Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Waldzustandsbericht 2013

„Der Wald in Hessen hat sich in diesem Jahr gut entwickelt“

Waldzustandsbericht 2013 vorgestellt / So viele Blätter und Nadeln an den Waldbäumen wie seit zwanzig Jahren nicht mehr

Hessens Umweltstaatssekretär hat heute im Forstamt Königstein den Waldzustandsbericht 2013 vorgestellt. „Der Wald in Hessen hat sich in diesem Jahr gut entwickelt. Die Bäume im Wald haben so viele Blätter und Nadeln wie seit zwanzig Jahren nicht mehr“, sagte Weinmeister. Die so genannte mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und Altersstufen ist in diesem Jahr erfreulicherweise nochmals um 3 Prozentpunkte auf 20 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert der letzten zwei Jahrzehnte zurückgegangen. Die mittlere Kronenverlichtung gehört zu den wichtigsten Indikatoren für die Gesundheit der Bäume im hessischen Wald und ist ein Gradmesser für deren Vitalität. „Auch die Absterberate liegt 2012/2013 mit 0,1 Prozent auf einem sehr geringen Niveau“, betonte der Staatssekretär.

Günstige Bedingungen: Viel Regen – geringe Mast – kaum Schädlinge

Die Waldzustandserhebung erfolgt traditionell im Sommer und umfasst die Erhebung der Kronenverlichtung der Waldbäume, die Fruktifikation, Kleinblättrigkeit sowie Insekten- und Pilzschäden. Witterung und Schädlingsbefall gehören neben den Luftschadstoffen zu den wesentlichen Einflussfaktoren auf den Waldzustand. Die Rahmenbedingungen waren 2013 in Hessen insgesamt günstig. Mit dem Witterungsverlauf kamen die Wälder wie bereits im Vorjahr gut zurecht. Die kühle erste Hälfte des Jahres 2013 mit insgesamt ausreichenden Niederschlägen sorgte für einen guten Start zu Vegetationsbeginn und für einen hinreichenden Vorrat an Bodenfeuchtigkeit für die darauf folgenden trockenen und teilweise auch heißen Sommermonate. Blüte und Austrieb der Waldbäume erfolgten im Frühjahr leicht verspätet. „Unter diesen Voraussetzungen führte das erneute Ausbleiben einer Buchenmast zu einem besseren Erscheinungsbild bei der älteren Buche. Der Kronenzustand der älteren Eiche profitierte zusätzlich von stark verringerten Fraßschäden durch Schmetterlingsraupen und zeigt sich erheblich verbessert“, so Weinmeister.

Bei der älteren Buche (über 60 Jahre) zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr ein leicht verbesserter Kronenzustand. Die mittlere Kronenverlichtung ist von 30 Prozent (2012) auf 28 Prozent zurückgegangen. „Diese Entwicklung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Fruchtbildung der Buche“, erläuterte der Umweltstaatssekretär. Lag der Anteil fruktifizierender Buchen in der Altersstufe über 60 Jahre 2011 noch bei 97 Prozent, so blieb 2012 und 2013 eine starke Fruchtbildung aus. „Eine starke Fruchtbildung führt dazu, dass die Bäume weniger und kleinere Blätter ausbilden“, so Weinmeister.

Situation im Rhein-Main-Gebiet weiterhin angespannt

Im Gegensatz zum allgemein relativ guten Waldzustand in 2013 bleibt die Situation im Rhein-Main-Gebiet weiter angespannt. Zwar hat sich auch in der Rhein-Main-Ebene der Kronenzustand im Vergleich zum Vorjahr geringfügig verbessert, mit Blick auf Gesamthessen ist der Vitalitätszustand jedoch schlechter, insbesondere bei der älteren Eiche. Die Kronenverlichtung der älteren Eiche liegt in der Rhein-Main-Ebene bei 36 Prozent und damit 14 Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt. „Das Rhein-Main-Gebiet reagiert auf Klimaänderungen besonders empfindlich. Trockenheit wirkt sich hier stärker als im Landesschnitt aus“, machte Weinmeister deutlich. Deshalb wurde im August des Jahres 2012 der „Runde Tisch zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ eingerichtet. Der Runde Tisch soll die Ergebnisse der in 2011 fertig gestellten Machbarkeitsstudie zur Wiederaufspiegelung des Grundwasserstandes in geschädigten Waldbeständen mit den unterschiedlichen Interessengruppierungen und Akteuren diskutieren und Lösungsansätze als Beschlussempfehlungen ausarbeiten. „Alle Beteiligten arbeiten konstruktiv zusammen. Wir sind zuversichtlich, dass der Runde Tisch neue Erkenntnisse zur Lösung des Grundwasserproblems erarbeitet und damit dem Wald im Hessischen Ried langfristig geholfen werden kann“, so der Staatssekretär.

Bodenschutzkalkung mit positiver Wirkung

Auch das Engagement der Hessischen Landesregierung bei der Bodenschutzkalkung  trägt zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Wälder bei. Seit über 25 Jahren werden Kalkungen im hessischen Wald durchgeführt. „Die Bilanz von rund 450.000 Hektar gekalkter Waldfläche kann sich sehen lassen“, sagte Weinmeister und verwies darauf, dass die Fortführung der Bodenschutzkalkung auf den schwächer nährstoffversorgten Standorten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Waldböden darstellt. „Die Ergebnisse der Bodenzustandserhebung II belegen, dass sich die Bodenschutzkalkung als wirksame Maßnahme zum Schutz des Waldbodens und zur Stabilisierung der Waldernährung bewährt hat“, so der Staatssekretär. So ist durch die Kalkung unter anderem eine Erhöhung der Basensättigung (Calcium und Magnesium) in den obersten Bodenschichten festzustellen und damit einhergehend eine Verbesserung des Ernährungszustandes und der Vitalität der Wälder. Im Jahr 2013 wurden in allen Waldbesitzarten rund 14.300 Hektar Wald gekalkt.  Die Landesregierung stellt hierfür rund 2,4 Millionen Euro bereit.

