Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Luchsbericht

„Wieder ein Jahr ohne Luchsnachwuchs“

Thema: 
Naturschutz & Klimaschutz
12.10.2018Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Vorstellung des Luchsberichtes 2018

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Luchs im Schnee
Luchs im Schnee
© Thomas Trapke - Hessenluchs

„Auch im letzten Luchsjahr konnte in Hessen kein Nachwuchs festgestellt werden. Das ist das nüchterne Fazit des Luchsberichtes 2018, den der Arbeitskreis Hessenluchs vorgelegt hat“, kommentierte Umweltministerin Priska Hinz die Erkenntnisse des aktuellen Luchsberichts. Der landesweite Luchsbestand dürfte im zurückliegenden Berichtszeitraum zwar phasenweise bis zu zehn Tiere betragen haben, doch seit 2015 ist leider kein weiterer Reproduktionsnachweis gelungen. Erneut wurde ein Luchs Opfer des Straßenverkehrs, was angesichts der geringen Individuenzahl die hohe Bedeutung des Straßenverkehrs als Todesursache verdeutlicht. Ein weiterer Luchs starb nach bisherigen Erkenntnissen eines natürlichen Todes.

Im Frühjahr 2017 wurden im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwei Luchse gemeinsam während der Paarungszeit beobachtet. Doch leider blieb der erhoffte Fortpflanzungsnachweis im Luchsjahr 2018 aus. Voraussetzung für eine erneute Reproduktion in Hessen dürfte die Zuwanderung und Ansiedlung eines fortpflanzungsfähigen Weibchens sein. Da die Harz-Population sich aber nur langsam nach Süden ausbreitet und Fernwanderungen bei Luchsweibchen eher selten auftreten, rechnet der Arbeitskreis Hessenluchs nicht mit der baldigen Ankunft eines Weibchens in Hessen. Die ein oder gar zwei Luchsinnen, die zwischen 2010 und 2015 in Nordhessen Jungtiere zur Welt brachten, wurden vermutlich ein Opfer der Räude, die 2015 in Nordhessen besonders stark auftrat.

Fünf nachgewiesene Luchse

Durch die aufwändige Bestandsermittlung mit Fotofallen von Dr. Markus Port von der Universität Göttingen konnten im Luchsjahr 2017/2018 fünf verschiedene Luchse nachgewiesen werden. Vier dieser fünf Luchse waren männlich, beim fünften Luchs konnte das Geschlecht nicht erkannt werden. Ob Luchsmännchen an ihrem Revier festhalten, wenn sie dort mehrere Jahre kein Weibchen antreffen, ist unklar. Auch dies unterstreicht die Schlüsselstellung, die die natürliche Ansiedlung fortpflanzungsfähiger Weibchen für die Ausbreitung des Luchses hat.

Grundlage der Bestandsschätzung sind zum einen die zahlreichen plausiblen Luchshinweise, die beim Arbeitskreis Hessenluchs seit 14 Jahren aus ganz Hessen eingehen. Zum anderen führen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität Göttingen in einem mehr als circa 950 Quadratkilometer großen Gebiet in Nordhessen umfangreiche Feldarbeiten durch. Für die exakte Bestandsermittlung hat sich durch die Wissenschaftler nun auch in Hessen die Wiederkennung der einzelnen Individuen an Hand ihrer Fellzeichnung mit Hilfe selbstauslösender Kameras bewährt. Allerdings gelingt diese Identifizierung  nur geübten Spezialistinnen und Spezialisten, denn die hessischen Luchse zeigen nur eine geringe Fleckenzeichnung, die sich meist auf die Beine beschränkt.

Zusammenarbeit über Ländergrenzen

Da Luchse keine Landesgrenzen kennen, ist die Zusammenarbeit mit den benachbarten Bundesländern  bei der individuellen Erkennung besonders wichtig. Denn erneut wanderte ein Luchs, der im Harz mit einem Sender versehen worden war, bis in unser Bundesland. Umgekehrt wanderten in den letzten Jahren in Hessen identifizierte Luchse nach Niedersachsen ab. Da Luchse Hessen nicht nur von Norden, sondern auch von Osten erreichen können, ist die Intensivierung des Luchs-Monitorings in Thüringen besonders erfreulich. Seit dem Frühjahr 2018 wird in einem Untersuchungsgebiet  zwischen der hessischen Landesgrenze und dem Nationalpark Hainich ebenfalls mit Fotofallen das Auftreten von Luchsen untersucht. Mit den Verantwortlichen für die Bestandsermittlung im Luchsprojekt Harz und beim BUND Thüringen besteht ein enger Datenaustausch.

