Schwarz-Weiße Kuh

Bovine Virusdiarrhoe

Die Bovine Virus Diarrhoe (BVD) ist eine Rinderkrankheit, die zu den verlustreichsten Virusinfektionen zählt und durch ein Virus der Familie der Pestiviren ausgelöst wird. Meist breitet sich die Infektion unbemerkt im Bestand aus, weil anfänglich keine oder leichte Krankheitssymptome wie Nasenausfluss, Atemwegserkrankungen und Durchfall zu beobachten sind.

Eine Infektion während der Trächtigkeit verursacht allerdings hohe wirtschaftliche Schäden und wird meist erst nach Monaten in aller Deutlichkeit erkennbar. Dabei hängt es davon ab, zu welchem Zeitpunkt sich das tragende Rind mit dem BVD-Virus ansteckt. Bei allen Kälbern in Deutschland müssen seit dem 21. April 2021 im Zusammenhang mit der amtlichen Kennzeichnung bis zum 20. Lebenstag Proben zur Untersuchung auf das BVD-Virus entnommen werden. Dauerausscheider müssen getötet werden.

Verbringungsregeln

Seit dem 21. April 2021 müssen Rinder, die in BVD-freie Betriebe in Hessen verbracht werden, eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Das Rind stammt aus einem BVD-freien Betrieb, der in einem BVD-freien Mitgliedstaat oder einer BVD-freien Zone liegt.
  • Das Rind stammt aus einem BVD-freien Betrieb, in dem innerhalb der letzten 4 Monate eine serologische Bestandsuntersuchung mit negativem Ergebnis durchgeführt wurde.
  • Das Rind stammt aus einem BVD-freien Betrieb und wurde unter Berücksichtigung eines eventuellen Trächtigkeitsstadiums und der bisherigen Tests vor der Verbringung individuell getestet.
  • Das Rind stammt nicht aus einem BVD-freien Betrieb, wurde negativ auf BVD-Virus oder -Genom getestet und vor der Versendung mind. 21 Tage in Quarantäne gehalten. Im Falle einer Trächtigkeit wurde das Rind zusätzlich nach 21 Tagen Quarantäne negativ auf BVD-Antikörper getestet.
  • Das Rind stammt nicht aus einem BVD-freien Betrieb, wurde negativ auf BVD-Virus oder -Genom getestet und vor der Versendung positiv auf BVD-Antikörper getestet. Im Falle einer Trächtigkeit wurde die Untersuchung auf BVD-Antikörper mit positivem Ergebnis vor der Besamung durchgeführt.

Diese Regelungen gelten auch für Rinder, die aus anderen Mitgliedstaaten nach Hessen verbracht werden.

 

Werden tragende Tiere infiziert, die selbst noch keinen Kontakt mit dem BVDV-Virus hatten, kommt es zur Infektion der Frucht im Mutterleib. Je nach Stadium der Trächtigkeit sind dabei unterschiedliche Verläufe möglich. Im ersten Drittel der Trächtigkeit wird das BVDV-Virus meist wie ein Körperbestandteil behandelt. Das Kalb bleibt lebenslang („persistent”) von dem Virus besiedelt, bildet auch im späteren Leben keine Antikörper gegen dieses Virus (Immuntoleranz) und scheidet ständig BVD-Virus in hohen Konzentrationen aus. Die betroffenen Tiere werden deshalb als Dauerausscheider, PI-Tiere oder auch „Virämiker“ bezeichnet. Erfolgt die Infektion des Kalbes im Mutterleib etwas später, d.h. im ersten Monat des zweiten Drittels der Trächtigkeit, treten Missbildungen auf. Betroffene Kälber können nach der Geburt meist nicht stehen, saufen aber zum Teil noch. Sie leiden häufig an Augen- und Kleinhirnschäden, oft auch an einem Wasserkopf. Kopfnackenhaltung oder Festliegen in Seitenlage sind typische Symptome. Im letzten Drittel der Trächtigkeit ist das Kalb im Mutterleib bereits in der Lage, sich wie ein erwachsenes Tier mit der Infektion auseinander zu setzen. Er bildet bereits im Mutterleib Antikörper gegen das Virus. Anstelle der beschriebenen Krankheitsbilder können durch die Infektion in der ersten Trächtigkeitshälfte auch Verkalbungen ausgelöst werden. An der Mucosal disease (Schleimhautkrankheit), der schweren Verlaufsform der BVDV- Infektion, können nur die Dauerausscheider erkranken, die im Mutterleib mit BVDV- Virus persistent (fortwährend) infiziert wurden.

