Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Startseite Presse Pressemitteilungen Mit angepasster Waldbewirtschaftung der Klimakrise begegnen
Waldzustandsbericht

Mit angepasster Waldbewirtschaftung der Klimakrise begegnen

Umweltministerin Priska Hinz stellt Waldzustandsbericht 2019 vor

dsc_7251.jpg

Umweltministerin Priska Hinz im Wald
© HMUKLV, S. Feige

„Der aktuelle Zustand des Waldes verdeutlicht uns einmal mehr: Der Klimawandel ist in Hessen angekommen. Das Jahr 2019 war bislang zu trocken und zu warm, der Borkenkäfer konnte sich massenhaft vermehren, viele junge Pflanzen sind abgestorben. Stürme und Waldbrände haben den Wäldern zusätzlich geschadet“, sagte heute die Hessische Umweltministerin Priska Hinz bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2019 im Forstamt Königstein.

Um den Gesundheitszustand von Bäumen zu beurteilen, ist die Verlichtung der Baumkrone ein wichtiger Indikator. Bei gesunden Bäumen mit einer dichten Krone ist der Wert für die Kronenverlichtung gering. „Nach den Ergebnissen der diesjährigen Waldzustandserhebung ist die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten und Altersstufen um 3 Prozentpunkte auf 27 Prozent angestiegen. Das ist der der höchste Wert seit 1984. Auch die Absterberate und der Anteil starker Schäden weisen die höchsten Werte der langen Zeitreihe auf“, erläuterte die Ministerin. Die Kronenverlichtung bei den älteren Buchen, Eichen und Kiefern bleibt ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Aber erstmals sind vermehrt abgestorbene Buchen aufgetreten und auch weitere Merkmale (Anteil kleiner bzw. eingerollter Blätter) deuten auf eine erhebliche Stresssituation bei der Buche hin. Ausgelöst durch die anhaltende Trockenheit und Wärme kam es an der Fichte zu erheblichen Borkenkäferschäden. Auch an Buche, Kiefer und Lärche traten verschiedene Käferarten in großer Anzahl auf. Die besondere Witterungssituation löste darüber hinaus stärkere Absterbeerscheinungen durch Pilze aus.

„Diese Situation bedeutet viel Stress und eine hohe Belastung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hessen Forst. Bei ihnen möchte ich mich heute für das große Engagement bedanken. Sie setzen sich jeden Tag für einen gesunden Wald ein. Klar ist, dass es dafür eine gute Personalausstattung braucht. Deshalb haben wir die Personalvereinbarung 2025, in dem ein Personalabbau bis 2025 vorgesehen war, zunächst gestoppt und werden sie evaluieren: Das heißt es werden keine weiteren Stellen abgebaut und kein Revier wird aufgelöst“, ergänzte Ministerin Hinz.

„Nur mit einer angepassten Waldbewirtschaftung können wir dem Klimawandel etwas entgegensetzen. Klimaangepasste Mischwälder mindern das Risiko des großflächigen Waldsterbens, denn sie sind deutlich widerstandsfähiger. Außerdem dienen sie als lebenswichtiger CO2-Speicher“, erläuterte Ministerin Hinz. Deshalb hat die Landesregierung einen 12-Punkte-Plan für einen klimastabilen Wald der Zukunft auf den Weg gebracht und stellt von 2019 bis 2023 insgesamt 200 Millionen Euro Landesmittel für den Waldschutz und Wiederaufbau des Waldes bereit. Dazu gehört die Folgen aus Sturm, Dürre und Borkenkäferkalamität über alle Besitzarten hinweg zu bewältigen. Im Landesprogramm zum Sturm Friederike wurden in 2018 und 2019 rund 4,24 Millionen Euro für die Aufarbeitung von ca. 1,41 Millionen Festmeter Schadholz an kommunale und private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ausgezahlt.

„Im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans erstellen wir einer Klimarisikokarte. Sie dient als fachliche Grundlage und Entscheidungshilfe für den Aufbau klimaangepasster Mischwälder und wird eine landesweite Beratung aller Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ermöglichen“, erklärte die Ministerin. Das Land erarbeitet außerdem ein Wiederbewaldungsprogramm für den Staatswald und führt noch im Dezember ein Fachsymposium „Baumarten im Hessischen Wald der Zukunft“ unter Beteiligung von Wissenschaft und Verbänden durch. Die Ergebnisse werden allen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern zur Verfügung gestellt.

Weitere Ergebnisse im Detail:

  • Buche und Fichte sind die wichtigsten Baumarten in Hessens Wäldern (über 55 % Baumartenanteil). Diese beiden Baumarten beeinflussen daher das Gesamtergebnis zum Waldzustand deutlich.
  • Bei den älteren Buchen hat sich die mittlere Kronenverlichtung von 31 % auf 32 % nur leicht erhöht. 25 % der älteren Buchen haben mittel bis stark fruktifiziert.
  • Die mittlere Kronenverlichtung bei den älteren Fichten ist sprunghaft angestiegen (2018: 29 % und 2019: 38 %).
  • Bei den älteren Eichen liegt die mittlere Kronenverlichtung mit 26 % auf dem Niveau des Vorjahres.
  • Die mittlere Kronenverlichtung der älteren Kiefern ist um 1%-Punkt auf 24 % leicht angestiegen.
  • Die mittlere Kronenverlichtung bei den jüngeren Bäumen (alle Baumarten) ist deutlich angestiegen (2018: 12 % und 2019: 17 %).
  • Die jährliche Absterberate (alle Bäume, alle Alter), ein wichtiger Indikator für Vitalitätsrisiken, liegt bei 2,3 % und hat sich damit deutlich erhöht (langjähriger Mittelwert ist 0,3 %). 50 % der abgestorbenen Bäume sind Fichten.
  • Der Anteil starker Schäden liegt in 2019 mit knapp 7 % doppelt so hoch wie im Mittel der Jahre (1984 bis 2019). Dies ist der mit Abstand höchste Wert in der Zeitreihe.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecherin: 
Frau Ira Spriestersbach
Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
+49 611 815 1020
+49 611 815 1943
pressestelle@umwelt.hessen.de
Schließen