessenluchs den Luchsbericht 2016/2017 vor. „Der landesweite Luchsbestand dürfte im zurückliegenden Berichtszeitraum zwar phasenweise bis zu zehn Tiere betragen haben, doch uns ist erstmals seit 2010 kein Reproduktionsnachweis gelungen“, ergänzte Norgall.

Vier nachgewiesene Luchse

Grundlage der Bestandsschätzung sind zum einen die zahlreichen plausiblen Meldungen zu Feststellungen des Luchses, die beim Arbeitskreises Hessenluchs aus ganz Hessen eingingen. Zum anderen führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen in Nordhessen umfangreiche Feldarbeiten durch. Insgesamt konnten mindestens vier verschiedene Luchse – drei Männchen und ein Weibchen – in einem mehr als 650 Quadratkilometer großen Gebiet in Nordhessen nachgewiesen werden. Nachdem der Luchsbestand in diesem Gebiet durch die Räude zeitweilig auf ein bis zwei Tiere abgesunken war, ist dies erfreuliche Entwicklung. Die Zuwanderung mindestens eines Luchses erfolgte aus dem Harz.

Für die exakte Bestandsermittlung hat sich durch die Arbeiten Göttinger Wissenschaftler nun auch in Hessen die Wiederkennung der einzelnen Individuen an Hand ihrer Fellzeichnung mit Hilfe so genannter Fotofallen bewährt. Allerdings gelingt die Wiedererkennung nur geübten Spezialistinnen und Spezialisten, denn die hessischen Luchse zeigen nur eine geringe Fellzeichnung, meistens beschränkt auf die Beine. Wichtig für die individuelle Erkennung ist auch die erneut sehr gute Zusammenarbeit mit dem Luchsprojekt Harz. Denn Luchse, die im Harz mit Sendern versehen werden, erreichen regelmäßig auch das Bundesland Hessen. Umgekehrt wandern in Hessen identifizierte Luchse nach Niedersachsen ab. Da Luchse keine Landesgrenzen kennen, wird zukünftig auch eine stärkere Vernetzung mit den Luchs-Fachleuten des Landes Thüringen angestrebt.

Ein Jahr ohne Luchs-Nachwuchs

Sichere Luchs-Feststellungen konzentrierten sich im vergangenen „Luchs-Jahr“ auf die nordhessischen Landkreise Werra-Meißner, Kassel, Schwalm-Eder und im Winter und Frühjahr deutlich vermehrt auch auf den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. In Hersfeld-Rotenburg weckten zwei Luchse, die während der Paarungszeit im Frühjahr 2017 gemeinsam beobachtet werden konnten, die Hoffnung auf Nachwuchs. Der erhoffte Fortpflanzungsnachweis gelang aber bis heute nicht.

Die langjährige Dokumentation zeigt, dass Luchse in Hessen bisher keine Probleme für Nutztierhalter verursachen. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Im Januar 2017 wurden in einem Damwild-Gehege sieben tote Tiere gefunden, die in der vorangegangenen Nacht durch Kehlbiss getötet worden waren. Der Zaun war nicht elektrisch gesichert und konnte von der kletterfähigen Katze offenbar leicht überwunden werden. Weitere Probleme traten in der Folgezeit nicht auf.

Umweltministerin Priska Hinz betonte erneut die Bedeutung der guten und Kooperation aller Beteiligten: „Dass wir die Rückkehr des Luchses so genau nachvollziehen können, kann nur durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure gelingen. Damit meine ich besonders die engagierte, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen Luchsbeauftragten des Arbeitskreises Hessenluchs, den beteiligten Forstämter und der Naturschutzverwaltung sowie die Kooperation mit den Verantwortlichen des Luchsprojektes der Nationalparkverwaltung Harz und des Forschungsprojektes Uni Göttingen.“

Hintergrundinformationen:

Der Arbeitskreis Hessenluchs wurde im 2004 auf Initiative des Ökologischen Jagdvereins Hessen (ÖJV) und des hessischen Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) als verbandsübergreifender Zusammenschluss gegründet. Weitere Informationen: http://www.luchs-in-hessen.de/ueberuns.html

Der Luchsbericht wird vom Arbeitskreis Hessenluchs seit 2007 jährlich im Auftrag der Obersten Naturschutzbehörde im Hessischen Umweltministerium und des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie erstellt. Das Berichtsjahr  dauert jeweils vom 01.05. bis zum 30.04. des Folgejahres. Die Berichte sind die Grundlage für die Berichte zum Erhaltungszustand des Luchses, zu denen Hessen nach dem europäischen Naturschutzrecht, konkret der FFH-Richtlinie, verpflichtet ist. Der Arbeitskreis Hessenluchs veröffentlicht die Berichte auf seiner Hompage, damit sie für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit leicht zugänglich sind: http://www.luchs-in-hessen.de/luchshinweise_melden.html

Das Luchs-Projekt an der Uni Göttingen leitet Dr. Markus Port. Dr. Port und seine Kolleginnen und Kollegen ermitteln den Bestand in einem etwa 650 Quadratkilometer großen Gebiet in Nordhessen. Mit sog. Fotofallen wird die individuelle Fellzeichnung der freilebenden Luchse festgestellt. Weitere Informationen: http://www.luchs.uni-goettingen.de/index.php?id=8

Das Luchsprojekt Harz begann Anfang 2000 mit der Wiederansiedlung der größten europäischen Katze. Die Ansiedlung war erfolgreich. Die Harz-Population gilt als Quellpopulation der Luchse in (Nord-) Hessen.  Informationen: http://www.luchsprojekt-harz.de/

Als Räude bezeichnet einen Befall der Haut mit Milben, die bei Säugetieren auftritt. Die Milben verursachen in der Regel einen starken Juckreiz. Befallene Tiere fügen sich beim Kratzen offene Wunden zu, die dann zu Sekundärinfektionen führen. Die Beeinträchtigung kann so stark werden, dass die befallenen Tiere entkräften und verenden.

2014 gab es in Nordhessen eine Hochphase des Räudeauftretens, in dessen Folge mehrere der wenigen in Nordhessen/Südniedersachsen lebenden Luchse starben. Allerdings führt nicht jeder Räudebefall zum Tode. Der Luchs-Kater „Felux“, der erstmals im November 2014 durch eine Fotofalle identifiziert wurde, überlebte das Aufkommen der Räude und lebte weiterhin in seinem Revier in Nordhessen.

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