Trinkwasserspender

Grundwasser und Wasserversorgung

Für Mensch, Tier und Pflanze ist das Wasser die wichtigste Ressource zum Überleben und gilt daher als besonders schützenswert. In Hessen wird 95 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Das Umweltministerium überwacht Menge und Qualität des Grundwassers und sorgt für eine nachhaltige und klimaangepasste Wasserversorgung in Hessen.

Grundwasser

Unter mittleren Niederschlagsverhältnissen werden in Hessen im langjährigen Mittel (1971 bis 2000) jährlich rund 2,13 Milliarden m³ Grundwasser neu gebildet. Gegenüber der sich neubildenden Grundwassermenge (= maximal nutzbares dynamisches Grundwasserdargebot) steht eine mittlere jährliche Grundwasserentnahme von 407 Millionen m³. Weitere Informationen zur aktuellen mengenmäßigen GrundwassersituationÖffnet sich in einem neuen Fenster.

Der Grundwasserstand wird fortlaufend über Messstellen des Landesgrundwasserdienstes überwacht, um natürliche und vom Menschen beeinflusste Veränderungen des Grundwasserdargebotes feststellen zu können. Die GrundwasserbeschaffenheitÖffnet sich in einem neuen Fenster ist zahlreichen Einflüssen durch Industrie, Verkehr, Landwirtschaft sowie der Wohnbebauung ausgesetzt. Eine vorsorgende, langfristige Planung von Schutzmaßnahmen ist erforderlich, um das Bewirtschaftungsziel eines guten chemischen Grundwasserzustandes zu erhalten oder zu erreichen. Die Qualität des Grundwassers wird fortlaufend über Messstellen des Landesgrundwasserdienstes (rund 350) und über weitere Messstellen (rund 3.500) für die Untersuchungen nach der Rohwasseruntersuchungsverordnung (RUV) überwacht und auf eine Vielzahl von Parametern untersucht.

Wasserschutzgebiete

In Hessen wird der weit überwiegende Teil des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Zum Schutz dieser lebensnotwendigen Ressource dienen vielfältige Aktivitäten, wie die Ausweisung von Wasserschutzge

Wasserschutzgebiete werden von den Regierungspräsidien in Hessen abhängig vom Nitratgehalt des Grundwassers als Wasserschutzgebiete festgesetzt.

2020 waren in Hessen etwa 1.700 Trinkwasserschutzgebiete ausgewiesen. Weiterhin befanden sich über 200 Trinkwasserschutzgebiete im Festsetzungsverfahren. Die Trinkwasserschutzgebiete haben dabei eine Fläche von über 6.300 km². Dies entspricht einem Anteil von rund 30 % an der Landesfläche Hessens.

Wasserversorger und örtliche Landwirte, die im Wasserschutzgebiet wirtschaften, können eine Wasserschutzgebietskooperation. Dabei kann der Kooperationsvertrag einzelne Ver- und Gebote für das Wasserschutzgebiet bestimmen. In diesen Kooperationsvereinbarungen können gewässerschützende Maßnahmen festgelegt werden und durch ein Beratungsangebot begleitet werden. Neben der Finanzierung des Beratungsbüros werden durch den Wasserversorger die durch die Maßnahmenumsetzung etwaig entstehenden Nachteile finanziell ausgeglichen.Mithilfe dieser Kooperationsverträge konnte eine Senkung der Nitratgehalte im Grundwasser erreicht werden. Um dieses Erfolgsmodell weiter auszuweiten, fördert das Hessische Umweltministerium seit 2018 die Bildung von Wasserschutzgebietskooperationen durch vollständige Übernahme der NAG-Kartierungskosten. Eine Kartierung der Nitrataustragsgefährdung (NAG) ist bei der Festsetzung von Wasserschutzgebieten grundsätzlich durchzuführen.

Das Land Hessen finanziert seit rund 10 Jahren die gewässerschützende landwirtschaftliche Beratung durch fachkundige BeratungsbürosÖffnet sich in einem neuen Fenster. Das Land Hessen stellt dafür jährlich rund 4 Mio. Euro zur Verfügung.

Die Beratung beinhaltet eine für Landwirtinnen und Landwirte kostenfreie Ermittlung des pflanzenverfügbaren Stickstoffs (Nmin) zur Düngegabenberatung im Frühjahr, vegetationsbegleitend, aber auch zur Nachernte, eine Messung im Herbst dient dem Wirkungscontrolling. Darüber hinaus werden flächendeckend Bodenanalysen, Wirtschaftsdüngeranalysen und Pflanzenanalysen angeboten.

