Äpfel, Karotten und Gurke

Lebensmittelwertschätzung

Seit vielen Jahr versuchen staatliche und nichtstaatliche Akteurinnen und Akteure das Problem der anhaltend hohen Lebensmittelverschwendung in den Griff zu bekommen. Zwar kann man als Erfolg verbuchen, dass die Verschwendung wertvoller Lebensmittel in dieser Zeit nicht zugenommen hat, leider ist sie aber auch nicht signifikant weniger geworden.

Dies betrifft vor allem den Bereich der privaten Haushalte, aber auch die Außer-Haus-Verpflegung, die Produktion und die Verarbeitung von Lebensmitteln und den Handel. Das zeigt: Die Reduzierung von Lebensmittelabfällen geht alle an. Jede und jeder kann etwas tun.

Der wichtigste Ansatz besteht darin, die Wertschätzung für Lebensmittel in der Gesamtbevölkerung zu erhöhen. Ein respektvoller und nachhaltiger Umgang mit Nahrung und Lebensmitteln ist notwendig. Das umfasst die Arbeits- und Anbaubedingungen in der Landwirtschaft, die Preisgestaltung unserer Lebensmittel, sowie bewusste und angemessene Entscheidungen beim Einkauf und auch beim Kochen in der eigenen Küche.

Dabei ist es ist wichtig, verschiedenste Maßnahmen zu ergreifen, um hier etwas zu erreichen. Und genau das macht Hessen. Das Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nimmt sich dem Thema an und arbeitet mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern intensiv zusammen um sich für Lebensmittelwertschätzung einzusetzen.

Lebensmittel wertschätzen

Lebensmittel von klein auf wertschätzen.

Damit man Dinge wertschätzt, muss man einen Bezug zu ihnen haben. Genauso verhält es sich auch mit Lebensmitteln. Wenn Kinder und Erwachsene wissen, wie mühsam Lebensmittel erzeugt werden und wie viel Arbeitsaufwand dahintersteckt, ist die Hemmschwelle, diese wegzuwerfen, höher. Deshalb gibt es in Hessen das Projekt „Bauernhof als Klassenzimmer"Öffnet sich in einem neuen Fenster. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Bauernverband im Jahr 2000 auf den Weg gebracht und mit verschieden Projektunterstützern weiterentwickelt. Das Projekt zielt darauf ab, Kindern die hohe Wertigkeit von Lebensmitteln zu vermitteln, indem ihnen gezeigt wird, wie mühevoll und mit wie viel Arbeitseinsatz diese erzeugt werden. Über 200 250 Partnerbetriebe öffnen mittlerweile ihre Hoftüren für hessische Schulklassen und Gruppen jeglichen Alters.

Wieso werden Lebensmittel weggeworfen? Unter anderem, weil sie verderben oder man nicht weiß, was man mit Resten anfangen soll. Hier setzt das vom Hessischen Verbraucherschutzministerium in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Kultusministerium und verschiedenen hessischen Institutionen und Verbänden aus dem Ernährungsbereich entwickelte Bausteinkonzept „Werkstatt Ernährung“ frühzeitig an.

Es behandelt das Thema „Essen und Trinken und ist als Grundlage zur Gestaltung von Arbeitsgruppen und Projekttagen sowie Projektwochen gedacht. Die Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler vorwiegend der Klassen 5 und 6 aller Schulformen. In der „Werkstatt Ernährung“ erfahren diese mehr über die Welt der Lebensmittel und deren Zubereitung. Ziel ist es, durch eine lebensnahe Herangehensweise bei Kindern und Jugendlichen ein nachhaltiges Ernährungsverhalten zu erreichen. Dazu gehört auch, zu lernen, wie man mit Lebensmittelresten umgeht und wie man den Kühlschrank so einräumt, dass Lebensmittel nicht verderben. Rezepte für die kreative Resteküche sind hier ebenso enthalten wie Anleitungen für Geschmackstests, um herauszufinden, ob das Lebensmittel noch gut ist. Die Werkstatt Ernährung in Hessen wird in Zusammenarbeit mit dem LandFrauenverband Hessen e.V. durchgeführt.

Lebensmittelverschwendung in der Außer-Haus-Verpflegung beseitigen

Lebensmittelverschwendung betrifft alle Stufen entlang der Wertschöpfungskette, auch die Außer-Haus-Verpflegung. Lebensmittelreste fallen auf Kantinentellern ebenso an wie im Restaurant. Wie kann man das in den Griff bekommen?

Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, hat die Hessische Landesregierung Anfang 2017 bis 2018  ein Pilotprojekt zur Reduzierung von Lebensmittlabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung unter dem Titel „Kulinarisch nachhaltig: Essen in Hessen“Öffnet sich in einem neuen Fenster gestartet. Das Projekt wurde gemeinsam mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) umgesetzt und verfolgte zwei Ziele: die Reduzierung von Lebensmittelabfällen in Großküchen und eine nachhaltigere und gesündere Außer-Haus-Verpflegung in Hessen. Die Außer-Haus-Verpflegung wurde dabei in acht hessischen Modell-Kantinen untersucht.

