Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

FAQ

Fragen und Antworten zur Biosphärenregion Rheingau-Taunus, Wiesbaden und Main-Taunus

Im Folgenden sind die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Biosphärenregion (BSR) sowie die Antworten dazu aufgelistet. Weitere Fragen und dazugehörige Antworten wurden für Sie als PDF-Datei in dem Download-Bereich zusammengestellt.

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© Hess. Umweltministerium
  • Was ist eine Biosphärenregion?​

​Biosphärenregionen sind von der UNESCO anerkannte Modellregionen für nachhaltige Entwicklung, welche in einem weltweiten Netz von bisher 701 Regionen in 124 Ländern miteinander verbunden sind. In Deutschland hat die UNESCO bislang 16 Biosphärenregionen anerkannt (Stand Juli 2019). Zentraler Gedanke ist die nachhaltige Entwicklung und der Schutz durch Nutzung. Die Nachhaltige Entwicklung soll in wirtschaftlicher und sozialer, aber auch in ökologischer Hinsicht exemplarisch entwickelt und verwirklicht werden. Dies spiegelt sich in den Aufgaben der Biosphärenregion wider:

  • Schutz: Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt

  • Entwicklung: Förderung einer soziokulturell und ökologisch nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung

  • Logistische Unterstützung: Förderung von Demonstrationsprojekten, der Umweltbildung und -ausbildung, der Forschung und der Umweltbeobachtung

Im Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sind Biosphärenreservate im §25 definiert.

  • Woher kommt die Idee für eine Biosphärenregion Rheingau-Taunus, Wiesbaden und Main-Taunus?

Die Idee für eine Biosphärenregion stammt aus der Region. Nach den Beschlüssen der drei Gebietskörperschaften (Stadtverordnetenversammlung Wiesbaden, Kreistage des Rheingau-Taunus-Kreises und des Main-Taunus-Kreises) sowie des Hessischen Landtages hat das Hessische Umweltministerium Anfang 2018 eine ergebnisoffene partizipative Machbarkeitsstudie zur Prüfung des Potentials einer Biosphärenregion nach dem UNECSO-Programm ‚Der Mensch und Biosphäre (MAB)‘ durchgeführt.

  • Wie wurde die Machbarkeitsstudie erstellt?

Zum einen wurde die Erfüllbarkeit der formalen Kriterien der UNESCO fachlich geprüft und zum anderen im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses eine Abwägung der Chancen und Risiken einer Biosphärenregion erarbeitet.

Gesteuert wurde der Prozess zur Erstellung der Studie durch eine Geschäftsstelle beim Fachministerium, die sich zusammensetzte aus Vertretern der Gebietskörperschaften, einem Steuerungskreis aus 40 Interessensvertretungen der Region sowie zwei Fachbüros. Zusammengetragen wurden die Ergebnisse und Projektideen im Wesentlichen durch viele Akteure aus der Bürgerschaft sowie unterschiedlichen Interessensvertretungen aus der Region in mehrfach tagenden Arbeitskreisen und Foren.

  • Konnten sich auch Bürger/innen beteiligen?

​Breite Öffentlichkeitsbeteiligung: In drei regionalen Bürgerforen mit rund 250 Teilnehmenden, einem überregionalen Bürgerforum mit über 120 Teilnehmenden sowie einer Online-Beteiligung mit über 4.000 Besuchen auf der für die Machbarkeitsstudie eingerichteten Dialog- und Transparenzplattform konnten die in der Region lebenden und arbeitenden Menschen sich informieren und beteiligen.

Jugenddialog zur Einbindung junger Menschen in der Region: Die Notwendigkeit einer umweltverträglichen und klimaschonenden Entwicklung wird aktuell verstärkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Region auf die politische Agenda gesetzt. In einem speziell für junge Menschen konzipierten Format brachten diese ihre persönliche Sicht auf eine mögliche Biosphärenregion ein und diskutierten über mögliche zukünftige Veränderungen in der Region.

Weitere Informations- und Beteiligungsformate als Reaktion auf Wünsche aus dem Prozess: Im Verlauf des Prozesses wurde auf die hohe Nachfrage an Information und Beteiligung reagiert, indem die Online-Beteiligung verlängert wurde, ein dezidiertes Forum zum Thema Landnutzung sowie eine Studienreise in den Pfälzer Wald angeboten wurde. Von verschiedenen Akteuren (u.a. IHK, Landwirtschaftsverbände) wurden außerdem eigene Veranstaltungen durchgeführt, bei denen die Geschäftsstelle Biosphärenregion Zwischenstände präsentierte und zur Diskussion stellte.

  • Zu welchem Ergebnis kommt die Machbarkeitsstudie?

Die Machbarkeitsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass die Einrichtung einer Biosphärenregion nach der nun vorliegenden Studie machbar ist, die formalen Kriterien erfüllbar sind und die Chancen in einer ‚Modellregion für nachhaltige Entwicklung‘ in der betrachteten Gebietskulisse überwiegen.