Sinkende Hoftorbilanzen sowie abnehmende, teils auch stagnierende Nitratgehalte im Grundwasser zeigen den Erfolg der bereits umgesetzten Beratungsmaßnahmen.

Mit der vom Land Hessen und den Landwirtschafts- und Naturschutzverbänden getragenen KooperationsvereinbarungÖffnet sich in einem neuen Fenster wurden 2021 u.a. eine gewässerschutzorientierte Beratung mit Maßnahmen zum Humusaufbau, der Etablierung von Fruchtfolgen und den Anbau von Zwischenfrüchten als Schwerpunktsetzungen vereinbart.

Wasserversorgung

Wesentliches Ziel der nachhaltigen Wasserwirtschaft ist die langfristige Sicherstellung der öffentlichen und industriell-gewerblichen Wasserversorgung unter Berücksichtigung der ökologischen Tragfähigkeit und Attraktivität der Gesamtregion sowie der räumlichen Nutzungsanforderungen von Bevölkerung und Wirtschaft. Jeder Einzelne kann und sollte dazu beitragen, dass der Wasserverbrauch weiter zurückgeht.

In Hessen ist die Wasserversorgung eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Demnach haben die Städte und Gemeinden in ihrem Gebiet die Bevölkerung und die gewerblichen und sonstigen Einrichtungen ausreichend mit Trink- und Betriebswasser zu versorgen. Sie können diese Aufgaben entweder selbst durchführen oder sich privater Dritter bedienen bzw. können dabei auch Wasser- und Bodenverbände oder Zweckverbände bilden.

Integriertes Wasser-Ressourcen-Management

Der Klimawandel, der demografische Wandel und der Schutz der Grundwasserressourcen werden die Bewirtschaftung der Wasserressourcen und die Sicherstellung der Wasserversorgung in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen. Es gilt sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner als auch für die ansässigen Unternehmen die Wasserversorgung langfristig sicherzustellen. Gleichzeitig sollen der Vogelsberg und das Hessische Ried, die die Metropolregion anteilig mit Wasser versorgen, weiter umweltschonend bewirtschaftet werden.

Das Leitbild für ein Integriertes Wasserressourcen-Management formuliert die Rahmenbedingungen, konzeptionellen Ziele und Grundprinzipien sowie die Organisation und Instrumente der Umsetzung geeigneter Maßnahmen einer leistungsfähigen und umweltverträglichen Wasserversorgung für ganz Hessen. Erarbeitet wurde das Leitbild in einem breit angelegten Dialogprozess gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der kommunalen Aufgabenträger, der Industrie- und Handelskammer, der Umwelt- und Naturschutzgruppen sowie wichtiger Interessengruppen.

Im Rahmen des Wasser-Ressourcen-Managements werden kommunale Wasserkonzepte sowie ein wasserwirtschaftlicher Fachplan Rhein-Main erstellt. Dabei sollen gezielt Maßnahmen zum sparsamen Umgang mit Wasser und zur vermehrten Nutzung von Brauchwasser berücksichtigt werden. Hierzu gehört zum Beispiel die Nutzung von gesammeltem Regenwasser. Ebenfalls könnten Neubauten ein doppeltes Leitungssystem bekommen, in dem Brauchwasser für die Toilettenspülung genutzt wird. Auch soll trotz des hohen Bedarfs an Bauland Wasserwerke im Rhein-Main-Gebiet erhalten und optimiert werden, um den Wasserbedarf auch aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken.

    Bei der Aufstellung von Kommunalen Wasserkonzepten werden die örtlichen Gegebenheiten aus Sicht der jeweiligen Kommune systematisch erfasst, die zu erwartenden Entwicklungen prognostiziert, Optimierungspotentiale und Risiken für die Ressourcenverfügbarkeit und Leistungsfähigkeit der Versorgungssysteme ermittelt sowie passende Maßnahmen zur langfristigen Sicherstellung der Wasserversorgung entwickelt. Damit leisten Wasserkonzepte einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherstellung der Wasserversorgung.

    Das Land Hessen fördert die Erstellung von Kommunalen Wasserkonzepten zunächst pilothaft für die Jahre 2020 und 2021. Antragsberechtigt sind hessische Kommunen, deren Zusammenschlüsse und Zweckverbände sowie kommunale Unternehmen.