Hessen unterstützt die Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel!“, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Zusammenarbeit mit den Ländern und lokalen Partnerinstitutionen durchgeführt wird. Die Aktionswoche ist Bestandteil der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung.Öffnet sich in einem neuen Fenster Sie bündelt Aktionsideen gegen Lebensmittelverschwendung entlang der Lebensmittelversorgungskette, informiert und fördert den gemeinsamen Information- und Erfahrungsaustausch.

Im Jahr 2021 beteiligt sich Hessen an der Ernteaktion „Gelbes Band“ - hier darf geerntet werdenÖffnet sich in einem neuen Fenster. Im Rahmen dieser bundesweiten Aktion für mehr Lebensmittelwertschätzung können Besitzende von Streuobstwiesen oder Obstbäumen ein gelbes Band an ihre Bäume binden – es signalisiert: Die Ernte ist für alle freigegeben. So sorgt die Aktion für mehr abgeerntetes Obst, das verwertet wird und nicht verdirbt. In Hessen beteiligt sich unter anderem der Tafel Hessen e.V. – Landesverband Hessen. Auch einige Landkreise unterstützen die Aktion. Daneben setzen sich die Vernetzungsstelle Schulverpflegung Hessen sowie die Verbraucherzentrale Hessen e. V. für eine weitreichende Bekanntmachung der Aktionswoche ein.

In einer digitalen LandkarteÖffnet sich in einem neuen Fenster können Standorte von Bäumen und Sträuchern sowie Aktionen zur Ernteaktion von Interessierten eingesehen und besucht werden.

Die Verbraucherzentrale Hessen hat die bundesweite interaktive Aktion "Ess-Kult-TourÖffnet sich in einem neuen Fenster" um eine Station ergänzt – den so genannten „LebensmittelretterÖffnet sich in einem neuen Fenster“. Zielgruppen des Projektes sind vorrangig Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Wohngebieten. Die Stationen richten sich an die Sekundarstufe I (ab Jahrgangsstufe 7) in Haupt-, Real-, Gesamt- und Mittelschulen sowie für Jugendliche und junge Erwachsene im Berufsgrundschul- bzw. Berufsvorbereitungsjahr angeboten.

Die Station Lebensmittelretter vermittelt, dass Lebensmittelverschwendung auf allen Stufen der Wertschöpfungskette stattfindet. Das Konsumverhalten wird reflektiert und der Umgang und die Lagerung mit Lebensmitteln erlernt. Zudem werden handlungsorientiert Strategien und Lösungswege zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung erarbeitet.

Tipp: Das Ratgeber-Buch der Verbraucherzentralen „Kreative Resteküche – Einfach – schnell - günstig“ liefert Rezepte zur Restverwertung, sinnvolle Planung beim Einkauf, der Vorratshaltung und Haltbarmachung.

Aufklärung im Projekt „Alltagskompetenzen“ – DHB- Netzwerk Haushalt nah am Verbraucher

Zu den Themen Lebensmittelverschwendung und Wertschätzung von Lebensmitteln klärt der DHB-Netzwerk HaushaltÖffnet sich in einem neuen Fenster regelmäßig in Seminaren des Projektes „Alltagskompetenzen – Erwerb von HaushaltsführungskompetenzenÖffnet sich in einem neuen Fenster“ sowie auch im Projekt „Haushaltskompetenz für FlüchtlingeÖffnet sich in einem neuen Fenster“ auf. Außerdem werden über die Ortsverbände des DHB- Netzwerk Haushalt bei verschiedensten Veranstaltungen wie Regionalmessen, Vorträgen und Aktionen praxisnah Informationen vermittelt.

Die Verbraucherzentrale NRW hat im Forschungsprojekt REFOWASÖffnet sich in einem neuen Fenster (Reduce Food Waste) in Zusammenarbeit mit Schulen Speiseabfälle erhoben, bewertet und daraufhin praxistaugliche Hilfen und Materialien sowie Aktionen zur Verringerung von Speiseabfällen in der Schulverpflegung für die Schulmensa und den Unterricht entwickelt.

Zudem gibt es anschauliche Erklärvideos:

  1. Bedarf kalkulieren und Gespartes investieren www.youtube.com/watch?v=DnwP5iHbROoÖffnet sich in einem neuen Fenster
  2. Abfälle wiegen und kleinkriegen www.youtube.com/watch?v=JHp-euIPyJcÖffnet sich in einem neuen Fenster
  3. Weniger Reste bei den Gästen www.youtube.com/watch?v=-gdeIU8Vg8MÖffnet sich in einem neuen Fenster
  4. Nach Daten folgen Taten www.youtube.com/watch?v=pYNzcNcEXfQÖffnet sich in einem neuen Fenster