Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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„Das kulturelle Erbe ist von hoher Bedeutung, darum setzt sich Hessen für den Erhalt und die Zukunft der Domänen ein. “

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser aus dem hessischen Umweltministerium dankt der Hessischen Landgesellschaft mbH beim Festakt im Wiesbadener Kurhaus

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Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser mit Mitarbeitern der Hessischen Landgesellschaft mbH
Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser mit Mitarbeitern der Hessischen Landgesellschaft mbH
© Rolf K. Wegst

Die Zentralisierung der Domänen und des landwirtschaftlichen Streubesitzes bei der Hessischen Landgesellschaft mbH (HLG) mit Sitz in Kassel vor fünfzehn Jahren war nach den Worten der Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Beatrix Tappeser, „der richtige Schritt.“. „Die jetzige Landesregierung hat im Jahr 2014 die Zielvorgabe an die Domänenverwaltung mit den Aufgaben einer geringeren Flächenbeanspruchung, einer ökologisch orientierten Bewirtschaftung und einer verkehrswertgerechten Bewirtschaftung konkretisiert“, sagte die Staatssekretärin vor etwa 150 Gästen im Kurhaus zu Wiesbaden, wo die HLG die Übernahme der Domänenverwaltung vor 15 Jahren mit einem Festakt beging. „Die HLG hält Land für das Flächenmanagement bereit, hilft den Kommunen bei der Erschließung und Vermarktung von Bauland und Gewerbeflächen und hat zudem Aufgaben im Straßenbau übernommen.“ Die Staatssekretärin betonte: „Die HLG betreut mit ihren kompetenten Mitarbeitern diesen Besitz des Landes effizient. Sie hat mit der Vorhaltung von Flächen die Vorbereitung und Umsetzung politischer Entscheidungen etwa im Ausbau der Infrastruktur erheblich verbessert.“ Dr. Tappeser dankte namentlich dem Geschäftsführer der HLG, Prof. Dr. Harald Müller, der „wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Aufgabenspektrum der HLG 2002 um die Domänenverwaltung erweitert wurde.“

„Das Immobilienmanagement der staatlichen Domänen durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) ist der Garant eines verantwortlichen Umgangs mit öffentlichem Eigentum. Die HLG ermöglicht und sichert die Bewirtschaftung der Domänen im Dreiklang einer nachhaltigen Entwicklung“, sagte Müller in Wiesbaden: „In allen Teilen des Landes sind Domänen häufig herausragende Stätten des nachhaltigen Landbaus. Sie sind Orte der sozialen Verantwortung, indem sie der Landwirtschaft das Beispiel einer erfolgreichen, modernen und zukunftsgewandten Bewirtschaftung geben, während einige Domänen für Menschen mit Einschränkungen den gesicherten Lebensraum für ihre Entfaltung bilden. Schließlich erfüllen die Domänen mit ihrem wirtschaftlichen Erfolg und einem jährlichen Beitrag von mehr als fünf Millionen Euro zugunsten des Landes das dritte und ganz wesentliche Kriterium der Nachhaltigkeit: Sie tragen sich ökonomisch selbst und erwirtschaften für das Gemeinwesen einen Gewinn.“

„Der schlanke Staat, der sich all seines Besitzes entledigt, ist kein Selbstzweck“, erinnerte Müller an die Überlegungen vor Beginn der Übernahme der Domänenverwaltung durch die HLG vor 15 Jahren. Das Land Hessen besitzt nach Müllers Worten heute etwa 14.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Davon sind etwa 8000 Hektar in 50 Domänen unterschiedlicher Größe zusammengefasst. Dieser Besitz, erinnerte Müller, wurde früher von den Regierungspräsidien in Kassel und Darmstadt sowie von 80 Forstämtern verwaltet. 2002 habe die HLG nach einer Ausschreibung durch das Land die Verwaltung mit ihrer spezifischen Erfahrung und ihrem Können im Immobilienmanagement übernommen.

„Wir schufen gegenüber den Pächtern Transparenz, indem wir zum Beispiel Pachtwertgutachten erstellten“, die zur Objektivierung des Wertes der Domänen und entsprechenden Verhandlungen mit den Pächtern führten. Vor allem aber haben die Domänen, neben dem Ziel der rentierlichen Verpachtung, für den HLG-Geschäftsführer eine „dienende Funktion“. Ihre Flächen werden eingebracht in den ökologischen Ausgleich, wenn etwa an einem anderen Ort in Hessen die Infrastruktur ausgebaut wird, um die Lebensqualität der Menschen und die Wirtschaftskraft des Landes zu steigern. Die HLG erziele auch Gewinne aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen, während sie zugleich in die Arrondierung vorhandener Güter investiere.

