Schwarzstorch

Schutz von windenergiesensiblen Arten und ihren Lebensräumen

Windenergie ist ein zentraler Baustein der Energiewende, allerdings reagieren einige Tiere besonders empfindlich auf Windenergieanlagen. Mit einem landesweiten Hilfsprogramm für windenergiesensible Arten baut die Hessische Landesregierung den Schutz für Arten wie zum Beispiel Schwarzstorch, Rotmilan und Abendsegler aus.

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Die Landesregierung ist entschlossen, den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verbesserung der Situation der besonders betroffenen Arten gleichermaßen voranzutreiben. Ziel ist es, die Lebensräume der betroffenen Tiere aufzuwerten und ihre Nester und Kinderstuben zu schützen. Der Bundesverband WindEnergie e.V. sowie die Naturschutzverbände NABU Hessen, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Hessen (BUND Hessen) und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) arbeiten hierbei mit und haben sich gemeinsam für einen naturverträglichen Windenergieausbau ausgesprochen.

Schutzzonen im Fokus

Ein wichtiger Schritt dabei ist, gemeinsam mit den Kommunal- und Privatwaldbesitzenden über den Vertragsnaturschutz Schutzzonen einzurichten rund um die Wochenstuben und Horste von unter anderem Schwarzstörchen, Rotmilanen und Fledermäusen. Dort sollen dann keine Forstarbeiten mehr stattfinden, damit die Tiere in Ruhe ihre Jungen aufziehen können. Zudem soll die Forschung zu den Lebensräumen der windenergiesensiblen Arten ausgebaut werden, um daraus Erkenntnisse für weitere Schutzmaßnahmen gewinnen zu können. Auch Kartierungen sollen dabei helfen, die Standortentwicklung im Blick zu behalten. Zusätzlich wird die Biodiversitätsberatung beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen ausgebaut, um auch Landwirtinnen und Landwirte als wichtige Partner zu beteiligen. Sie können mit strukturreichen Feldern, Blühstreifen, Brachen und einer verbesserten Grünlandbewirtschaftung das Nahrungsangebot insbesondere für den Rotmilan deutlich verbessern.

Details zum Hilfsprogramm für windenergiesensible Arten

Mit dem Programm werden Schutzmaßnahmen für von Windenergieanlagen beeinträchtigte Vogel- und Fledermausarten außerhalb von Windenergievorranggebieten umgesetzt.

Erste Maßnahmen werden im Staatswald seit Frühjahr 2021 durchgeführt: In einem Umkreis von 200 Metern um bekannte Wochenstuben der Mopsfledermaus werden zwischen April und Oktober grundsätzlich keine abgestorbenen Bäume mehr entfernt, da sich in der Rinde oder in Spalten weitere Wochenstuben befinden könnten. Davon profitieren auch viele Insekten, die in abgestorbenen Bäumen leben sowie verschiedene Waldvogelarten. Außerdem findet um alle bekannten mehrjährig besetzten Horste von Schwarzstörchen im Staatswald keine forstliche Nutzung mehr statt.

Weitere Maßnahmen werden folgen. Dazu gehören Untersuchungen zum Lebensraum und Verhalten des Großen und Kleinen Abendseglers. Rund um die bekannten Wochenstuben dieser beiden Fledermausarten sind ebenfalls Schutzzonen in der Planung. Gleiches gilt für die Mopsfledermaus. Für die Bechsteinfledermaus werden besonders geeignete Staatswaldbereiche identifiziert, die dann künftig fledermausfreundlich bewirtschaftet werden sollen. Für die Schutzzonen von Schwarzstorchhorsten außerhalb des Staatswaldes sollen ab 2022 langfristige Naturschutzverträge geschlossen werden. Für den Rotmilan stehen für die nächsten Jahre sogar bis zu 300 Horstschutzzonen in der Planung. Mit den Kommunal- und Privatwaldbesitzenden sollen Verträge geschlossen werden mit einem Nutzungsverzicht des Waldes in den Schutzzonen auf 10 Jahre. Auch für hessische Wespenbussarde wird ein Schutzkonzept erarbeitet.

Gutachten für Artenhilfsmaßnahmen von Windenergieprojekten

Ein im Auftrag des Hessischen Wirtschafts- und Energieministeriums in Abstimmung mit dem Hessischen Umweltministerium vergebene Gutachten identifiziert geeignete Räume für naturschutzrechtlich erforderliche Ausgleichsmaßnahmen für die beiden maßgeblich von der Energiewende in Hessen betroffenen Vogelarten Rotmilan und Schwarzstorch. Insgesamt werden ca. 80.000 Hektar als besonders geeignet ermittelt, das ist doppelt so viel Fläche, wie die Vorranggebiete für Windenergieanlagen in Hessen. Der Schutz von Horsten und Nestern sowie dem daran angrenzenden Umfeld, in dem die Tiere ihre Nahrung finden, ist somit schon gesichert, bevor die Planung möglicher Windenergieprojekte startet. Diese können dann mit mehr Planungssicherheit und effizienter umgesetzt werden.

Pro Regierungsbezirk sollen je drei große Gebiete ausreichend Platz für flexible Lösungen für den naturschutzrechtlich erforderlichen Ausgleich und Maßnahmen aus den Artenhilfsprogrammen bieten.

Die nach breitem Dialog mit Landesplanungs-, Naturschutz- und Genehmigungsbehörden sowie den Verbänden des Naturschutzes und der Windenergie identifizierten Regionen für die Artenschutzmaßnahmen sollen sich im Umfeld der Natura 2000-Gebiete befinden, in denen bereits viele Tiere der regionaltypischen Vogelwelt leben und aus denen heraus der nachhaltige Arterhalt langfristig gesichert werden kann. Das Gutachten beschreibt auch die hierfür geeigneten Maßnahmentypen.

Bereits mit der seit dem 01. Januar 2021 in Hessen in Kraft getretenen Verwaltungsvorschrift Naturschutz/Windenergie 2020 wurde ein wichtiger Baustein zur Vereinbarkeit von Energiewende und Naturschutz gelegt. In ihr werden viele Anstrengungen im Bereich des Arten- und Lebensraumschutzes auf der Genehmigungsebene entwickelt und angekündigt, so dass in Hessen durch besondere landesweite Maßnahmen zum Schutz der Arten über das rechtlich Gebotene hinausgegangen werden wird. Für die Landesregierung ist klar, dass der Kampf gegen das weltweite Artensterben und der Klimaschutz untrennbar miteinander verbunden sind und deswegen der Ausbau der Windenergie als tragende Säule der Energiewende nicht zu Lasten bedrohter Arten gehen darf und gleichzeitig gezeigt wird, dass Energiewende und Artenschutz sehr gut vereinbar sind.

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