Entscheidend ist die gute Kooperation aller Beteiligten: Dass man in Hessen die Rückkehr des Luchses so genau nachvollziehen kann, wird nur durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure möglich. Grundlage dazu ist die engagierte, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen Luchsbeauftragten des Arbeitskreises Hessenluchs, den beteiligten Forstämtern und der Naturschutzverwaltung sowie die Kooperation mit den Verantwortlichen des Luchsprojektes der Nationalparkverwaltung Harz und des Forschungsprojektes der Uni Göttingen.

Weitere Ergebnisse des Luchsberichts 2018

Der Luchsbericht 2018 umfasst das letzte Luchsjahr, das entsprechend der Biologie der Art vom 01.05.2017 bis zum 30.04.2018 dauerte. Die im Luchsbericht 2018 genannten 139 Luchs-Feststellungen konzentrierten sich im vergangenen „Luchsjahr“ zu etwa 90 Prozent auf die nordhessischen Landkreise Werra-Meißner, Kassel, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg. Nur dort gelangen auch sichere Nachweise. Außerhalb dieser Landkreise konnten 17 plausible Feststellungen in den Bericht aufgenommen werden. Wie in den Vorjahren wurde der Luchs ungewöhnlich häufig aus dem Rheingau-Taunus-Kreis gemeldet. Leider ist dort noch kein sicherer Nachweis gelungen.

Die langjährige Dokumentation zeigt, dass Luchse in Hessen bisher nur selten Probleme für Nutztierhalter verursachen. Im Luchs-Jahr 2017/2018 wurde kein Fall bekannt, in dem ein Luchs ein Nutztier gerissen hat.

Hintergrundinformationen:

Der Arbeitskreis Hessenluchs wurde 2004 auf Initiative des Ökologischen Jagdvereins Hessen (ÖJV) und des hessischen Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) als verbandsübergreifender Zusammenschluss gegründet. Weitere Informationen: http://www.luchs-in-hessen.de/ueberuns.html.

Der Luchsbericht wird vom Arbeitskreis Hessenluchs seit 2007 jährlich im Auftrag der Obersten Naturschutzbehörde im Hessischen Umweltministerium und des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie erstellt. Das Berichtsjahr  dauert jeweils vom 01.05. bis zum 30.04. des Folgejahres. Die Ergebnisse sind die Grundlage für die Berichte zum Erhaltungszustand des Luchses, zu denen Hessen nach dem europäischen Naturschutzrecht, konkret der FFH-Richtlinie, verpflichtet ist. Der Arbeitskreis Hessenluchs veröffentlicht die Berichte auf seiner Internetseite, damit sie für die Öffentlichkeit leicht zugänglich sind. Dort können auch Beobachtungen gemeldet werden: http://www.luchs-in-hessen.de/luchshinweise_melden.html

Das Luchs-Projekt an der Uni Göttingen leitet Dr. Markus Port. Dr. Port und seine Kolleginnen und Kollegen ermitteln den Bestand in einem etwa 950 Quadratkilometer großen Gebiet in Nordhessen. Mit  Fotofallen wird die individuelle Fellzeichnung der freilebenden Luchse festgestellt.

Weitere Informationen: http://www.luchs.uni-goettingen.de/index.php?id=8

Das Luchsprojekt Harz begann Anfang 2000 mit der aktiven Wiederansiedlung der größten europäischen Katze. Die Ansiedlung war erfolgreich. Die Harz-Population gilt als Quellpopulation der Luchse in (Nord-) Hessen. 

Informationen: http://www.luchsprojekt-harz.de/

Als Räude bezeichnet man einen Befall der Haut mit Milben, die bei Säugetieren auftritt. Die Milben verursachen in der Regel einen starken Juckreiz. Befallene Tiere fügen sich beim Kratzen offene Wunden zu, die dann zu Sekundärinfektionen führen. Die Beeinträchtigung kann so stark werden, dass sich die befallenen Tiere nicht mehr ernähren können und schließlich verenden.

2014 gab es in Nordhessen eine Hochphase der Räude, in deren Folge mehrere der wenigen in Nordhessen/Südniedersachsen lebenden Luchse verendet sind. Allerdings führt nicht jeder Räudebefall zum Tode. Der Luchs-Kuder „Felux“, der erstmals im November 2014 durch eine Fotofalle identifiziert wurde, überlebte das Aufkommen der Räude und lebt weiterhin in seinem Revier in Nordhessen.

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