Vielfach, sagte Müller, stehen die Domänen im Dienst der Wissenschaft und der Begleitforschung, der überbetrieblichen Ausbildung in der Landwirtschaft, des ökologischen Landbaus und der Anwendungsforschung auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Als Beispiel nannte Müller die Domäne Frankenhausen bei Kassel, die vom Fachgebiet der Ökologischen Landwirtschaft der Universität Kassel genutzt wird, und den Gladenbacher Hof  bei Limburg, der von dem Landwirtschaftlichen Fachbereich der Universität Gießen genutzt wird. Der Eichhof bei Bad Hersfeld diene der überbetrieblichen Ausbildung in der Landwirtschaft sowie der Anwendungsforschung durch das Fraunhoferinstitut für Windenergie und Energiesystemtechnik in Kassel, das dort an den Themen Biogas und „Power to Gas“ arbeite. Die Domäne Mechtildshausen in Wiesbaden betreibe als Teil der Wiesbadener Werkstätten ökologischen Landbau, während die Domäne Hofmeier bei Darmstadt ebenfalls sozialen Zwecken diene.

„Unsere umfassende Sorge um und für die Domänen ist schließlich ein Beitrag zum kulturellen Reichtum dieses Landes“, schloss Müller, „denn von den etwa 900 Gebäuden auf den Domänen stehen viele unter Denkmalschutz. Es geht für uns um weit mehr als reine Immobilienwirtschaft. Unser Ziel ist die Bereicherung der Agrarstruktur in einer Kulturlandschaft, die im symbiotischen Zusammenleben von Mensch und Natur über die Jahrhunderte ihre des Bewahrens werte Vielfalt und Schönheit gewonnen hat.“

Prof. Dr. Martina Klärle, die im vorigen Herbst in die Geschäftsführung der HLG eintrat und diese vom Sommer an allein übernehmen wird, sprach von einem „Juwel“, den die HLG mit der Domänenverwaltung in Händen halte. Es seien allenfalls 10 Prozent der Landwirte, die die Landwirtschaft in negative Schlagzeilen bringen, „worunter die anderen leiden“. 90 Prozent der Landwirte bewirtschafteten ihre Flächen gut und verantwortungsbewusst, darunter die Domänenpächter.

Dr. Thomas Hahn vom Umweltministerium verwies auf die Vorbildfunktion der Domänen. Sie geben nach seinen Worten Beispiel und Orientierung für andere Betriebe etwa bei Fragen nach dem Zwischenfruchtanbau, beim zeitgemäßen Pflanzenschutz und beim Ziel, das Tierwohl zu achten. Hahn erinnerte daran, dass ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe auf den Domänen ökologisch wirtschaftete im Gegensatz zu elf Prozent im Durchschnitt der landwirtschaftlichen Betriebe in Hessen. Unterstützung erwarte sich das Land auch in Zukunft von den Pächtern der Domänen beim Erhalt der historischen Gebäude.

Gerhard Senckenberg vom Hessischen Pächterverband sicherte dem Land „Offenheit für neue Bewirtschaftungsmethoden“ zu unter der Bedingung des gewinnbringenden Einsatzes. Er stehe zu „Precison Farming“, Landwirtschaft 4.0 und die Düngung mit Hilfe von GPS-Daten. Der Vertreter der Pächter begrüßte den Erhalt des Domänenlandes in Händen der HLG, um es langfristig bewirtschaften zu können. Ein drohender Verkauf verunsicherte die Landwirte.

Harald Knettenbrech, der in Wiesbaden mit der Domäne Armada einen Kinderbauernhof schafft, riet allen Interessenten, vor der Pachtung einer Domäne oder der Übernahme eines Hofes mit jenen Behörden rechtzeitig Kontakt aufzunehmen, die über die Nutzung der Anlagen entscheiden werden. Wenn Wohn- und Wirtschaftsgebäude nicht die notwendige Fläche zur Bewirtschaftung haben, sei häufig die Gastronomie oder eine Bildungseinrichtung mit Übernachtung und Verpflegung die einzige Chance. „Was wollen Sie mit einem großen Scheunenbauwerk sonst machen“, fragte Knettenbrech.

Dr. Axel Schreiber, Pächter der Domäne Wehrda bei Marburg, ermutigte die HLG, die Flächen nur an gut ausgebildete Landwirte zu verpachten. Er forderte von der Politik generell weniger Kontrolle und Bürokratie. Das wäre die beste Unterstützung für die gut arbeitenden Landwirte. Er sei bereit, mit der Zeit zu gehen. Der wichtigste Grund für den Erfolg sei für ihn, sagte Schreiber, mit der Familie in Glück und  Zufriedenheit auf der Domäne zu leben.

Gero Sczech, Fachbereichsleiter Domänen und Liegenschaften sowie Prokurist der HLG,  sagte, dass die Domänen im Durchschnitt über 2,5 Pachtperioden in einer Familie blieben. Heiraten unter Familien seien dabei nicht berücksichtigt. Er bekannte sich zur „Demut“ im Umgang mit dem „Grundvermögen, das wir in Händen halten und das über die Jahrhunderte an uns weitergegeben wurde“.

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