9 Personen stehen im Wald. Im Hintergrund Teil Gehölz, die Bäume haben noch keine Blätter.

Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat

„Wildkatzenwälder von morgen“ — BUND Hessen startet Projekt

Gemeinsam mit Staatsministerin Priska Hinz feierten heute der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Kooperationspartner HessenForst, Regierungspräsidium Gießen und der Naturpark Lahn-Dill-Bergland im Staatswald in der „Hörre“ den Auftakt des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ in Hessen. Als Teil des gleichnamigen BUND-Großprojektes wird es im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist Co-Förderer des Vorhabens. Ziel ist es, die Wiederausbreitung der Wildkatze zu fördern und gleichzeitig Wälder als artenreiche und klimarobuste Lebensräume zu gestalten.

Staatsministerin Priska Hinz: „Die Wildkatze erobert ihren Lebensraum in Hessen zurück. Das ist ein großer Erfolg für den Natur- und Artenschutz! Für die weitere Verbreitung der nächtlichen Jäger auf Samtpfoten leistet das Projekt ‚Wildkatzenwälder in Hessen‘ des BUND einen wichtigen Beitrag. Das unterstützen wir als Land Hessen gerne mit rund 72.000 Euro. Die Wildkatzenpopulation im Lahn-Dill-Bergland ist außerdem etwas ganz Besonderes, denn sie vernetzt die großen Populationen in Mittel- und Westdeutschland und trägt damit zur Verbreitung der Art in ganz Europa bei. Ich wünsche allen Projektbeteiligten viel Erfolg und freue mich auf weitere gute Nachrichten zur Wildkatze aus dem Lahn-Dill-Bergland.“

Einsatz seit über 30 Jahren

Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen: „Der BUND Hessen setzt sich bereits seit über 30 Jahren für die Wildkatze und ihre Lebensräume ein. Wir freuen uns, nun gemeinsam mit starken Partnerinnen und Partnern vor Ort gezielt Wälder im Lahn-Dill-Bergland wildkatzengerecht aufzuwerten. Davon profitieren auch viele andere bedrohte Tierarten wie Bechsteinfledermaus, Feuersalamander und Mittelspecht.“

Stefan Nowack, HessenForst-Abteilungsleiter für Waldentwicklung und Umwelt betont: „Die Wildkatze erfährt mit diesem Projekt wieder mehr Aufmerksamkeit und das ist gut so! Als Zeiger-Art für intakte Wälder gibt uns ihr Vorkommen Hinweise für die naturnahe Bewirtschaftung. Nicht nur hier im Bereich des Forstamts Wetzlar bauen wir bereits seit drei Jahrzehnten die Wälder in strukturreiche Mischbestände um. Die geplanten Maßnahmen, die auch im lokalen Naturschutzkonzept des Forstamts verankert werden, helfen der Wildkatze weiter. Zusätzlich hat das Forstamt die Artenpatenschaft für die Wildkatze übernommen.“

In Kooperation mit HessenForst

Der BUND setzt das Projekt in Kooperation mit HessenForst, dem Regierungspräsidium Gießen und dem Naturpark Lahn-Dill-Bergland um. Einen Schwerpunkt bildet die „Hörre“ im Staatswald des Forstamtes Wetzlar. Um der Wildkatze in Zukunft Verstecke und Jagdhabitate zu bieten, werden hier gezielt Waldränder struktur- und artenreich gestaltet, Totholzhaufen aufgeschichtet und Bachtäler entwickelt.

Der BUND möchte auch darüber hinaus aktiv werden und sucht dafür Verbündete. „Wir laden Waldbesitzende herzlich dazu ein, beim Projekt mitzumachen. Ob Kommune oder Privatwaldbesitzer*in, alle können etwas für die Artenvielfalt und Klimastabilität im Wald tun“, so Nitsch. „Wir planen verschiedene Informationsveranstaltungen, bei denen wir in persönlichen Gesprächen herausfinden, was wir gemeinsam verwirklichen können.“

Hintergrund:

Die Europäische Wildkatze ist in Hessen im Aufwind. Sie konnte in den letzten Jahrzehnten vielerorts wieder nachgewiesen werden, wo sie lange als ausgestorben galt – so auch im Lahn-Dill-Bergland. Die Region ist eine wichtige Verbindungsachse zwischen den Wildkatzenpopulationen im Taunus und im Rothaargebirge. Wird die Population hier gestärkt, fördert das die weitere Ausbreitung der Art. Doch noch immer gibt es weiße Flecken auf der hessischen Verbreitungskarte, wie zum Beispiel in den Waldgebieten südlich des Mains.

Wildkatzen benötigen strukturreiche, laubholzgeprägte Wälder mit Totholz und Gebüsch, die ihnen als Versteckmöglichkeit und zur Jungenaufzucht dienen. Sie bevorzugen zudem gestufte, natürliche Waldränder und angrenzende offene Flächen mit Deckung für die Mäusejagd. Diese Wildkatzenwälder von morgen bieten Wildkatzen nicht nur einen guten Lebensraum, die Wälder sind zudem besser vor Stürmen und Austrocknung geschützt, robuster gegenüber dem Klimawandel und widerstandsfähiger gegen das Artensterben.

Der BUND Hessen führt das Projekt gemeinsam mit dem BUND-Bundesverband, der BUNDjugend und den BUND-Landesverbänden Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durch.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in unseren Wäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute geschätzt 6.000 bis 8.000 Tiere bei uns und das überwiegend in Mittel- und Südwestdeutschland. Die Wildkatze ist wie kaum eine andere Art als Leitart des Naturschutzes für einen Verbund von Waldlebensräumen geeignet. Wildkatzen reagieren sehr sensibel auf die Zerschneidung ihrer Lebensräume durch Straßen, Siedlungen und ausgeräumte Agrarflächen. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen auch für andere gefährdete Arten wie den Luchs, für scheue Vögel wie den Schwarzstorch, seltene Käferarten und Pilze optimal. Der BUND engagiert sich bereits seit Jahrzehnten für den Schutz der Europäischen Wildkatze und ihrer Lebensräume. 

Die Wildkatze in Hessen: www.bund-hessen.de/wildkatzeÖffnet sich in einem neuen Fenster

Kontakt:

Susanne Steib, Projektmanagerin „Wildkatzenwälder von morgen“ in Hessen, susanne.steib@bund-hessen.de oder 069 677 376 43

Andrea Malkmus, Mitarbeiterin im Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ in Hessen, andrea.malkmus@bund-hessen.de oder 0176 60 40 4661

Michelle Sundermann, Pressesprecherin des Landesbetriebs HessenForst, pressestelle@forst.hessen.de oder 0561-3167167