BVD-freie Betriebe

Mit der neuen Rechtsetzung auf EU-Ebene wurde der Betriebsstatus „frei von BVD“ eingeführt. Diesen Status können fast alle Betriebe in Hessen erfüllen. Nur wenn 99,8% der Betriebe den Status „frei von BVD“ haben, kann ein Gebiet als „BVD-frei“ anerkannt und der Status aufrechterhalten werden. Die ständige Statusüberwachung der Betriebe durch den Tierhalter und die Veterinärbehörden ist deshalb von zentraler Bedeutung.

Die Betriebe müssen folgende Bedingungen dauerhaft erfüllen:

  • mind. seit 18 Monaten kein BVD-Fall im Bestand
  • fristgerechte Untersuchung aller nachgeborenen Kälber
  • alle in den Bestand eingestellten Rinder sind BVD-frei. Dies gilt auch für Rinder aus anderen EU-Mitgliedstaaten
  • Zuchtmaterial (z.B. Sperma, Embryonen) dürfen nur aus zugelassenen und BVD-freien Betrieben stammen.
  • Keine Impfung gegen BVD im Bestand
  • BVD-freie Betriebe, die in BVD-freien Gebieten liegen dürfen keine gegen BVD geimpften Rinder einstellen

Gebiete mit Tilgungsprogramm

Für Gebiete, in denen in den vergangenen 18 Monaten noch BVD-Ausbrüche gemeldet wurden, kann der Status „BVD-frei“ nur über die Durchführung eines Tilgungsprogramms erreicht werden. Für Hessen wurde für den Landkreis Fulda ein entsprechender Antrag bei der EU-Kommission gestellt. Bis auf die Betriebe mit BVD-Ausbrüchen gelten in Gebieten mit Tilgungsprogramm die zuvor aufgeführten Vorgaben für BVD-freie Betriebe.

BVD-freie Gebiete

EU-Mitgliedstaaten können den Status „BVD-frei“ für Gebiete beantragen, in denen in den letzten 18 Monaten kein BVD-Ausbruch festgestellt wurde. Für Hessen wurde für das gesamte Landesgebiet mit Ausnahme des Landkreises Fulda bei der EU-Kommission ein entsprechender Antrag eingereicht.

Die Bedingungen für das Erreichen und den Erhalt des Gebietsstatus „BVD-frei“ sind:

  • Die Impfung gehaltener Rinder gegen BVD ist verboten. Ausnahmen mit Zustimmung der Veterinärbehörden sind möglich.
  • mind. kein BVD-Ausbruch in den letzten 18 Monaten in dem Gebiet
  • mind. 99,8% der Betriebe in denen mind. 99,9% der Rinderpopulation stehen, sind frei von BVD

Von Kälbern in BVD-freien Beständen, was auf nahezu alle Bestände in Hessen zutrifft, müssen seit dem 21. April 2021 spätestens bis zur Vollendung des 20. Lebenstages Proben zur Untersuchung auf BVDV-Virus entnommen werden. Die Untersuchung kann an Ohrstanzen, aber auch aus Blutproben vorgenommen werden. Im Falle Antigen-positiver Befunde ist die Viruspersistenz durch eine Wiederholungsuntersuchung der betreffenden Rinder nach frühestens 21 Tagen und längstens 60 Tagen zu bestätigen. Für diese Zeit wird der Status „BVD-frei“ des Betriebs ausgesetzt. Für Rinder, die aus dem Betrieb verbracht werden sollen, sind dann zusätzlich Untersuchungen auf BVD erforderlich.