300 Jahre Nachhaltigkeit – 30 Jahre Waldzustandsbericht

Im Jubiläumsjahr 300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland wird mit dem nun vorliegenden 30. Waldzustandsbericht des Landes Hessen auch im Bereich des forstlichen Umweltmonitorings nachhaltiges Handeln dokumentiert. Neue Themenkomplexe wie Klimaänderung und Kohlenstoffspeicherung kamen im Laufe der Jahre hinzu und Aufmachung, Umfang und Inhalt der Berichte änderten sich dabei immer wieder. „Das Kernanliegen blieb jedoch stets, die interessierte Öffentlichkeit, Verbände und Politik, über den Zustand der hessischen Wälder sowie über aktuelle Themen und Erkenntnisse aus dem Forst- und Umweltbereich zu informieren“, sagte Weinmeister. Durch die langjährigen landes- und bundesweiten Waldzustandserhebungen, die in ein europäisches Monitoringsystem eingebettet sind, wurden gravierende Veränderungen mit negativen Auswirkungen auf unsere Wälder und Umwelt rechtzeitig erkannt. Das forstliche Umweltmonitoring hat so seit 1986 national wie international eine Reihe von Ergebnissen zu Fragen der Luftreinhaltepolitik, zum Klimaschutz sowie zum Schutz von Waldökosystemen geliefert. Nicht zuletzt dadurch wurden erfolgreiche Gegenmaßnahmen wie die umfassende Reduktion von Schadstoffemissionen aus Großkraftwerken, die Einführung von Fahrzeugkatalysatoren, der Aufbau von stabileren Mischwäldern und die Bodenschutzkalkung des Waldes angestoßen.

Hessen-Forst sorgt für klimafesten Staatswald

Um die Gesundheit des Waldes weiter zu fördern, setzt Hessen-Forst eine gezielte Risikostreuung und –vorsorge um. „Insbesondere die erwartete Entwicklung des Klimas verpflichtet uns Forstleute, vorsorgend zu handeln“, so Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessen-Forst. Hierzu gehörten unter anderem ein konsequenter Bodenschutz und regelmäßige Waldkalkungen. Auf nährstoffarmen Standorten werde auf die Vollbaumnutzung verzichtet. „Die Förderung standortsangepasster Baumarten hat eine besondere Bedeutung bekommen“, erläuterte Gerst „Waldbaulich bevorzugen wir künftig klimafeste Baumarten wie Eiche, Kirsche, Lärche, Tanne und Douglasie“.

„Unser Ziel ist die nachhaltige Bewirtschaftung, Erhaltung und Entwicklung unserer Wälder zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen. Die erfreulichen Ergebnisse in diesem Jahr dürfen dabei nicht darüber hinweg täuschen, dass der Wald ein komplexes Ökosystem ist, auf das viele jährlich schwankende Faktoren einwirken, die wir nicht beeinflussen können. Die Kenntnis der langfristigen Wirkungen des Säure- und Stickstoffeintrages verlangen auch in Zukunft weitere Anstrengungen zum Bodenschutz, wie es durch eine standortangepasste Bodenschutzkalkung erfolgt“, so Weinmeister abschließend.

Weitere Ergebnisse im Detail:

  • Die Buche ist mit rund 31 Prozent Flächenanteil die wichtigste Baumart in Hessens Wäldern, gefolgt von der Fichte mit rund 25 Prozent. Diese beiden Baumarten beeinflussen somit das Gesamtergebnis zum Zustand der hessischen Wälder erheblich.
  • Die Kronenverlichtung der älteren Eiche hat um 8 Prozentpunkte deutlich abgenommen (2012: 30 Prozent; 2013: 22 Prozent). Der Verlauf der Kronenverlichtung der Eiche wird wesentlich durch das unterschiedlich stark ausgeprägte Vorkommen der Eichenfraßgesellschaft (verschiedene Schmetterlingsarten) bestimmt. Im Vergleich zum Vorjahr (47 Prozent) ist der Anteil von Eichenkronen mit erkennbaren Fraßschäden durch blattfressende Schmetterlingsraupen wieder stark zurückgegangen (2013: 27 Prozent).
  • Bei der älteren Fichte hat sich die mittlere Kronenverlichtung von 28 Prozent (2012) auf 25 Prozent verringert. Aufgrund der insgesamt eher günstigen Witterungsbedingungen war der Befall durch Borkenkäfer an der Fichte in diesem Jahr erneut auf einem geringen Schadniveau.
  • Die mittlere Kronenverlichtung der älteren Kiefer hat sich von 24 Prozent (2012) auf 21 Prozent ebenfalls um 3 Prozentpunkte verbessert. Insgesamt zeigt die ältere Kiefer – im Vergleich zu den anderen Hauptbaumarten – während des Beobachtungszeitraums den geringsten Anstieg der Kronenverlichtung.
  • Bei den jüngeren Bäumen (bis 60 Jahre) aller Baumarten hat die Kronenverlichtung nochmals um 2 Prozentpunkte auf 7 Prozent abgenommen. Dies ist der niedrigste Wert seit über 20 Jahren. Die Ergebnisse der jüngeren Bäume bei den einzelnen Hauptbaumarten liegen jeweils im Trend der älteren Bäume.
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