    Zuständig für Fragen der Förderung sowie Bewilligungsbehörde ist das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Bitte wenden Sie sich für weitere Informationen an wasserundboden@umwelt.hessen.de

    Rhein-Main-Gebiet

    Die Wasserversorgung des bevölkerungsreichen Rhein-Main-Gebietes wird auch aus Grundwasservorkommen im Vogelsberg und im Hessischen Ried gespeist.

     Der Grundwasserleiter des Oberrheingrabens zählt zu den größten Grundwasserspeichern Europas. Das Hessische Ried liegt im nördlichen Oberrheingraben und stellt mit seinen Grundwasserressourcen einen bedeutenden Trinkwasserlieferanten für den Ballungsraum Rhein-Main dar. Die Grundwasserentnahme erfolgt nach den Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches RiedÖffnet sich in einem neuen Fenster auf Basis wasserwirtschaftlich-ökologischer Kriterien. Der Grundwasserbewirtschaftungsplan folgt dem Nachhaltigkeitsprinzip und trägt dazu bei, Konflikte zwischen den teilweise widersprüchlichen naturräumlichen und nutzungsspezifischen Anforderungen an den Grundwasserhaushalt in der Region zu minimieren.

    Im Geltungsbereich des Grundwasserbewirtschaftungsplans wird die Stabilisierung der Grundwasserstände unter anderem durch die Infiltration von aufbereitetem Oberflächenwasser gesteuert. Der Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried führt seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1999 zu einer Verbesserung und Stabilisierung der Grundwasserverhältnisse im Hessischen Ried.

    Ein Runder Tisch zur weiteren Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried, der im Jahr 2012 von der Hessischen Landesregierung einberufen wurde, hat Lösungsansätze und Beschlussempfehlungen für eine nachhaltige Verbesserung des Waldzustands ausgearbeitet (Kummer et al. 2015). Nach dem Abschluss der Arbeit des Runden Tischs wurde im Umweltministerium im Jahr 2016 eine Projektstruktur zur Konkretisierung und Umsetzung zielführender MaßnahmenÖffnet sich in einem neuen Fenster eingesetzt.

    Der Vogelsberg dient aufgrund seiner klimatischen und geologischen Besonderheit seit weit über 100 Jahren der überregionalen Wassergewinnung. Grundwasserentnahmen im Vogelsberg stellen neben den Entnahmen im Hessischen Ried eine tragende Säule der öffentlichen Wasserversorgung im Ballungsraum Rhein-Main dar. Die zunehmende Konkurrenz zwischen der Grundwasserentnahme aus dem Vogelsberg und anderen Nutzungsansprüchen, hauptsächlich Ansprüche des Natur- und Umweltschutzes, gab Anfang der 1990er Jahre Anlass zu einem Gutachten, das die Rahmenbedingungen für eine umweltschonende Wassergewinnung im Vogelsberg untersuchte. Darauf aufbauend wurde 1995 die erste Version eines „Leitfadens zur Durchführung der Untersuchungen im Rahmen von Wasserrechtsanträgen“ im Vogelsberg entwickelt. Der Leitfaden empfiehlt die Erteilung von neuen Wasserrechten mit einer Reihe von Maßnahmen zu verbinden, die dem Umweltschutz dienen. Hiermit hat das Land Hessen einen innovativen Weg für wasserrechtliche Entscheidungen im Vogelsberg geebnet. Das Konzept bezieht die wesentlichen Akteure mit ein und nimmt gleichermaßen viele in die Pflicht: Die Wasserwerke, die Wasserbehörden, Umwelt- und Interessenverbände, Kommunen und nicht zuletzt die Bürgerinnen und Bürger

    Die Sicherstellung der Wasserversorgung im Ballungsraum Rhein-Main erfolgt über ein weit verzweigtes Verbundsystem zwischen den süd- und mittelhessischen Gewinnungsgebieten und den Bedarfsgebieten in den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Neben dem Leitungsverbund Rhein-Main stellen

    • das Wasserwerk Biebesheim zur Aufbereitung von Rheinwasser des Wasserverbandes Hessisches Ried,
    • die Einspeisung von aufbereitetem Rheinwasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung im Hessischen Ried
    • sowie die Grundwasseranreicherung von aufbereitetem Rheinwasser im Einflussbereich der Wasserwerke im Hessischen Ried

    wichtige Bausteine für die Sicherstellung der Wasserversorgung im Rhein-Main-Ballungsraum und für die nachhaltige Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen dar.

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