Im Falle von Ohrstanzprobenuntersuchung genügt für die Gewährung von Merzungsbeihilfen ein positives Erstergebnis als Virämiker-Nachweis. In Ausnahmefällen kann auf Wunsch des Tierhalters eine Wiederholungsuntersuchung durchgeführt werden. Sollte die Nachuntersuchung versäumt werden, wird das Kalb auch ohne Nachuntersuchung als PI-Tier eingestuft. PI-Tiere müssen unverzüglich getötet oder geschlachtet werden. Der Transport zur Schlachtstätte darf dabei nur unmittelbar (direkt) und nur zusammen mit anderen Tieren erfolgen, die in derselben Schlachtstätte geschlachtet werden.

Von der Untersuchungspflicht ausgenommen sind reine Mastbestände, wenn keine Rinderzucht angeschlossen ist, die Rinder nur zur Schlachtung an Schlachtbetriebe abgegeben werden und die in den Mastbestand eingestellten Rinder BVD-frei sind.

Zoos und vergleichbare Einrichtungen können von der Untersuchungspflicht ausgenommen werden, wenn sie zum Zweck der Verbringung von der zuständigen Behörde zugelassen sind und die diesbezüglichen Bestimmungen erfüllen.

Für die Entnahme der Ohrstanzen enthält der Dornteil der Ohrmarke eine Probenentnahmekanüle mit einem scharfen Metallrand. Beim Einziehen der Ohrmarke wird mit dem scharfen Rand der Entnahmekanüle ein kleines rundes Hautstück ausgestanzt, das dann mit der Entnahmekanüle nach dem Einziehen der Ohrmarke in der Ohrmarkenzange verbleibt. Über die Entnahmekanüle wird dann eine durchsichtige Schutzhülle geschoben und mit der Zange festgeklickt. Sowohl auf dem Kopf der Entnahmestanze als auch auf der Schutzhülle ist die Nummer der Lebensohrmarke als Barcode aufgedruckt. Die fertige Ohrstanze kann mit der Post an den Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) versandt werden, wobei spezielle Versandtaschen bereits bei der Lieferung der Ohrstanzen enthalten sind. Die Ergebnisse der Ohrstanzuntersuchungen werden in das HI-Tier-System eingestellt und können dort vom Landwirt abgerufen werden. Positive Untersuchungsergebnisse und die Mitteilung über nicht verwertbare Probeneinsendungen werden dem Tierhalter durch den LHL schriftlich übersendet.

Die Ohrstanzen können im Kühlschrank gelagert werden, so dass auch mehrere Stanzen zum Einsparen von Porto gemeinsam versandt werden können. Die Frist zur Beprobung bis zum 20. Lebenstag muss dabei beachtet werden.

Die Hessische TierseuchenkasseÖffnet sich in einem neuen Fenster gewährte 2010 für PI-Tiere eine gestaffelte Ausmerzungsbeihilfe.

Die Ausmerzungsbeihilfe beträgt für:

  • Rinder bis einschließlich 6 Monate Alter 90,00 Euro
  • Rinder von 7 bis einschließlich 24 Monaten Alter150,00 Euro
  • Rinder älter 24 Monate 300,00 Euro

Die Härtebeihilfe für Rinder die nachweislich an BVDV/MD verendet sind entfällt 2010.

Mit Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung zur Schaffung bzw. zur Erhaltung eines BVDV- unverdächtigen Rinderbestandes werden die Ohrstanzmarken und das für die Untersuchungen erforderliche Material durch die Hessische Tierseuchenkasse finanziert. Die im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor anfallenden Personalkosten werden durch das Land Hessen übernommen. Die tierärztlichen Gebühren für die Probenentnahmen bei Blutproben sowie die Kosten für die benötigten geeigneten Transportumschläge trägt der Tierhalter.

Die Verpflichtungserklärungen können bei den zuständigen Ämtern für Veterinärwesen und Verbraucherschutz angefordert werden.

Die hessischen Rinderhalter sollten sich auf den Beginn der flächendeckenden BVDV-Bekämpfung vorbereiten und auf freiwilliger Basis dem hessischen Bekämpfungsprogramm beitreten. So besteht die Möglichkeit, im Laufe des Jahres 2010, den Gesamtbestand auf das BVDV-Virus zu kontrollieren, eine Sanierung einzuleiten und 2011 frühzeitig den Bestandsstatus „unverdächtig“ zu erreichen.

Weitere Informationen können auch auf der Website der Hessischen TierseuchenkasseÖffnet sich in einem neuen Fenster abgerufen werden.

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