  • Welche Aufgaben hätte die Verwaltungsstelle der Biosphärenregion?

Die UNESCO sieht als Rahmenbedingung einer Biosphärenregion vor, dass eine Verwaltungsstelle eingerichtet wird. Die Verwaltungsstelle soll als eine koordinierende Dienstleisterin für alle Akteurinnen und Akteure der Region und als Unterstützerin, Initiatorin und Beraterin für Projekte und deren Finanzierung zur Verfügung stehen. Dieser Stelle kämen keine hoheitlichen Aufgaben zu und sie würde auch nicht Trägerin öffentlicher Belange. Es soll somit keine neue Verwaltungsstruktur entstehen, sondern eine Geschäftsstelle, die die Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten und Projekten unterstützt. Die Vernetzung und Zusammenarbeit der Kommunen würde einen Mehrwert für die Region darstellen.

  • Gibt es in der Biosphärenregion Einschränkungen für die unternehmerische Freiheit oder für die Ausweisung von neuen Bau- und Gewerbegebieten durch die Kommunen?

Nein. Im Rahmen der Ausweisung einer Biosphärenregion ist das Gebiet in drei unterschiedliche Zonen einzuteilen, denen unterschiedliche Aufgaben zukommen.

80 Prozent der Gebietsfläche nimmt die Entwicklungszone ein. Hier findet die kommunale und wirtschaftliche Entwicklung statt und es werden auf freiwilliger Basis Modelle für die nachhaltige und umweltgerechte Entwicklung unterstützt. Die regionalen Akteure können hier selbst entscheiden, ob sie Förderungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen oder nicht. Es kann dort somit keine zusätzliche Einschränkung der unternehmerischen Freiheit geben. Die Kommunen bleiben in der Lage, die kommunale Entwicklung in Form von Siedlungs- und Gewerbegebieten voranzutreiben. Weitere 17 Prozent der Fläche bilden die Pflegezone. Die Erhaltung und Pflege der traditionellen Kultur- und Naturlandschaft steht hier im Vordergrund. Diese Flächen haben eine besonders hohe Bedeutung für die Erholung und den sanften Tourismus. Sie können größtenteils über die bereits geschützten Natura 2000-Flächen erbracht werden, die weit überwiegend im Wald gelegen sind. Für die Bewirtschaftung dieser Wälder wird sich daher keine Änderungen ergeben. Die übrigen 3 Prozent Fläche nimmt die Kernzone ein. Dabei handelt es sich um schon heute ungenutzte Flächen in vorhandenen, stillgelegten Wäldern; vor allem im Wald in Landesbesitz, in welchen die ursprüngliche Naturlandschaft Vorrang hat.

  • Hat die Biosphärenregion Auswirkungen auf die Waldbewirtschaftung und die Jagd?

Nein, die nachhaltige Waldbewirtschaftung ist wie bisher in der Pflege- und Entwicklungszone weiterzuführen. Dazu gehört auch die in den jeweiligen Forsteinrichtungswerken der Waldeigentümer geplante Holzernte und die Verjüngung der Waldbestände.

In der Pflege- und Entwicklungszone ist die Jagd, wie auch schon heute hessenweit praktiziert, an den Zielen der naturnahen Waldbewirtschaftung auszurichten. Auch die Regelungen zum Wildschaden in der Landwirtschaft werden durch die Ausweisung einer Biosphärenregion nicht berührt. Nahezu alle Kernflächen liegen außerdem im Wald. Das Hessische Umweltministerium hält auch dort Jagdausübung für unverzichtbar. Die stillgelegten Flächen des Staatswaldes werden auf jeden Fall wie im ganzen Land als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Sofern dort in seltenen Fällen Jagdpachtverträge bestehen, werden sie, unabhängig davon, ob die Biosphärenregion kommt, bei Bedarf an die nötigen Maßnahmen des Schutzziels für das Naturschutzgebiet angepasst.

  • Haben Biosphärenregionen einen Effekt auf den Tourismus?

Ja, die positiven wirtschaftlichen Effekte des Tourismus in deutschen Biosphärenreservaten sind klar belegt. Die UNESCO-Biosphärenreservate zählen jährlich insgesamt rund 65 Millionen Besucher, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken. Somit leistet der Tourismus in Biosphärenreservaten einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Regionalwirtschaft1.

  • Wie geht es weiter?

Aktuelle Informationen sowie allgemeine Informationen zu dem weiteren Vorgehen finden Sie in unserem Artikel Vorhaben Biosphärenregion.

Quelle:

1(Job, H. (et al.) (2013): Wirtschaftliche Effekte des Tourismus in Biosphärenreservaten Deutschlands. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 134, Bonn, 165 S.)

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